Heute ist der erste Tag, an dem ich die Gelegenheit habe, mich tagsüber an den Computer im Hotel zu setzen. Es ist 3 Uhr nachmittags und wir hatten bisher erst drei Termine, zwei weitere folgen noch.
Erster Termin war ein Gespräch mit dem Innenminister, bei dem es unter anderem um die Vorbereitung der im Juni 2010 stattfindenden Wahlen ging, an der über 40 Parteien teilnehmen werden. Beeindruckend war die Bildergalerie seiner Vorgänger - 31 Innenminister haben sich seit 1965 die Klinke in die Hand gegeben.
Danach folgte ein Besuch einer von den Weißen Vätern errichteten Schule südlich von Bujumbura. Mehr als 1600 Schülerinnen und Schüler bereiteten uns in der Kirche einen beeindruckenden Empfang, wie immer mit Gesang, aber diesmal ohne Trommeln. Der Bau der 14 Klassenzimmer erfolgte mir viel Eigenleistung der Bevölkerung. Von der SEZ hat das Projekt bisher 15.000 Euro erhalten. Der Dank hierfür wurde mit dem Hinweis auf Bedarf für einen Grundwasserbrunnen verbunden - nach dem Motto "Hände, die gegeben haben, geben auch wieder."
Entlang des Tanganjika-Sees weiter nach Süden und dann ein paar Kilometer in die Berge fuhren wir nach Mutumba. Dort betreiben die Schoenstadt-Schwestern, bewunderswerte Frauen, ohne Unterbrechung seit 1962 eine hervorrragend geführte Gesundheitsstation. Die ebenfalls von ihnen aufgebaute Schule ist nun staatlich geführt und in erbärmlichem Zustand. Die Abiturklasse des Wirtschaftsgymnasiums hat 70 SchülerInnen. Insgesamt gibt es drei Computer, aber keinen Internet-Anschluss. 200 Schülerinnen schlafen in einem Saal. Aber wer hier überhaupt zur Schule gehen kann, hat Glück gehabt. Auch heute noch ist die Situation unsicher. Militär ist in der Schule präsent, Rebellen rauben die Bevölkerung aus.
Während der Rückfahrt regnete es. Das bisher eher theoretisch angesprochene Erosionsproblem war nun nicht mehr zu übersehen. Die rote Erde wird in Unmengen von den steilen Hängen geschwemmt und fließt im Fluss davon.
Jetzt erwartet uns noch ein Gespräch mit dem Präsidenten der Nationalversammlung und danach empfängt uns der deutsche Botschafter, der uns praktisch die ganze Woche über begleitet hat, zum Cocktail in seine Residenz.
Gisela Splett ist Landtagsabgeordnete der Grünen und Teilnehmerin der Delegationsreise des Landes nach Burundi. Sie ist bereits im vergangenen Jahr auf eigene Faust in Burundi gewesen, um sich einen Überblick über die Situation in dem kleinen ostafrikanischen Land zu verschaffen. Mit der Delegationsreise soll festgestellt werden, wo und in welcher Form die früher zwischen Burundi und Baden-Württemberg bestehende Partnerschaft wieder aufgenommen werden kann. Diese war durch einen jahrlang dauernden Bürgerkrieg in Burundi in vielen Bereichen zum Erliegen gekommen.