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Cosimo Alessandro Collini (1727 bis 1806)

19.08.11 
Von: Jörg Kreutz
 
Beitrag aus Momente 
Momente 3|2011
Ein europäischer Aufklärer

Mit seinem vielfältigen historischen, naturkundlichen und literarischen Oeuvre etabliert sich der Universalgelehrte Cosimo Alessandro Collini während seiner fast fünfzigjährigen Mannheimer Schaffensperiode nicht nur als Protagonist der Kulturpolitik Carl Theodors, sondern auch als Repräsentant einer kosmopolitischen Aufklärung.

Geboren wird er am 14. Oktober 1727 in Florenz als siebter Sohn des Bürgers Lorenzo Collini. 1746 beginnt er in Pisa ein Studium der Rechte, verlässt die Universität 1749 aber ohne Abschluss und begleitet einen Studienfreund und dessen adlige Geliebte auf deren Flucht in die Schweiz. Der Gesellschaftsskandal verhindert seine Rückkehr nach Florenz. 1750 reist er nach Berlin, wo er sich eine Anstellung erhofft. Aber erst 1752 findet er als Kopist und Vorleser bei Voltaire ein bescheidenes Auskommen. Vier Jahre bleibt er an der Seite des Philosophen. Als sich dieser mit Friedrich II. überwirft, verlässt er mit ihm im März 1753 Preußen. Beide werden auf Weisung des Königs kurz darauf in Frankfurt in Arrest genommen. Über diese „Katastrophe“, die Collini zum engen Vertrauten des Philosophen macht, berichtet er in seinen 1807 – posthum – erschienenen Memoiren „Mon séjour auprès de Voltaire“.

Im Juni 1756 kommt es zum Bruch. Collini verlässt Voltaires Domizil „Les Délices“ bei Genf und wird Hofmeister in Straßburg. 1759 vermittelt ihn Voltaire, mit dem er sich wieder ausgesöhnt hat, an den Mannheimer Hof. Mit seinem „Discours sur l’histoire d’Allemagne“ von 1761 feiert der neu ernannte Geheime Sekretär einen ersten Erfolg. Seine Regie der Uraufführung von Voltaires Tragödie „Olimpie“ im Schwetzinger Schlosstheater und sein „Précis de l’histoire du Palatinat du Rhin …“ festigen seinen Ruf. Carl Theodor schätzt den „homme de lettres“, den er 1763 zum Hofhistoriografen und zum Gründungsmitglied der Kurpfälzischen Akademie der Wissenschaften ernennt. Im Jahr darauf überträgt er ihm die Direktion des Naturalienkabinetts, das Collini neu ordnet und zu einer in ganz Europa bekannten Sammlung ausbaut. Fortan widmet er sich naturwissenschaftlichen, vor allem mineralogischen Themen. Seine Schriften verschaffen ihm die Aufnahme in deutsche und italienische Akademien und wissenschaftliche Gesellschaften.

Lange Zeit fällt ihm als Mittelsmann zwischen Carl Theodor und Voltaire eine wichtige Funktion zu, die er mit dessen Tod und dem Umzug des Hofes nach München 1778 verliert. Im Kreis seiner Kinder widmet er sich nach dem Tod seiner Frau Ursula (geb. de la Rody) bis ins hohe Alter seinen Studien. 1790 erscheinen seine „Lettres sur les Allemands“, eine scharfsinnige mentalitätsgeschichtliche Beschreibung der Deutschen. Nach Carl Theodors Tod und nach dem Friedensschluss von Lunéville kämpft Collini dafür, dass die mit der Akademie verbundenen wissenschaftlichen Sammlungen in Mannheim verbleiben. Trotz aller Interventionen muss er 1803 deren Auflösung und Abtransport nach München hinnehmen. Am 21. März 1806 stirbt Cosimo Alessandro Collini in der Quadratestadt. An sein heute leider weitgehend in Vergessenheit geratenes Wirken erinnert – mehr zufällig, denn beabsichtigt – seit Mitte der 1970er-Jahre das am Mannheimer Neckarufer errichtete Collini-Center.

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