Praktikum in der Redaktion

Sie arbeiten in einer Pressestelle und wollen erfahren, wie es in der Redaktion einer Wochenzeitung zugeht?
Die Redaktion des Staatsanzeigers bietet allen Interessierten ein Schnupperpraktikum an. Von der Blattplanung über Recherche bis hin zu Lay-out und Druck werden Sie in die Abläufe eingebunden. Wir nehmen Sie mit zu Terminen und Sie lernen die Bedürfnisse und Nöte beider Seiten kennen.
Weitere Informationen gibt es bei
Breda Nußbaum, Chefredakteurin
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Praktikumstagebuch

- Foto: privat
Wie arbeitet eigentlich eine Redaktion? Und was können Landkreise davon lernen? Cornelia Stienen, Referentin vom Landkreistag, will es wissen. Und auch die Redaktion des Staatsanzeiger möchte erfahren, welche Erwartungen die Leser haben. Beim Staatsanzeiger macht Cornelia Stienen ein dreitägiges Praktikum. In einem Online-Tagebuch berichtet sie von ihren Erlebnissen.
Montag, 8. August
Tag Nr. 1
Mit einem Paket voller Fragen habe ich mich auf den Weg zu meiner dreitägigen Hospitanz beim Staatsanzeiger Verlag Baden- Württemberg gemacht.
Wie arbeitet eine Redaktion, wie werden Themen gefunden und aufbereitet, wie recherchiert man und was macht eine gute Zusammenarbeit zwischen Verlag und Pressestelle aus?
Darüber hinaus war ich selbstverständlich an praktischen Ratschlägen für die Erstellung einer Pressemitteilung interessiert. Welche Sprachregelungen sind zu beachten, gibt es Tabus und wie vermittelt man den Inhalt einer Pressemitteilung bestmöglich?
Das Praktikum sollte mir einen Einblick in die redaktionelle Arbeit eines Verlages ermöglichen und Antworten auf meine Fragen geben.
Im Rahmen meiner Vorstellung bei Chefredakteurin Breda Nußbaum haben wir uns über die gegenseitigen Erwartungen meiner Hospitanz unterhalten. Dabei wurde mir gleich zu Beginn bewusst: Eine gute Zusammenarbeit zwischen Redaktion und Pressestelle funktioniert dann, wenn sich beide Seiten über die jeweiligen Interessen und Standpunkte des anderen im Klaren sind. Und genau die galt es herauszufinden.
Nach der herzlichen Begrüßung und Vorstellung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Redaktion konnte ich gleich zu Beginn an der immer montags stattfindenden Redaktionssitzung des Teams teilnehmen. Am Freitag der vergangenen Woche fand bereits die ausführliche Besprechung der Themen zur neuen Ausgabe statt. In der heutigen Sitzung wurden die noch offenen Punkte der vorgeschlagenen Themen für die nächste Ausgabe besprochen. Überrascht hat mich hierbei die Kürze der Sitzung. In nicht einmal 20 Minuten war alles besprochen und jeder Teilnehmer war mit dem weiteren Vorgehen zu seinen Themen im Klaren. Die Besprechung im Team ermöglicht allen, Einblicke in die derzeitigen Themenfelder der Kolleginnen und Kollegen zu erhalten und sorgt somit für eine sinnvolle Transparenz.
Christoph Müller, zuständiger Redakteur für den Bereich Kreis und Kommune, hat mich anschließend über die Vorbereitung und Durchführung eines Interviews informiert. Wann wird ein schriftliches Interview geführt, wann mündlich? Wann bereitet man den Interviewpartner auf die Fragen vor und wann ist es besser, das Gegenüber spontan antworten zu lassen? Fest steht hierbei jedenfalls eines: Eine gute Vorbereitung und sorgfältige Recherche sind unerlässlich.
Um einen genauen Überblick über die verschiedenen vielfältigen Themenfelder und Rubriken des Staatsanzeigers zu erhalten, war anschließend zunächst einmal eine Bestandsaufnahme notwendig. Einfach einmal alle Rubriken durchsehen, im Archiv stöbern und aktuelle Ausgaben anschauen. Dabei wurde mir bewusst, welche Herausforderung es für die Redakteure ist, alle Themenfelder einer öffentlichen Verwaltung zu erfassen, diese zu bearbeiten und zu priorisieren, den begrenzt zur Verfügung stehenden Platz in ihrer Rubrik zu füllen und dabei gleichzeitig den Ansprüchen der jeweiligen Zielgruppe gerecht zu werden. Eine sorgfältige Abwägung zwischen dem Mindestmaß an zu vermittelnder Information und „Überladung“ an Fakten fällt hierbei sicherlich nicht immer leicht.
Bereits um einige Antworten bereichert, habe ich meinen ersten Tag in der Redaktion beendet.
Dienstag, 9. August
Tag Nr.2:
Eine Lektion von Tag Nr.2: Schreiben
Wenn man selbst einen Artikel liest, denkt man gar nicht so sehr darüber nach, welcher Aufwand betrieben werden muss, um den Leser ausreichend zu informieren ohne ihn jedoch mit Informationen zu überladen oder gar zu langweilen. Wie schreibe ich für den Leser verständliche, aber doch interessante Artikel? Und woher bekomme ich meine Informationen? Hierbei gelangt man ziemlich schnell zu der Erkenntnis, dass genau an diesem Punkt die Verknüpfung zur Pressestelle beginnt.
Festgestellt habe ich, dass die Redakteure die Pressemitteilungen oder Informationen zu einzelnen Themen interessiert aufnehmen. Anregungen aus der Praxis von kommunalen Einrichtungen sind willkommen, finden die Redakteure doch manches Mal dadurch einen Aufhänger für ein interessantes Thema.
