Heute Abend soll sie nun endlich starten - die im letzten Jahr mehrfach verschobenen Reise einer baden-württembergischen Delegation ins „Partnerland“ Burundi. Mit mehr als 20 Personen machen wir uns auf den Weg nach Ostafrika - unter uns der Landwirtschaftsminister, Abgeordnete aller Fraktionen, der Honorarkonsul von Burundi, VertreterInnen entwicklungspolitischer Organisationen, Pressevertreter und die Geschäftsführung der SEZ. Nach Bujumbura geht es natürlich nicht im Direktflug. Einmal umsteigen und zwei Zwischenlandungen liegen vor uns, bevor wir am Rande des Tanganjika-Sees landen werden.
Die Frage, ob eine „Partnerschaft“ zwischen Baden-Württemberg und Burundi überhaupt besteht, kann übrigens noch diskutiert werden. Aber seitdem mir unser Bundespräsident Anfang des Monats in einem Brief geschrieben hat, dass ihm Ministerpräsident Oettinger versichert habe, „dass die Landesregierung von Baden-Württemberg die Partnerschaft mit Burundi, die ja auf eine Initiative des baden-württembergischen Landtages zurückgehe, weiter aktiv unterstützen wolle“, seitdem verwende ich diesen Begriff mit gutem Gewissen und werde dies auch in diesem Tagebuch tun. Zumal ich mit der Reise die Hoffnung verbinde, dass sie uns bei der Intensivierung der Kontakte einen großen Schritt voranbringen wird.
Aber nun zurück zu den Reisevorbereitungen. Neben den Dingen, die ich für sieben Tage in Burundi zu brauchen meine, habe ich diverse Mitbringsel im Gepäck: Süßigkeiten und Bücher für nette Menschen, die ich bei meiner Burundireise im vergangenen Jahr kennengelernt habe, ein paar praktische Kleinigkeiten wie Kurbel- und Solartaschenlampen, die ich verschenken möchte, sechzig Euro-Münzen, die für ein Filmprojekt benötig werden, und diverse Geschenke, die mir mit auf den Weg gegeben wurden. Mit dabei ist auch ein Fotoalbum mit Bildern aus einem Lörracher Kindergarten, der ein Partnerschaftsprojekt mit einem Kindergarten in Bujumbura gestartet hat. In Lörrach hängen Fotos aus Burundi und nun sollen die Kinder in Bujumbura erfahren, wie es in Lörrach aussieht. Ich hoffe, ich finde trotz des vollen Reiseprogramms Zeit, das Album und die mitgeschickten Buntstifte selbst in den Kindergarten zu bringen.
Ansonsten bin ich offen, lasse die nächsten Tage auf mich zukommen. Ich habe im Vorfeld versucht, meine Wünsche in die Programmplanung einzubringen, beispielsweise hinsichtlich einer Besichtigung der Kläranlage in Bujumbura, die wohl seit Monaten nicht mehr arbeitet und deren Abwässer ungeklärt in den Tanganjika-See fließen. Aber nun gilt es, sich auf die große Delegation, das zusammengestellte Programm und die Fülle der zu erwartenden Eindrücke einzulassen. Berichten werde ich, sobald ich die nächste verfügbare Computerverbindung und einige Minuten Zeit gefunden habe - dann aus dem Herzen Afrikas
Gisela Splett ist Landtagsabgeordnete der Grünen und Teilnehmerin der Delegationsreise des Landes nach Burundi. Sie ist bereits im vergangenen Jahr auf eigene Faust in Burundi gewesen, um sich einen Überblick über die Situation in dem kleinen ostafrikanischen Land zu verschaffen. Mit der Delegationsreise soll festgestellt werden, wo und in welcher Form die früher zwischen Burundi und Baden-Württemberg bestehende Partnerschaft wieder aufgenommen werden kann. Diese war durch einen jahrlang dauernden Bürgerkrieg in Burundi in vielen Bereichen zum Erliegen gekommen.