Praktikum in der Redaktion

Sie arbeiten in einer Pressestelle und wollen erfahren, wie es in der Redaktion einer Wochenzeitung zugeht?

Die Redaktion des Staatsanzeigers bietet allen Interessierten ein Schnupperpraktikum an. Von der Blattplanung über Recherche bis hin zu Lay-out und Druck werden Sie in die Abläufe eingebunden. Wir nehmen Sie mit zu Terminen und Sie lernen die Bedürfnisse und Nöte beider Seiten kennen.

Weitere Informationen gibt es bei

Breda Nußbaum, Chefredakteurin

 

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Praktikumstagebuch

Stefanie Rieger, persönliche Referentin des Oberbürgermeister von Freudenstadt und Presse-Referentin. Foto: Privat

Wie arbeitet eigentlich eine Redaktion? Und was kann unsere Stadt davon lernen? Die Presse-Referentin einer Stadtverwaltung will es wissen. Und auch die Redaktion des Staatsanzeiger möchte erfahren, welche Erwartungen die Leser haben. Beim Staatsanzeiger macht Stefanie Rieger von der Stadtverwaltung in Freudenstadt ein einwöchiges Praktikum. In einem Online-Tagbeuch berichtet sie von ihren Erlebnissen.

 

 


Freitag, 13. Mai

Tag Nr. 5

Der druckfrische Staatsanzeiger liegt vor mir auf dem Tisch. Ein schönes Gefühl, wenn man in der letzten Woche bei vielen Artikeln erlebt hat, wie sie entstanden sind. Für die Redakteure ist es natürlich längst zum Alltag geworden. Sie blättern fleißig in den aktuellen Tageszeitungen — immer auf der Suche nach neuen, spannenden Themen.

Bei der Redaktionskonferenz um 10 Uhr habe ich die Aufgabe die vergangene Staatsanzeigerausgabe „auseinander zunehmen“. Bei der sogenannten Blattkritik möchten die Redakteure und ihre Chefin ganz genau wissen, was an ihrer Zeitung gut und was verbesserungsfähig ist. Ich lobe das Layout und die interessante Themenauswahl. Wenn ich den Staatsanzeiger zur Hand nehme, weiß ich, dass ich gut über die Landespolitik informiert werde und Einblicke erhalte, welche Projekte in anderen Städten und Kommunen laufen.

Zur Sprache bringe ich aber auch, welche Bilder ich nicht sehr aussagekräftig finde und auf welche Rubriken ich verzichten könnte. Es macht Spaß sich mit den Redakteuren bei Butterbrezeln und Schokocroissants auszutauschen. Ein kleines Mitbringsel und Dankeschön von meiner Seite für das nette Miteinander in den vergangenen Tagen.

Für mich wird der Nachmittag nochmals sehr lehrreich. Michael Schwarz liest einige meiner mitgebrachten Pressemitteilungen durch und gibt mir dazu Rückmeldung. Sein Urteil: Man kann damit was anfangen. Aus dem Mund eines Profis freut mich das natürlich besonders. Gegen fünf neigt sich der heutige Arbeitstag seinem Ende — Zeit, Abschied zu nehmen.  

Mein Fazit: Der Ausflug in die Staatsanzeigerredaktion hat sich wirklich gelohnt. Nicht bloß, um einmal die Stimmung in einer Redaktion „aufzusaugen“, sondern weil ich viel für meine Arbeit lernen konnte. Welche Erwartungen haben die Redakteure an eine Pressereferentin einer Kommune? Was wissen sie über die Abläufe in einer Verwaltung? Wie suchen sie ihre Themen aus? Wie gehen sie bei ihren Recherchen vor? Wie wird die Zeitung geplant? Ich habe Antworten auf zahlreiche Fragen bekommen.

Chefredakteurin Breda Nußbaum und ihr Team haben sich für mich viel Zeit genommen. Dass ich für den Staatsanzeiger zukünftig kräftig die Werbetrommel rühren werde, erklärt sich wohl von selbst!    


Donnerstag, 12. Mai

Tag Nr. 4

Seit vergangenem Freitag steuert die Redaktion auf dieses Datum hin: Redaktionsschluss um 16 Uhr. Bis dahin sollten alle Seiten „abgeschossen“ sein, was so viel heißt, wie dass die Seiten freigegeben und an die Druckerei geschickt wurden. Gleich morgens erhält Barbara Wirth (Chefin vom Dienst) einen Anruf. Bei den Kollegen in Heilbronn wird heute gestreikt. Wenn die Bilder der neuen Ausgabe noch bearbeitet werden sollen, müssen sie bis spätestens zwölf Uhr per Mail rausgehen. Das kommt unerwartet, aber Barbara Wirth schätzt genau diese Herausforderungen an ihrer Position.

