Gemeinderäte von CDU und Grünen erklären Kommunalpolitik im Pdocast

Mit modernen Formen eine jüngere Zielgruppe erreichen - das sehen viele Kommunalpolitiker als  dringend notwendig in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit. Mit einem Podcast, über die Arbeit von Gemeinderäten erklärt und transportiert wird, könnte das funktionieren. In Herbolzheim werden zwei Mandatsträger das nun ausprobieren.

Podcasts boomen. Das Format nutzen auch Gemeinderäte wie Philipp Weingardt und Sebastian Berblinger (rechts) aus Herbolzheim.

Berblinger & Weingardt)

HERBOLZHEIM. In wenigen Tagen soll sie zu hören sein: die erste Podcast-Folge über Kommunalpolitik von Philipp Weingardt (Grüne) und Sebastian Berblinger (CDU). Das sind zwei Gemeinderäte in Herbolzheim (Kreis Emmendingen), die sich zum Ziel gesetzt haben, die Bürger ihres Ortes über die Arbeit von Gemeinderäten zu informieren. Gleichzeitig wollen sie über den neuen Podcast verschiedene Themen aufgreifen, die in Herbolzheim eine Rolle spielen und von den Menschen diskutiert werden. In der ersten Folge soll es um junge Gewerbetreibende im Ort gehen. Alle sechs bis acht Wochen soll eine neue Folge erscheinen.

„Podcasts generell sind ja sehr in Mode“, erzählt Berblinger, der die Idee für das Projekt hatte. Tatsächlich hören nach einer Goldmedia-Studie rund zehn Millionen Menschen täglich einen Podcast (siehe Kasten unten). Der Studienersteller ist ein Strategie- und Beratungsunternehmen in den Bereichen Medien, Unterhaltung und Telekommunikation. Der CDU-Kommunalpolitiker hört selbst solche Formate, etwa zum Thema Reisen, Outdoor und Abenteuer, aber auch politische Podcasts.

Themen platzieren, die nirgends sonst einen Platz finden

„Ich habe gedacht, so etwas könnte man doch auch für die Kommunalpolitik machen.“ Thematisch biete das kommunale Feld eine große Tiefe und Vielfalt. „Das geht einmal querbeet durch den Lebensalltag der Menschen“, fügt der 40-Jährige hinzu. Im Podcast sieht er auch die Möglichkeit, Themen zu platzieren, die nicht Eingang in das örtliche Mitteilungsblatt oder in die Berichterstattung der Lokalzeitung gefunden haben.

Als Gemeinderat werde er oft danach gefragt, wie denn die Arbeit in dem Gremium eigentlich so ablaufe, wie viel Aufwand das sei oder wie das mit den Fraktionen funktioniere. Das alles seien Themen, die sich über den Podcast gut erklären ließen. Hinzu kommt aus seiner Sicht, dass in knapp zwei Jahren die nächsten Kommunalwahlen anstünden. Da beginne irgendwann die Kandidatensuche und der Podcast könne für ein besseres Verständnis und vielleicht sogar für mehr Begeisterung in der Kommunalpolitik sorgen.

Initiatoren kommen aus unterschiedlichen Fraktionen

Gestartet wurde der Podcast mit einem Teaser, einer knapp vier Minuten langen „Werbung in eigener Sache“. Dieser Teaser wurde von den beiden vor wenigen Wochen in einem Hotelzimmer aufgenommen, während einer Gemeinderatsklausur. Darin kündigen die beiden nicht nur das Thema des ersten Podcasts an, sondern benennen auch das grundlegende Ziel, über Kommunalpolitik in Herbolzheim informieren zu wollen.

Dass beide aus unterschiedlichen Fraktionen stammen, ist beinahe schon notwendige Bedingung für einen Podcast, bei dem die Zuhörer dranbleiben. Eine Konstellation, bei dem beide Podcaster aus der gleichen Fraktion kommen, fänden Berblinger und Weingardt wenig attraktiv für Zuhörer.

„Wir sind sehr unterschiedlich und das ist der Reiz an der Sache“, bestätigt der 44-jährige Weingardt. Aus seiner eigenen Fraktion sei schon die Frage gekommen, warum es jemand aus einer anderen Partei sein müsse. Er führte als Erklärung die frühere Reportagesendung „Frontal“ mit den gegensätzlichen Moderatoren Ulrich Kienzle und Bodo Hauser an. „Die waren auch nicht aus einem Holz geschnitzt“. Das habe den Kollegen eingeleuchtet. Weingardt hatte bis jetzt wenig Erfahrung mit Podcasts. „Ich bin zwar ein Digital Native, aber damit hatte ich mich noch nie beschäftigt.“

Gemeinderäte bezahlen Aufwand aus der eigenen Tasche

Was die Ausrüstung angeht, wollen sich Berblinger und Weingardt nun ein wenig besser ausstatten. Fortan wollen sie zwei Mikrofone nutzen und die Aufnahme über einen Computer laufen lassen. Wer eine Podcast-Fortbildung besucht, der lernt, dass die technische Mindestausstattung rund 1000 Euro kostet. So weit wollen es die beiden Gemeinderäte aber nicht treiben, obwohl sie das Produkt auch auf Podcast-Plattformen platzieren wollen. Aber: „Wir sind keine kommerziellen Anbieter, bezahlen das alles selbst und wollen auch keinen Gewinn damit machen.“

Podcast mit dem Fraktionsgeschäftsführer in Karlsruhe

Ein Podcast ist eine Hörserie mit mehreren Episoden, die inhaltlich ganz unterschiedlich ausgestaltet sein kann. Erfolg haben derzeit vor allem „True Crime“-Podcasts, in denen es um echte Verbrechen geht. Die zunehmende Verbreitung von Smartphones seit mehr als zehn Jahren hat zu einem wahren Boom von Podcasts geführt, den die Corona-Pandemie noch einmal deutlich verstärkt hat. In Karlsruhe betreiben Gemeinderäte der Fraktion „Freie Wähler/Für Karlsruhe“ ebenfalls einen Podcast, der auch als Video abrufbar ist. Hier sind Mitglieder der Fraktion im Gespräch mit dem Fraktionsgeschäftsführer und erläutern aktuelle Themen.

Quelle/Autor: Marcus Dischinger

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