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Job und Karriere
Mit sozialen Netzwerken zum Traumjob
Kehl. Jürgen Fischer, Professor an der Fakultät „Wirtschafts-, Informations- und Sozialwissenschaften“ der Hochschule Kehl, spricht mit dem Staatsanzeiger.de über die aktuellen Trends in der Personalgewinnung und die Nacht der Unternehmen, die am kommenden Mittwoch in Stuttgart stattfindet.
Staatsanzeiger.de: Herr Professor Fischer, der Fachkräftemangel ist in aller Munde, der Wettbewerb um gute Mitarbeiter groß. Gibt es Trends, neue Wege, die Firmen beschreiten, um neues Personal zu gewinnen?
Jürgen Fischer: Ein Trend liegt in der stärkeren Nutzung von Onlinemedien und Social-Media wie Facebook oder Twitter für die Rekrutierung von Mitarbeitern. Wenngleich die klassische Stellenanzeige in einer regionalen oder überregionalen Zeitung für viele Unternehmen noch immer das Medium der Wahl ist, werden zunehmend Bemühungen deutlich, auch in den sozialen Netzwerken potentielle Mitarbeitende gezielt anzusprechen. Die Firmen nutzen die Darstellung ihres Unternehmens in diesen Netzwerken und im Internet ebenso, wie die Kontakte der eigenen Beschäftigten für die Ansprache potentieller Bewerber. Dem zufriedenen Mitarbeitenden, der in seiner Selbstpräsentation, zum Beispiel bei Facebook, die Vorzüge der eigenen Firma positiv darstellt, wird mehr Glaubwürdigkeit attestiert, als manch einer Hochglanzbroschüre.
Viele Städte veranstalten Ende November eine „Nacht der Unternehmen“. Sind derartige Veranstaltungen recht neu und wie sind sie entstanden?
Die Nacht der Unternehmen wird als privatwirtschaftliches Angebot der Zusammenführung von Stellensuchenden und potentiellen Arbeitgebern organisiert. Von manchen Städten werden diese Veranstaltungen dabei durchaus als Instrument der Wirtschaftsförderung verstanden. Während in den letzten Jahren unter kommunaler Wirtschaftsförderung vorrangig die Bereitstellung von Gewerbeflächen und die Unterstützung bei Verwaltungsprozessen verstanden wurde, steht nun die Ressource Mensch und die Bereitstellung qualifizierter Fachkräfte im Vordergrund.
Und was ist das Ziel dieser „Nacht der Unternehmen?“
Gerade in Universitätsstädten geht es dabei auch um den Verbleib der Hochschulabsolventen in der Region. Die Nacht der Unternehmen ist ein neuer Versuch der Ansprache von qualifizierten jungen Absolventen, die bislang über klassische Recruiting-Messen umworben wurden. Während sich auf den klassischen Messen die Arbeitgeber in einer Messehalle darstellen, werden bei der Nacht der Unternehmen die potentiellen Bewerber mit Hilfe von Bustouren angeregt, die Firmen vor Ort zu besuchen. Die Firmen präsentieren sich somit in ihrem eigenen Umfeld und die Interessenten sehen nicht den herausgeputzten Messestand, sondern vielmehr das tatsächliche Arbeitsumfeld.
Diese Art der Mitarbeiterakquirierung betrifft also mehr die Privatwirtschaft. Und was können Kommunen tun, um für Arbeitssuchende attraktiv zu bleiben?
Die klassischen Erwartungen von Fachkräften an die Kommunen sind umfassende Bildungsangebote, eine gut funktionierende Kinderbetreuung sowie attraktive Wohn- und Grundstücksangebote. Darüber hinaus sind Kulturangebote und die Positionierung als lebenswerte Kommune, in der auch Möglichkeiten einer aktiven Freizeitgestaltung gegeben sind, von Bedeutung.
Gibt es irgendwelche antiquierten Formen der Personalgewinnung? Was vor 50 Jahren top war, heute aber ein absolutes no-go ist?
Während in den Anfängen der Personalauswahl oft Verfahren wie die Analyse der Handschrift oder der äußeren Erscheinung Anwendung fanden, sind heute klassische und hochstrukturierte Personalauswahlverfahren die Regel. Auswahlgespräche werden nur im Ausnahmefall unstrukturiert geführt, verhaltensnahe Fragen oder die Anwendung von komplexen Simulationen wie etwa in den Assessment-Centers sind heute gerade bei der Einstellung von Studienabsolventen durchaus die Regel. Im Vergleich zu den 60er Jahren kann somit eine zunehmende Verbesserung der Auswahlprozesse attestiert werden.
Was ist das ABC guten Personalmanagements?
Gutes Personalmanagement basiert auf der Einsicht, dass die Gewinnung von qualifiziertem Personal eine langfristige Investitionsentscheidung darstellt. Dabei wirbt der Arbeitgeber um qualifizierte Arbeitskräfte und bietet neben den finanziellen Rahmenbedingungen interessante Möglichkeiten der Entwicklung der eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Personalmanagement bedeutet somit die Positionierung des Arbeitgebers als attraktive Marke wie auch die Aufrechterhaltung der Bindung der Mitarbeitenden an das Unternehmen. Die so genannte organisationale Bindung steht dabei in engem Zusammengang zu Arbeitszufriedenheit und Arbeitsleistung. Gutes Personalmanagement endet somit nicht mit der Personaleinstellung, sondern umfasst neben der Personalentwicklung auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.