Die Zeitung wird nochmals in der Redaktionsrunde um 11 Uhr besprochen. Zwei Mitarbeiter aus dem Ressort Politik & Verwaltung können nicht dabei sein. Sie haben im Landtag auf der Pressetribüne Platz genommen und verfolgen die Wahl von Winfried Kretschmann zum ersten grünen Ministerpräsidenten. Das aktuelle Geschehen muss schließlich für den Staatsanzeiger kommentiert werden.      

Chefredakteurin Breda Nußbaum überprüft die Überschriften der Artikel auf den einzelnen Seiten in der Redaktionsbesprechung. Auch das Layout wird unter die Lupe genommen. Denkt man beim Titel „Wie eine eisige Nacht große Erwartungen zunichte macht“ nicht zuerst an Eiswein, statt wie eigentlich beabsichtigt an Frostschäden bei Weinreben? Sind die Zwischenüberschriften auf unterschiedlichen Höhen angeordnet? Ist der Artikel lesefreundlich, hat er genügend Absätze? Während die Kollegen diskutieren, gibt Barbara Wirth bereits die Bilder zur Bearbeitung frei. Über den Nachrichtenwert einzelner Kurzmeldungen wird in der Runde ebenfalls diskutiert. Änderungen sind schließlich noch möglich — der Redaktionsschluss ist ja erst in vier Stunden!

Mit welcher Informationsflut die Redakteure täglich zu kämpfen haben, offenbart im Anschluss ein Blick in das Email-Postfach von Chefin Breda Nußbaum. Rund 300 Mails erreichen sie pro Tag. Um bei dieser Fülle einigermaßen den Überblick zu behalten, hilft bloß konsequentes Löschen. Mails ohne Betreff fliegen sofort raus. Schlecht geschriebene Pressemitteilungen landen im Papierkorb.

Kein Artikel wird im Staatsanzeiger abgedruckt, ohne zuvor Korrektur gelesen worden zu sein. Das Stichwort lautet hier Qualitätssicherung. Neben den Sprachregelungen, die von den Redakteuren einzuhalten sind, wird der eigene Artikel dem Sitznachbar im Büro zum inhaltlichen Qualitätscheck übergeben. Zusätzlich gibt es beim Staatsanzeiger eine Mitarbeiterin, die jeden Mittwochnachmittag und Donnerstag eigens zur Rechtschreibprüfung kommt. Ihr entgeht fast nichts.

Der „Abschuss“ der Seiten beginnt um 14 Uhr. Chefredakteurin Breda Nußbaum und Chefin vom Dienst Barbara Wirth sitzen zusammen vor dem PC und kontrollieren zum letzten Mal die einzelnen Seiten. Kurz nach 16 Uhr setzt Redakteur Michael Schwarz den Punkt hinter den letzten Satz seines Kretschmann-Wahl-Artikels. Es wurde auch Zeit. Barbara Wirth wartet schon ungeduldig. Dann endlich ist auch die Seite fünf draußen. Es ist vollbracht: Staatsanzeiger Nr. 18 ist fertig.

Dass es später doch noch mal spannend wird, kriege ich bloß am Rande mit. Die Seite 16 ist aus unerfindlichen Gründen nicht in der Druckerei angekommen. Der erlösende Anruf kommt erst gegen 17 Uhr. Die digitale Zeitungsseite ist wieder aufgetaucht. Die Produktion kann beginnen.


Mittwoch, 11. Mai

Tag Nr. 3 

Die Erkenntnis des heutigen Tages: Vierzehn Zeilen können sehr wenig sein. Ich habe mich heute vor allem mit dem beschäftigt, was die Redakteure beim Staatsanzeiger täglich tun: Schreiben und Redigieren. Eine Pressemitteilung der Stadtverwaltung zu schreiben, deren Länge ich individuell festlege, ist wesentlich einfacher als sich für eine Zeitungsmeldung auf die Layoutvorgaben beschränken zu müssen. Es ist eine Herausforderung eine gute Meldung der Deutschen Presse Agentur für die Rubrik "Kurz notiert" im Staatsanzeiger auf vierzehn Zeilen zu kürzen. Zukünftig wird mein Urteil gegenüber unseren Tageszeitungen deutlich gnädiger ausfallen, wenn diese unsere Pressemitteilungen wieder einmal stark kürzen sollten. Die Devise lautet sicher nicht bloß beim Staatsanzeiger: Layout vor Text. 

Aus allen Büros ist das Klappern der Tastaturen zu hören. Die Recherchen für die meisten Artikel sind abgeschlossen und die Texte der freien Mitarbeiter sind eingetroffen. Die Redakteure müssen die Platzhalter auf den vorgeplanten Seiten jetzt nur noch mit Inhalten füllen.

