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Job und Karriere

Freitag, 11.11.2011
Von: Daniela Haußmann Redaktion
Waldpädagogik

Bäume fällen für einen besseren Unterricht

Foto: Haußmann

Foto: Haußmann

Stuttgart. Katharina Falkenburgers stapft durchs Unterholz. Ihr Blick wandert durch die Baumkronen. Die Grundschullehrerin hält Ausschau nach Zukunftsbäumen und deren Bedränger. Udo Winkler hilft ihr bei der Auswahl. Er deutet mit dem Finger auf die Baumkrone einer Eiche. „Die Äste der Buche reiben an der Rinde der Eiche“, sagt der Forstwirtmeister. „Die Rinde der Eiche kann abgerieben werden, wodurch Pilze und Bakterien in die Verletzung eintreten können.“

Falkenburger nickt. „Außerdem sollen in diesem Forst Eichen erhalten und gefördert werden“, ergänzt die Pädagogin. Sie entdeckt, dass die Buche ein Loch im Stamm hat. Daher kennzeichnet die Lehrerin die Eiche als Zukunftsbaum und die Buche zur Fällung.

Falkenburger besucht im Haus des Waldes in Stuttgart die Fortbildung „Zertifikat Waldpädagogik“.  Diese besteht aus den Grundmodulen: Bildung für nachhaltige Entwicklung, pädagogische und forstliche Grundlagen. Die Fortbildung steht Lehrern, Erziehern und auch Förstern offen. Während sich letztere für den Zertifikatserwerb pädagogische Grundlagen erarbeiten, konzentrieren sich die pädagogischen Fachkräfte auf den Erwerb von Sachkenntnissen rund um den Wald.

Pädagogen lernen, welche Baumarten im Forst vorkommen

Berthold Reichle berichtet, dass den Teilnehmern unter anderem vermittelt wird, wie Säugetiere im Wald leben, welche Baumarten im Forst vorkommen, welche Standortfaktoren Einfluss auf ihr Wachstum haben oder wie das Holz verwertet wird. Die angehenden Waldpädagogen lernen auch Insekten zu bestimmen und erfahren welche Funktion sie für den Forst haben, wie der Leiter vom Haus des Waldes berichtet.

„Die Fortbildung soll aber nicht nur Wissen, sondern auch Kompetenzen vermitteln“, sagt Reichle. „Dazu gehört, dass die Teilnehmer ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie die Natur funktioniert.“ Das sei eine wichtige Voraussetzung, um bei Schülern das Umweltbewusstsein, aber auch die Identifikation mit dem Naturraum zu fördern.

Zur Fortbildung gehört ein 40-stündiges Praktikum

Um das „Zertifikat Waldpädagogik“ zu erhalten müssen die Teilnehmer 12  unterschiedliche, mindestens einen Tag dauernde Seminare besuchen. Diese können die Teilnehmer unter 60 Veranstaltungen, die im Haus des Waldes angeboten werden, frei wählen. So können forstliche und pädagogische Fachkräfte unter anderem erfahren, wie sie Schülern den Klimawandel begreifbar machen und sie an ihre persönliche Verantwortung heranführen können.

Das entsprechende Seminar vermittelt unter anderem Kenntnisse zu Kohlenstoffdioxid-Kreisläufen, zur Speicherung von Kohlenstoffdioxid in der Natur sowie der Auswirkungen der Schadstoffeinträge und der Klimaveränderung auf den Wald heute und in der Zukunft.

Zur Fortbildung gehört auch ein 40-stündiges Praktikum. „Das heißt, die potentiellen Waldpädagogen müssen zusammen mit Schulklassen raus in den Forst“, erklärt Berthold Reichle. „Den Teilnehmer wird vermittelt, wie die Führungen didaktisch vorbereitet werden, wie es gelingt ein schlüssiges Führungskonzept zu entwickeln und dessen Inhalte methodisch zu vermitteln.“ Wichtige Bestandteile des Praktikums seien aber auch Transfers. „Beispielsweise müssen die Teilnehmer in der Lage sein die Funktionen unseres Waldes global einzuordnen“, so Reichle. „Ein weiteres Transferbeispiel wäre die Antwort auf die Frage, welche Abhängigkeiten sich aus Nahrungsnetzen im Alltag ergeben.“

Nachfrage an den Seminaren wächst

Der Leiter vom Haus des Waldes erklärt, dass die Fortbildung jährlich einen Nachfragezuwachs von 20 bis 30 Prozent zu verzeichnen hat. Der Grund für die Steigerung liegt für Reichle auf der Hand. „Schulen haben im pädagogischen Bereich eine Weiterentwicklung erfahren“, sagt er. „Es geht in den Bildungseinrichtungen nicht mehr nur um Wissensvermittlung, sondern immer stärker um die Förderung von Kompetenzen.“ Im schulischen Kontext gewinne die Herstellung realer Bezüge deshalb an Bedeutung. „Aus diesem Grund werden außerschulische Lernorte wichtiger“, sagt Reichle. „Und Schüler können durch die Verbindung von Theorie und Praxis Bildungsinhalte besser verstehen und verinnerlichen.“

Das bestätigt auch Falkenburger. „Ich will zwar kein Zertifikat erwerben und besuche deshalb nur einzelne Seminare“, so Falkenburger. „Aber all die Kenntnisse, die mir zum Thema Waldwirtschaft oder –ökologie vermittelt werden, sind sehr tiefgreifend.“ Die Lehrerin hat auch die Erfahrung gemacht, dass sich an außerschulischen Lernorten wie dem Wald, das Klima im Klassenverband ändert. „Auch die Konzentration der Kinder verändert sich, ebenso wie die Gruppendynamik“, so Falkenburger. „Durch die Seminare erhalte ich wichtige Anregungen und Ideen für den Unterricht außerhalb des Klassenzimmers.“

Thema Natur als Erfahrungsraum in den Lehrplänen integriert

Martina Klemm, ist Lehrbeauftragte an der Katholischen Fachschule für Sozialpädagogik in Karlsruhe. Die Einrichtung bildet Erzieher aus. „Seit rund drei Jahren ist in den Lehrplänen das Thema Natur als Erfahrungsraum integriert“, so Klemm. „Mit der Fortbildung möchte ich insbesondere das Thema ganzheitliches Lernen von Kindern besser an die Erzieher vermitteln.“

Klemm empfiehlt die Fortbildung auch Erziehern. Grund: „Es werden immer mehr Waldkindergärten erschlossen und viele Einrichtungen haben einen Waldtag  oder eine Waldwoche eingeführt, daher wird derartiges Know-how wichtiger.“ Für Martina Klemm steht damit fest, dass die Fortbildung zum Waldpädagogen auch die Arbeitsmarktchancen von Erziehern verbessert.

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