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Job und Karriere

Freitag, 25.11.2011
Von: Eva-Maria Bast Redaktion
Portät

Karriere als Mutter und Späteinsteigerin

Fotos: privat

Fotos: privat

Offenburg. Kinder, Studium und Beruf unter einen Hut zu bringen und dann auch noch als Späteinsteigerin Karriere zu machen, das ist eine wahre Kunst. Landauf, landab wird darüber diskutiert, wie schwer eine solche Mehrfachbelastung ist. Und während noch zahlreiche Programme entwickelt werden, die Müttern das Leben in der Arbeitswelt erleichtern, hat die dreifache Mutter Jasmin Pfuhler aus Offenburg bereits eine Traumkarriere als Späteinsteigerin hingelegt.

Für ihre Bachelorarbeit im Bereich der Energietechnik wurde sie jüngst mit dem Albert-Tichelmann-Preis des Vereins Deutscher Ingenieure ausgezeichnet. Vor dreieinhalb Jahren, zum Sommersemester 2008, entschloss sich Pfuhler, ein Studium der Verfahrenstechnik mit dem Schwerpunkt Energietechnik an der Hochschule Offenburg aufzunehmen. Ihre Kinder waren damals zehn, 14 und 19, sie selbst 39 Jahre alt. Sie begann im zweiten Studiensemester, da sie vor über 20 Jahren schon ein Bauingenieur-Studium begonnen hatte, dieses aber nach dem Vordiplom aus familiären Gründen abbrechen musste.

Als ihre ältere Tochter ein Studium an der Hochschule Offenburg begann und die beiden kleineren Kinder die Schule besuchten, entschied sich Pfuhler, ihr Studium wieder aufzunehmen. „Mein Mann ist zum Glück einer, der sich einsetzt, er stand voll hinter mir“, sagt Pfuhler. Natürlich habe sie der Gedanke bewegt, ob sie als „Späteinsteigerin“ nach dem Studium überhaupt Chancen hätte.

Noch während dem Studium nimmt Pfuhler eine Stelle an

Doch sie hätte sich keine Sorgen machen müssen: Schon nach ihrem vierten Studiensemester war die Fachwelt auf die ruhige, besonnene und doch so tatkräftige und wissensdurstige Spätstudentin aufmerksam geworden und sie bekam Stellenangebote. Pfuhler brannte für ihre Arbeit und nahm eines der Jobangebote an: Bereits im Sommer 2010, also noch während ihres Studiums, begann sie am Steinbeis-Transferzentrum Energie-, Umwelt- und Reinraumtechnik Offenburg zu arbeiten......

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: ab Januar wird Pfuhler stellvertretende Leiterin des Steinbeis-Transferzentrums. Wie nebenbei legte die dreifache Mutter eine Abschlussarbeit hin, die mit der Note 1,0 bewertet wurde. Und auch für ihre Präsentationstechnik erhielt sie eine glatte 1. Und Pfuhlers Kinder folgen dem Beispiel der fleißigen Mutter: Sie sind gute Schüler und geben selbst Nachhilfeunterricht.

Kein typischer Karriereweg

Auch wenn Pfuhler vielleicht nicht gerade den typischen Karriereweg gegangen ist, so ist genau dieser Weg für sie doch sehr logisch, denn: „ohne lebenslanges Lernen wird man für seine Kinder nicht stets eine Antwort parat haben, die sie ermuntert weiter Fragen zu stellen. Wir müssen unser Potential nutzen, um unseren Kindern die Möglichkeit zu geben das ihre zu nutzen.“

Und Mutter ist Pfuhler aus vollstem Herzen. Eine Mutter, die viel weiß und ihren Kindern Vorbild ist, aber auch eine, die einfach nur das tut, was Mütter so gerne tun: Die Familie verwöhnen. So richtet Jasmin Pfuhler zum Beispiel trotz ihrer beruflichen Belastung vor jedem Geburtstag ihrer Kinder einen herrlichen Geburtstagstisch. „Und dann frühstücken wir auch alle zusammen. Manchmal um 5 Uhr morgens.“

„Späteinstieg kann doch gelingen wenn man sehr engagiert ist“

Ihre Lebenserfahrung, findet Pfuhler, gleiche die Tatsache, dass sie keine blutjunge Berufseinsteigerin mehr ist, mehr als aus. „Ingenieure, die jeden Tag ihr Familienunternehmen managen, sollten für Betriebe besonders attraktiv sein. Sie bringen die häufig geforderten Soft Skills ja schon mit.“

Wie sie das alles geschafft hat? „Das weiß ich selber gar nicht so genau“, sagt sie. „Wichtig ist, gut organisiert zu sein und die Bereitschaft zu haben, durchaus auch mal bis in die Nacht hinein zu lernen.“Ihr Fazit: „Späteinstieg kann doch gelingen wenn man sehr engagiert ist.“

Mit ihrer Bachelorarbeit zum Thema „Entwicklung eines Simulationsprogramms zur Ermittlung der Ablufttemperatur einer belüfteten Doppelglasfassade im Rahmen einer energetischen Optimierung einer Klimaanlage“ hat Jasmin Pfuhler von der Hochschule Offenburg den VDI-Tichelmann-Preis 2011 gewonnen. In ihrer Bachelor-Thesis befasste sich Pfuhler mit einem zehnstöckigen Produktionsgebäude der Pharmaindustrie, das teilweise durch ein nebenstehendes Gebäude beschattet wird. Die belüftete Doppelglasfassade wird zurzeit mit konstantem Luftvolumenstrom betrieben, was energetisch unvorteilhaft ist. Da es keine Software gibt, mit der sich die Lasten in der Fassade erfassen und Luftzustände simulieren lassen, musste Jasmin Pfuhler eigens ein Programm entwickeln. Ihre Untersuchung zeigte, dass sehr große Energieeinsparungen in ausgedehnten Zeiträumen des Jahres, vor allem nachts, möglich und ohne große bauliche Veränderungen zu bewerkstelligen sind. Betreut wurde Jasmin Pfuhler während ihrer Arbeit vom Leiter des Offenburger Steinbeis-Transferzentrums Energie-, Umwelt- und Reinraumtechnik, Michael Kuhn. Der VDI-Tichelmann-Preis wird zur Erinnerung an Albert Tichelmann an Absolventen von Hochschulen und Universitäten für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Technischen Gebäudeausrüstung verliehen. Eine Hochschule oder Universität darf nur eine Arbeit nominieren. Es gibt bundesweit nur einen Gewinner. 

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