Am Vormittag informiert mich Redakteurin Ulrike Raab-Nicolai über das Kulturressort beim Staatsanzeiger. Der Leser findet auf der Kulturseite nicht die Kritik einer Theatervorstellung oder einen Bericht über den Besuch einer Kunstausstellung. Das bringen auch die Tageszeitungen. Der Schwerpunkt liegt auf dem Thema Kulturpolitik. Neben der Kulturseite betreut Redakteurin Raab-Nicolai auch die Sonderveröffentlichungen. In diesem Zusammenhang arbeitet sie eng mit der Anzeigenabteilung zusammen. Ihr Fazit nach vielen Jahren beim Staatsanzeiger: Redaktion und Anzeigenabteilung verbindet eine „besondere Beziehung“.

Im Staatsanzeiger schreibt man nicht „der Stuttgarter Oberbürgermeister“, sondern „der Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart“ — zumindest dann, wenn sich alle Redakteure an die geltenden Sprachregeln halten. Welche Wörter tabu sind oder vermieden werden sollen, erfahre ich ebenfalls von der Kulturredakteurin.

Barbara Wirth, Chefin vom Dienst, sucht am Nachmittag die letzten Bilder für den neuen Staatsanzeiger zusammen. In jeder Ausgabe erscheinen zwischen 60 und 80 Bilder. Ein Porträt der designierten Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) zu finden ist besonders schwierig. Die Pressestelle der SPD ist telefonisch nicht zu erreichen und im Netz gibt es kein brauchbares Bild. Ein Tipp von Barbara Wirth: Bei Redaktionen sind vor allem die Kommunen und Verbände beliebt, die auf ihren Internetseiten Bilder zum Download anbieten. Ich muss zugeben, dass die Stadt Freudenstadt hier Nachholbedarf hat. 

Morgen, um 16 Uhr, ist Redaktionsschluss. Für Barbara Wirth sind es aufregende Momente, wenn sie um fünf vor vier aus den Nachbarbüros eifriges Tippen hört und weiß: Die Kollegin oder der Kollege ist mit seinem Artikel noch nicht fertig. In einem solchen Moment dann Ruhe zu bewahren, ist mit Sicherheit nicht immer einfach.

Um sieben Uhr packe ich meine Sachen und verlasse die Redaktion. Viele Arbeitsplätze sind noch belegt – da geht es bei dem ein oder anderen wohl heute etwas länger…


Montag, 9. Mai 2011

Tag Nr. 2 

„Rauf auf's Fahrrad“ hieß es heute nach der kurzen Redaktionsbesprechung um 10 Uhr. Die umweltfreundliche Anfahrt zum Interviewtermin beim Gemeindetag, machte bei den sommerlichen Temperaturen natürlich besonders viel Spaß. Kurz vor dem Gespräch zur gesplitteten Abwassergebührt (GAG) mit den Herren Gössl und Müller, kam der Hinweis von Redakteur Michael Schwarz: Frau Rieger, sie sind hier nicht als stiller Beisitzer. Sie dürfen beim Termin ruhig Fragen stellen. Michael Schwarz plant für die neue Ausgabe des Staatsanzeigers einen Bericht über Probleme der Kommunen bei der Einführung der gesplitteten Abwassergebühr.

Beim Termin entwickelt sich ein interessantes Gespräch. Manche Häuslebesitzer werden im Zuge der Einführung der neuen Abwassergebühr richtig kreativ und versuchen durch das Abhängen einer Dachrinne oder die direkte Zuleitung des Regenwassers in einen Bach einer Kostensteigerung zu entgehen. Ob die Gebühr durch die Umstellung letztlich gerechter geworden ist? Herr Gössl vom Gemeindetag kann keine eindeutige Antwort geben. Denn: Was ist eigentlich eine gerechte Gebühr? Ich bin gespannt, was Michael Schwarz aus den Gesprächsinhalten bastelt. Zu lesen im kommenden Staatsanzeiger ab Freitag, 13. Mai.

Mittags tausche ich kurzfristig die Rollen. Vom Interviewer werde ich selbst zur Befragten. Redakteurin Susanne Suchy stellt mir Fragen zu meinen Eindrücken von den ersten beiden Praktikumstagen. Ich schildere, dass ich bereits jetzt das Gefühl habe für meine Arbeit in Freudenstadt viel mitnehmen zu können.

Wie geht es am Mittwoch beim Staatsanzeiger weiter? Der Redaktionsschluss naht und ich darf neben der Chefin vom Dienst Platz nehmen. Zusätzlich schaue ich mir an wie Redakteurin Ulrike Raab-Nicolai vom Kulturressort arbeitet. 


