Wie sich Kommunen auf die Gaskrise in Herbst und Winter vorbereiten

Kommunen wollen aufgrund der drohenden Gasmangellage im Herbst und Winter ihren Energiebedarf deutlich reduzieren. Viele setzen dabei bei den eigenen Liegenschaften an und drehen die Temperaturen in Rathäusern und Bädern herunter. Langfristig geht es um den Einsatz erneuerbarer Energien.

Um Energie zu sparen, will die Stadt Lörrach das Rathaus an das Fernwärmenetz anschließen.

dpa/Philipp von Ditfurth)

STUTTGART/LÖRRACH. Die Stadt Lörrach setzt auf kurzfristige und langfristige Maßnahmen bei den eigenen Gebäuden. Aktuell beträgt dort der Anteil an Erdgas als Energieträger etwa 62 Prozent, teilt die Verwaltung mit. Kurzfristig will die Stadt aufgrund der drohenden Gasknappheit im Winter das Rathaus an das Fernwärmenetz anschließen – denn das Gebäude sei laut einer Mitteilung der zweitgrößte Gasverbraucher bei den städtischen Einrichtungen.

Die Stadt hat zwei weitere Liegenschaften mit Blick auf das Energiesparen untersucht. Im Campus Rosenfels geht es um die Reparatur und Optimierung der Holzheizung sowie die Reduzierung des Verbrauchs. An der Neumattschule werde geprüft, ob nur eine Reparatur des Holzpelletkessels erfolgen soll oder ob auch eine weitergehende Lösung möglich ist.

„Allein diese Maßnahmen in den drei Objekten führen schon zu Einsparungen von über 20 Prozent des gesamten Gasverbrauchs bei den städtischen Gebäuden“, so Oberbürgermeister Jörg Lutz (parteilos). Zudem wäre es möglich, weitere Heizungen an das Wärmenetz anzuschließen, weitere Heizanlagen auf Holzpellets und Wärmepumpen umzurüsten und Thermostatventile auszutauschen.

Thermalbad, Sauna sowie das Hallenbad sollen schließen

Schon seit Monaten beschäftigen sich die Kommunen im Land mit dem Thema Energiesparen. Vielerorts wurden in den Bädern die Wasser- und Raumtemperatur abgesenkt, das Warmwasser in den Verwaltungsgebäuden abgestellt, wie das beispielsweise in Konstanz der Fall ist. In Lörrach gibt es keine garantierte Wassertemperatur von 23 Grad im Freibad mehr. Und die Landeshauptstadt Stuttgart spart seit dem 1. Juli Energie, indem das Beckenwasser der Freibäder nur durch Solarenergie erwärmt wird.

Ende Juli hatten sich Vertreter des Landes, der Kommunen, Verbände und Unternehmen zu einem Krisengipfel getroffen und über Maßnahmen im Falle einer Gasmangellage beraten. „Nun geht es darum, dass Kommunen ihre Liegenschaften in den Blick nehmen und sich einen Überblick verschaffen, wo überall Gas gespart werden kann“, erklärt Susanne Nusser, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Städtetags Baden-Württemberg. Zudem sollten Bürger dazu aufgerufen werden, Energie zu sparen.

Doch bei einer Gasmangellage im Winter werden wohl einschneidende Maßnahmen nötig sein: Dann sollen beispielsweise in Konstanz das Thermalbad und die Sauna sowie das Hallenbad am Seerhein schließen. Das hat der Gemeinderat beschlossen. Zudem sollen dort die städtischen Heizungen in diesem Jahr erst ab Oktober Wärme spenden, in Schulen und Kitas bis maximal 19 Grad.

Städtetag schlägt mehr Homeoffice als Maßnahme vor

Laut Nusser gibt es im Winter in den Verwaltungsgebäuden selbst viel Einsparpotenzial. Mehr Homeoffice wäre eine Lösung, um Räume nur auf ein Minimum zu beheizen oder gar ganze Stockwerke unbeheizt zu lassen. In der Karlsruher Verwaltung sollen Klima- und Lüftungsanlagen sowie Warmwasser wo möglich abgeschaltet werden. Die Temperatur in Innenräumen soll um zwei Grad gesenkt werden und in Fluren und Nebenräumen nur noch vor Frost geschützt werden, wie ein Sprecher mitteilte. Des Weiteren werde geprüft, die Heizperiode zu verkürzen.

Durchlauferhitzer und Boiler in Teeküchen vom Netz nehmen

In Lörrach stehen die Öffnungszeiten der städtischen Einrichtungen auf dem Prüfstand sowie eine Schließung des Rathauses zwischen den Jahren. Aber auch kleinere Maßnahmen, wie die Durchlauferhitzer und Boiler in den Teeküchen im Rathaus vom Netz zu nehmen, kämen in Betracht.

Bei der Straßenbeleuchtung setzen weitere Sparmaßnahmen an. Deren Umrüstung auf LED hat in Lörrach bereits begonnen. Zudem sei LED-Beleuchtung am Rathaus und weiteren städtischen Gebäuden vorgesehen. Die Stadt Stuttgart erwägt derzeit, die Außenbeleuchtung an städtischen Gebäuden wie dem Rathaus und der Stadtbibliothek abzuschalten. Langfristig ist jetzt vielerorts der verstärkte Ausbau der erneuerbaren Energien angesagt. Tübingen setzt vor allem auf den Einsatz von Wärmepumpen und Pelletheizungen. Sindelfingen will den Anteil der Fernwärmeversorgung auf über 60 Prozent erhöhen und den Anteil von fossilen Brennstoffen in der Fernwärmeversorgung auf unter 15 Prozent reduzieren.

Quelle/Autor: Philipp Rudolf

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