Der Hund darf nur nach Absprache mit ins Büro

Viele Menschen sind nicht erst in der Corona-Pandemie auf den Hund gekommen. Manche brauchen schon lange ein Haustier zur Begleitung oder als Therapiehund. Ins Büro mitnehmen darf man seine Vierbeiner rechtlich gesehen nur in bestimmten Fällen. Dies geht nur nach klarer Absprache mit dem Dienstherrn.

Ein Recht zur Mitnahme von Haustieren ins Büro gibt es nicht. Dies geht nur nach Absprache mit der Dienststelle.

dpa/Shotshop/Monkey Business 2)

STUTTGART/ESSEN. Erst vor Kurzem sorgte die Funke-Mediengruppe für eigene Schlagzeilen: In ihre Essener Konzernzentrale ziehen ab Mitte August die ersten Bürohunde ein. Diese sollen künftig „fester Bestandteil der Bürokultur“ werden, wie der Konzern mitteilte.

Die Abteilung für Kommunikation habe bei der Mediengruppe die Einführung der Bürohunde mit Fachabteilungen wie Gebäudemanagement oder Arbeitssicherheit geplant und werde das Projekt auch weiter koordinieren. „Mobiles Arbeiten ist heute schon fester Bestandteil unseres Arbeitslebens und hilft unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei der Work-Life-Balance“, sagt dazu deren Kommunikationsleiterin Jasmin Fischer.

Immer mehr Unternehmen kommen auf den Hund

Was in Essen vorgelebt wird, wird zunehmend auch in anderen Unternehmen zum Thema, zumal sich viele Menschen in der Corona-Pandemie einen vierbeinigen Freund zugelegt haben. Rechtlich gibt es dazu allerdings keinen Anspruch. „In der Tat ist das Mitnehmen eines Hundes oder eines anderen Haustieres in die Büros und Amtsstuben so eine Sache. Wir kennen Einzelfälle, in denen Mitarbeiter zum Beispiel eines Landratsamtes den Personalrat darum gebeten haben, die Sachlage wohlwollend mit der Dienststellenleitung zu klären“, sagt Joachim Lautensack vom Beamtenbund Baden-Württemberg.

Ein Recht zur Mitnahme von Haustieren gebe es aber nicht, betont Lautensack „und in aller Regel werden die Behördenleitungen unter Bezugnahme auf ihr Hausrecht und Direktionsrecht solche Ansinnen der Beschäftigten ablehnen“. Begründet werden solche Ablehnungen laut Lautensack in aller Regel mit Publikumsverkehr, Kunden- und Bürgerkontakten oder hygienischen Bedenken. Außerdem gebe es auch Ablehnung durch andere Mitarbeiter im gemeinsam benutzten Büro „mit der Sorge, dass bei Zustimmung eine Vielzahl der Mitarbeiter ihre Haustiere ebenfalls mitnehmen wollen und beispielsweise auf eine Gleichbehandlung pochen“, sagt Lautensack.

Rechtlich betrachtet müssen sich Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung genauso wie in der freien Wirtschaft grundsätzlich mit dem Arbeitgeber abstimmen, ob Haustiere mit an den Arbeitsplatz genommen werden dürfen. Fast immer gilt das sogenannte Direktionsrecht des Arbeitgebers. Laut der Gewerbeordnung gilt dann Paragraf 106. Demzufolge kann der Arbeitgeber „Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung nach billigem Ermessen näher bestimmen“.

„Von dieser generellen Ablehnung gibt es natürlich hier und da auch Ausnahmen“, sagt Lautensack. Insbesondere, wenn es sich um Therapiehunde, Begleithunde oder Diensthunde zum Beispiel bei Polizei und Forst handelt, „oder in wenigen konkreten Ausnahmefällen auch dann, wenn das Tier nicht kurzfristig anderweitig versorgt werden kann, kein Kundenkontakt besteht und die anderen Kolleginnen und Kollegen im Arbeitsumfeld zustimmen“, sagt Lautensack.

Ohne konkrete Erlaubnis drohen Konsequenzen

Arbeitsrechtler weisen außerdem darauf hin, dass ohne konkrete Erlaubnis der Dienststellenleitung Konsequenzen drohen wie etwa eine Abmahnung oder bei Wiederholungen auch die Kündigung. Und es gebe auch keinen generellen Anspruch auf Gleichbehandlung von Mitarbeitern in puncto Haustier, wenn es etwa dem einen Kollegen erlaubt ist, seinen Vierbeiner mitzubringen. Die Dienststellenleitung kann jederzeit sachliche Gründe geltend machen, etwa dass bei dem einen Kollegen Kundenkontakt besteht und beim anderen nicht oder dass es bei Bürokollegen auch solche gibt, die Angst vor einem Hund haben.

Die Funke-Mediengruppe jedenfalls hat nach eigenen Angaben ein eigenes Regelwerk erstellt, um die Vierbeiner nicht nur im Büro zu erlauben, sondern damit die Bürohunde für die gesamte Belegschaft auch eine Bereicherung werden sollen. „Hunde sorgen im Büro für gute Stimmung, allein die Anwesenheit kann Stress mindern und das Wohlfühlen steigern“, heißt es weiter.

„Als feste Anlaufstelle für alle Kolleginnen und Kollegen – egal, ob sie ihren Hund mitbringen möchten oder allgemeine Fragen zum Projekt haben – stehen zwei ‚Chief Dog Officers‘ bereit“, teilt die Funke-Mediengruppe dazu mit.

Bundesverband für Bürohunde

Seit dem Jahr 2014 gibt es in Berlin einen eingetragenen Bundesverband für Bürohunde. Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, dass die Vierbeiner mit ins Büro kommen dürfen. Laut Vorstand Markus Beyer sind Bürohunde bei den neuen Herausforderungen des Arbeitslebens „ein Teil der Lösung und beeinflussen positiv die lebenswerte und leistungsfähige Unternehmenskultur“. Die Mitarbeiter, die den Bundesverband kontaktierten, „darunter auch viele aus der öffentlichen Verwaltung, berichten uns immer wieder, dass ein Bürohund als Sozialpartner gesehen wird, der das Arbeitsleben bereichert“, sagt Beyer. Der Verband bietet deshalb auch eine „Ausbildung zum zertifizierten Integrationsexperten (m/w/d) bei der Zulassung von Bürohunden in Unternehmen“ an.

Quelle/Autor: Von Ralf Schick

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