Eine weitere Lektion des Tages: Layout
Chefin vom Dienst Barbara Wirth hat mich in die komplexe aber auch sehr spannende Welt der Layout- Gestaltung eingeführt. Wie ist der Staatsanzeiger aufgebaut und welche Systematik verbirgt sich dahinter? Als Leser macht man sich gar nicht allzu viele Gedanken über die Seitengestaltung und ob es verschiedene Vorgaben dafür gibt.
Nach der Lehrstunde ist klar: die gibt es. Wie groß die Artikel sind, ob einspaltig, oder doch mehrspaltig, wie groß ist dann das Bild und welches Bild wird verwendet und woher bekomme ich überhaupt ein passendes Bild? Text- und Bildgestaltung und die Absprache mit den Redakteuren und der Druckerei müssen aufeinander abgestimmt sein und die geforderten Informationen vollständig zum festen Zeitpunkt vorliegen.
Nach dem Gespräch mit Barbara Wirth stelle ich fest: da muss jemand sitzen, der auch unter dem stärksten Zeitdruck noch einen kühlen Kopf bewahrt und weiß, was im richtigen Moment zu tun ist und genau daran auch noch großen Spaß hat.
Am folgenden Tag erwarten mich ein Interview sowie weitere Einblicke in die Arbeit des Teams Politik und Verwaltung. Ich bin gespannt.
Mittwoch, 10. August
Tag Nr.3:
Mittwoch. Bei den Redakteurinnen und Redakteuren aufgrund des nahenden Redaktionsschlusses nicht gerade der beliebteste Tag der Woche. Den galt es also zunächst einmal zu versüßen, was ich doch hoffentlich mit meinen mitgebrachten Schoko- und Nuss-Croissants erreicht habe.
Wie führt man ein Interview und wie fasst man es sinnvoll und aussagekräftig zusammen? Jennifer Reich (übrigens meine Zimmerkollegin während der Hospitanz) hat mich im Rahmen meines Praktikums zu meiner Tätigkeit beim Landkreistag sowie zur Hospitanz in der Redaktion interviewt. Keinesfalls typisch war laut Jennifer Reichs Aussage die Durchführung. Fragen in Schriftform, die Antworten haben wir gemeinsam gleich ins zugehörige Programm hinzugefügt. So lernt man schnell, dass für alles, was man gerne sagen möchte, definitiv kein Platz ist. Priorisieren ist angesagt. Was möchte ich unbedingt mitgeben und auf was kann verzichtet werden? Im Nachhinein ist alles ganz klar.
Beim anschließenden Besuch bei Susanne Suchy und Michael Schwarz, beide zuständig für das Ressort "Politik und Verwaltung" wurde ich informiert, wie Journalisten ihre Themen finden und was den Redakteuren wichtig an der Pressearbeit ist. In diesem Rahmen konnte ich auch auf die Informationen hinweisen, die der Landkreistag auf seiner Internetseite zur Verfügung stellt.
Christoph Müller hat bei den Pressemitteilungen pragmatisch angesetzt. Welche Pressemitteilungen gut geschrieben und welche verbesserungsbedürftig sind, durfte ich zunächst einmal selbst herausfinden. Was gefällt mir besonders gut und fällt mir positiv auf? Auf welche Aussagen würde ich verzichten oder anders formulieren? Wichtig war für mich vor allem eines: Warum schreibe ich eine Pressemitteilung? Was interessiert den Leser und was möchte ich damit erreichen? Wichtige Lektionen, von denen ich viel mitgenommen habe.
Das anschließende und sehr offene Gespräch mit Chefredakteurin Breda Nußbaum hat meine Hospitanz hier fast schon zum Abschluss gebracht. Was macht einen guten Journalisten aus und was ist bei der Arbeit als Redakteur wichtig? Wichtige Tipps zur Recherche, zu den Erwartungen eines Journalisten an eine Pressestelle und zum Redaktionswesen allgemein habe ich erhalten.
Praktischer Abschluss war das Schreiben eines Artikels der Rubrik „Kurz notiert“. Jennifer Reich traute mir zu, ihr hierzu einen Artikel zu schreiben. Nach dem Durchlesen von mehreren „Kurz notiert- Artikeln“ dachte ich, das dürfte ja schnell gehen, das ist ja nicht so viel. Die einzige Vorgabe: 16 Zeilen maximal. Hört sich zunächst einmal viel an. Nach dem Schreiben stelle ich fest: 16 Zeilen sind überhaupt nicht viel sondern sehr wenig. Erstaunt ist man nach Fertigstellung des Artikels, wie viel man an einem Text noch selbst kürzen kann.
Nachdem die letzte Aufgabe also auch erledigt ist, habe ich mich noch bei allen Kolleginnen und Kollegen verabschiedet. Versichert wurde mir hierbei mehrmals, dass ich mich auch zukünftig mit meinen Fragen und Anregungen an die Redaktion des Staatsanzeigers wenden darf.
Nach meiner dreitägigen Hospitanz bin ich erstaunt, wie viel man in drei Tagen Redaktion alles über Pressearbeit lernen kann. Bei den Erkenntnissen zum eigenen Spaß am freien Schreiben und zu dem Weg, dass man seinen eigenen Stil finden und ausprobieren soll, haben mich hier alle, trotz nahendem Redaktionsschluss, mehr als vorbildlich unterstützt und deshalb nochmal: Danke!
Tagebuch Stefanie Rieger
Stefanie Rieger von der Stadtverwaltung in Freudenstadt machte im Mai ein einwöchiges Praktikum beim Staatsanzeiger.


