Studie: On-Demand-Mobilität kann die Verkehrswende voranbringen

In einem zweijährigen Projekt haben Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT)  gezeigt, dass das Ridepooling tatsächlich helfen kann, städtischen Autoverkehr zu reduzieren.

Ein Projekt hat die Effekte von Ridepooling auf den Stadtverkehr erforscht. Foto: dpa/Marcus Brandt

KARLSRUHE. Um die besten Lösungen für den Stadtverkehr wird seit Langem gestritten. Kann On-Demand-Mobilität dabei einen Beitrag zur Verkehrswende leisten?
In einem zweijährigen Projekt haben Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) nun gezeigt, dass das Ridepooling tatsächlich helfen kann, städtischen Autoverkehr zu reduzieren. Sie haben dafür die Auswirkungen des europaweit größten Ridepooling-Dienstes auf den Verkehr in Hamburg untersucht. Diesen betreibt Moia, das Tochterunternehmen eines Automobilherstellers. „Die Studie mit einem eigens entwickelten Simulations–Tool liefert erstmals wissenschaftlich unabhängige Erkenntnisse für den Anbieter Moia, die Verkehrspolitik und -Planung“, heißt es in einer KIT-Mitteilung.

Nach Bestellung via App passt Algorithmus die Fahrtrouten an

Laut Teamleiter Martin Kagerbauer vom Institut für Verkehrswesen (IFV) des KIT zeigen die Simulationen, „dass die Verkehrswende dann möglich wird, wenn attraktive alternative Angebote zum privaten Auto geschaffen und zusätzlich Regelungen für den motorisierte Individualverkehr eingeführt werden“.
Ridepooling zielt auf die Lücke zwischen dem Taxi und dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Wie funktioniert das? Ein Algorithmus ermittelt Nutzer mit ähnlichem Fahrtziel und verteilt diese auf die Fahrzeuge. Der Transport der Passagiere erfolgt unabhängig von Fahr- oder Linienplänen. Unterwegs können Fahrgäste flexibel aus- und zusteigen. Wer mitfahren will, bestellt das Fahrzeug per Handy-App, ein Algorithmus passt dessen Route entsprechend an.
Geht ein solches Angebot nicht zulasten des ÖPNV? Laut den Ergebnissen der Karlsruher Forscher ist das nicht der Fall. Der Toureneffekt und die bessere Erreichbarkeit von Haltestellen nutze auch dem ÖPNV, erläutert Gabriel Wilkes vom IFV. „Wenn zum Beispiel jemand von zu Hause ins Kino und wieder zurück fährt, wird auf dieser Tour mit zwei Wegen oft nur einer mit Ridepooling zurückgelegt, der andere Weg fast immer mit dem öffentlichen Verkehr“.

Einschränkung des Autoverkehrs um acht Prozentpunkte möglich

In einem Szenario der Simulation mit flächendeckender Verfügbarkeit von autonom fahrenden Ridepooling-Angeboten mit vielen Fahrzeugen, einem ausgebauten ÖPNV und Einschränkungen für den Autoverkehr ließe sich der Autoverkehr in Hamburg um acht Prozentpunkte reduzieren. „Der Rückgang der Fahrzeugkilometer um etwa 15 Millionen Kilometer pro Woche wäre beachtlich“, so Kagerbauer.
Ein Vorläufer des Ridepooling stammt übrigens aus dem Südwesten: In den 1970er-Jahren wurde in Friedrichshafen mit einem Rufbus experimentiert. Dabei ging es um einen bedarfsorientierten Flächenverkehr. Bestellt werden konnte er telefonisch, per Rufsäule oder per Postkarte. Da das Angebot nicht wirtschaftlich war, wurde es aber wieder eingestellt

Quelle/Autor: Christoph Müller

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