Freitag, 6. Mai 2011

Tag Nr. 1

Einmal auf die andere Seite blicken, erleben wie es bei der schreibenden Zunft in der Redaktion tagtäglich wirklich zugeht: Mit diesem Anspruch startete ich heute mein einwöchiges Praktikum in der Redaktion des Staatsanzeigers in Stuttgart. Nach herzlicher Begrüßung durch Chefredakteurin Breda Nußbaum und einer kleinen Führung durch die Abteilungen des Verlags in der Breitscheidstraße 69 ging es zum ersten offiziellen Termin mit allen Mitarbeitern: Der Redaktionskonferenz um 10 Uhr. Die neue Ausgabe des Staatsanzeigers (Nr. 18) will schließlich geplant werden. Bei diesem Termin ist Pünktlichkeit gefragt. Wer von den Redakteuren zu spät kommt, darf sein Kleingeld dem Redaktionskässchen spenden. Ich stelle mich den Mitarbeitern kurz vor und schildere wie mir die Pressearbeit bei der Stadt Freudenstadt quasi "zugeflogen" ist. Welche Pläne Frau Nußbaum für mich in der kommenden Woche hat, erfahre ich ebenfalls bei der Konferenz: Einblick in jedes Ressort erhalten, wenn möglich, die Redakteure auf ihre Termine begleiten. Wichtig ist ihr, dass beide Seiten von diesem Praktikum profitieren. Für mich gibt es folglich klare Arbeitsaufträge: Blattkritik der aktuellen Ausgabe erstellen, Online-Auftritt durchleuchten und Themen für Symposien aufzeigen, die für Mitarbeiter von Pressestellen in der Verwaltung von Interesse sein könnten.

Nachdem klar ist, wem ich wann und wie lange über die Schulter schauen darf, geht es an die Seitenplanung der neuen Ausgabe. Das Grundgerüst steht bereits. Die Chefin vom Dienst, Barbara Wirth, und die Redakteure waren fleißig. Fast alle Aufmacher sind festgelegt. Dass der Redaktionsschluss noch ein paar Tage entfernt ist, merkt man an der entspannten Atmosphäre. Sehr positiv fällt auf, dass hier ein eingespieltes Team zusammensitzt. Diskussionen sind willkommen. Beispielsweise darüber, ob es sich lohnt in der kommenden Ausgabe die neuen Minister der Landesregierung einzeln vorzustellen. Ist das Thema nicht bereits abgelutscht? Haben die Tageszeitungen das in den letzten Tagen und Wochen nicht schon zur Genüge verbreitet? Kleinere verbale Auseinandersetzungen zur Notwendigkeit eines bestimmten Artikels gibt es. Das Ziel der gesamten Redaktion kommt aber klar zum Ausdruck: Wir wollen für unsere Leser eine gute Zeitung machen.

Stefanie Schlüter, die stellvertretende Redaktionsleiterin, steigt mit mir im Anschluss in das Redaktionsprogramm ein. Sie "baut" für mich die neue Demographieseite. 6-Spalter, 1-Spalter, Platzhalter für die Bilder, die Seitenüberschrift. Sie braucht nicht extra zu erwähnen, dass der Umgang mit dem Redaktionsprogramm für sie absolute Routine ist. Das sieht man! Im Gespräch brennt mir natürlich eine Frage besonders unter den Nägeln: Was zeichnet eine gute Pressestelle aus Sicht eines Journalisten aus? Im Gedächtnis bleiben mir nach Stefanie Schlüters Antwort vor allem die Begriffe: Schnelligkeit, Zuverlässigkeit und Genauigkeit. Wir klopfen weitere Themen ab: Zusammenarbeit mit freien Mitarbeitern, unterschiedliche Arbeitsstile bei Redakteuren, Kontaktpflege, Recherche und Informationsbeschaffung. 

Neuer Redakteur – neues Ressort. Welche Herausforderung es darstellen kann für die Beruf & Karriere-Seite Woche für Woche interessante Inhalte zu finden, die uns "Verwaltungsmenschen" ansprechen, beschreibt mir Susanne Suchy. Als Beauftragte für den Online-Auftritt spreche ich mit ihr zudem über die Staatsanzeiger-Homepage und den noch relativ jungen Relaunch. Irgendwie ist es beruhigend, dass es dem Staatsanzeiger an dieser Stelle auch nicht anders geht wie vielen Kommunen: Der Internetauftritt ist nie perfekt und ständig ist man auf der Suche nach weiteren Verbesserungen.

Mein Fazit des ersten Tages: Viele Fragen gestellt – viele Antworten erhalten. So kann es weitergehen.

Ausblick: Am Montag wartet die gesplittete Abwassergebühr auf mich. Redakteur Michael Schwarz nimmt mich mit zu einem Interviewtermin beim Gemeindetag.