„Generation 50 plus“ hat spezifische Stärken

Das individuelle Leistungsprofil verändert sich im Lauf des Berufslebens. Gerade die über 50-Jährigen haben spezifische Stärken, die im Behördenalltag kostbar sind. Wichtig sind gute Rahmenbedingungen und eine eingespielte Zusammenarbeit im Generationenmix. Dann entstehen starke Teams und Synergieeffekte.

Viele der über 50-Jährigen verfügen über viel Erfahrung, eine gute Intuition und meistens auch mehr Gelassenheit im Berufsalltag.

dpa Themendienst/Christin Klose)

STUTTGART. Sie gehören zu den geburtenstarken Jahrgängen und sind in den Amtsstuben der Rathäuser und Landratsämter momentan sehr häufig anzutreffen: Die Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter der Altersgruppe „50 plus“.

Mit ihrer großen Berufserfahrung zählen sie zu den Leistungsträgern im Öffentlichen Dienst. Ob in der täglichen Beratungsarbeit im Jobcenter oder bei Steuerungs- und Führungsaufgaben im Hintergrund – die „Älteren“ arbeiten effizient, mit großem Pragmatismus und mit viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit Bürgerinnen und Bürgern.

In meiner Beratungs- und Trainingsarbeit mit dieser Altersgruppe stoße ich in den letzten Jahren aber auch auf viel Verunsicherung. Wenn es etwa um den Bereich der Digitalisierung geht, spüren viele Ältere, dass sie sich manches nicht mehr so leicht aneignen können wie die Jüngeren. So entsteht bei den Betroffenen und in ihrem Umfeld ein falsches und zu negatives Bild.

Leistungsprofil verändert sich im Laufe des Lebens

Umso wichtiger ist es, sich als Älterer bewusst zu machen, was man selber kann und auch, was die Wissenschaft über die spezifischen Fähigkeiten weiß, die Menschen in der zweiten Lebenshälfte entwickeln. Denn das Leistungsprofil verändert sich im Laufe des Lebens – und zwar durchaus auch zum Positiven!

Zum Beispiel wird die Intuition im Laufe des Lebens besser, also das „Bauchgefühl“, das uns im Alltag oft viel schneller und zielsicherer steuert als der reflektierende Verstand. Auch die Fähigkeit, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden und die richtigen Prioritäten zu setzen, verbessert und verfeinert sich immer weiter.

Gleiches gilt für die sogenannte emotionale Intelligenz, also die Fähigkeit, eigene Gefühle wahrzunehmen, auszudrücken und zu steuern. Damit hängt auch die sprichwörtliche Gelassenheit der Älteren zusammen (Ausnahmen bestätigen die Regel). Und auch die Fähigkeit zur Empathie gegenüber den Gefühlen anderer kommt in der zweiten Lebenshälfte noch stärker zur Entfaltung. Genauso wie die Konfliktfähigkeit.

Durch diese Kompetenzen können Ältere in positiver Weise das Arbeitsklima und die Vertrauenskultur in ihrem Wirkungsbereich beeinflussen. Und wenn am Arbeitsplatz zwischenmenschlich „die Chemie stimmt“, ist das förderlich für die Motivation und wirkt sich auf die Arbeitsergebnisse aus.

Altersgemischte Teams sind auf den Ämtern der Normalfall

Von großer Bedeutung ist im Alltag das Zusammenspiel der Generationen, denn altersgemischte Teams sind auf den Ämtern der Normalfall. Viel hängt von einer guten Kommunikation ab, von gegenseitiger Wertschätzung und Vertrauen – und von dem Wissen um die eigenen Stärken und Schwächen und um die des anderen. Wenn man das gut hinbekommt, dann stellen sich die berühmten „Synergieeffekte“ ein.

Ältere haben ein höheres Burnout-Risiko

Laut Studien des Robert-Koch-Instituts haben die 50- bis 59-Jährigen ein um 50 Prozent erhöhtes Burnout-Risiko im Vergleich zum Durchschnitt der Beschäftigten. Damit sich die Älteren mit ihren Qualitäten gut in den Arbeitsprozess einbringen können, müssen Rahmenbedingungen erfüllt sein. Dazu gehören eine altersgerechte Ausstattung des Arbeitsplatzes, gute Teilzeitmöglichkeiten, altersspezifische Weiterbildungsangebote und ein Gesundheitsmanagement, das die älteren Mitarbeitenden besonders im Blick hat. Das gilt vor allem für die Burnout-Prävention und für das Thema „Resilienz“.

Quelle/Autor: Von Ulf Pomerenke

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