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Hype um die App „Clubhouse“ - Audio als neuer Trend?

29.01.2021 
Redaktion
 
Die neue App Clubhouse ist gerade in aller Munde. Foto: dpa/Christoph Dernbach

Die neue App Clubhouse ist gerade in aller Munde. Foto: dpa/Christoph Dernbach

STUTTGART. Seit Januar häufen sich die Berichte rund um die auf Audio-Inhalte beschränkte App „Clubhouse“. Die Stimmen schwanken dabei zwischen Jubel und Kritik.

Was ist Clubhouse?

Clubhouse ist eine Social-Audio-App. Anders als in bekannten Netzwerken gibt es keine Fotos, Bewegtbilder, Kommentare oder Likes, sondern ausschließlich Live-Audio-Formate. 

Die Älteren vergleichen es mit Talk-Radio, die junge Zielgruppe als Live-Podcast zum Mitreden. In Räumen und auf virtuellen Bühnen sprechen Menschen miteinander und jeder darf mitreden. Als Zuhörer kann man virtuell seine Hand heben und die Moderatoren können jeden Zuhörer, der es möchte, auf die Bühne holen.

Jeder hat ein Profil mit Foto und ausführlicher Beschreibung. Verlinkt werden können bisher zusätzlich das eigene Twitter- und Instagram-Profil.

Woher kommt der Hype?

Die App ist momentan ausschließlich für Nutzer von iOS-Apple-Geräten zum Download verfügbar. Um sich Anmelden zu können, benötigt man die Einladung eines bereits vorhandenen Nutzers. Diese künstliche Verknappung der Zugangsmöglichkeiten macht dabei für viele die App erst richtig interessant. Viele Prominente und Politiker – von Thomas Gottschalk und Joko Winterscheidt über Influencerin Caro Dauer bis hin zu Spitzenpolitiker Christian Lindner (FDP) – sind dort momentan nahezu persönlich greifbar.

Ist Clubhouse für die öffentlich Verwaltung relevant?

Derzeit kann man die App ausschließlich privat nutzen. Eine geschäftliche Nutzung wird in den AGB ausdrücklich untersagt. Aber schon jetzt tummeln sich viele Spitzenpolitiker in der App und stellen sich den lebhaften Diskussionsrunden.

Einen offiziellen Auftritt kann man also nicht eröffnen, aber sich als Mitarbeiter oder Bürgermeister Diskussionen zu verschiedenen Themen anhören und – bei Bedarf – auch mitdiskutieren. Themen gibt es genug – von Corona, Eltern in der Krise, über Digitalisierung bis hin zu Kulturwandel und Journalismus. Die Diskussionskultur ist dabei in den meisten Räumen höflich und offen im Umgang mit Themen und Meinungen.

Welche Chancen bieten sich auf Clubhouse?

Regionalen Raum anbieten

Als Mitarbeiter oder Bürgermeister könnten Sie versuchen, regionale Räume für einen Austausch anzubieten. In größeren Städten wie Stuttgart gibt es schon erste wöchentliche Formate, die in diese Richtung gehen. Vernetzen Sie sich in der Region und schauen Sie, welche Themen die Leute selbst mitbringen und über was sie sprechen möchten. Haben Sie ein offenes Ohr und suchen Sie aktiv den Austausch.

Fachrelevanter Diskussionsraum

Versuchen Sie, für ihr fachliches Umfeld – für Kollegen aus anderen Verwaltungen – ein relevantes Diskussionsthema anzustoßen, zum Beispiel „Öffentlichkeitsarbeit in Zeiten von Corona“, oder „Homeoffice in der Verwaltung“. So können Sie Kollegen auf Clubhouse ausmachen und sich miteinander vernetzen.

Starke Vernetzung

Da Clubhouse momentan noch eine relative kleine Community hat, kann man sich hier nicht nur gut und schnell vernetzen, sondern erhält auch zusätzliche Aufmerksamkeit für die eigenen Kanäle auf Twitter und Instagram. Inhaltlich bietet Clubhouse in seiner momentanen Form tatsächlich recht spannende Formate. Immer wieder gibt es Diskussionsräume zu Community Management, „Mittag im Regierungsviertel“ aus Berlin oder Führung in Zeiten des Home-Office.

Wer sich in solchen Diskussionsräumen beteiligt, kann hier gut und unkompliziert ins Gespräch kommen – auch auf Bundesebene. So besteht zumindest theoretisch die Chance, auch in Berlin auf besondere Gegebenheiten hier vor Ort aufmerksam zu machen, die sonst wenig(er) Berücksichtigung finden oder Anregungen, Dinge besser / anders anzugehen.

Vorteil Audio

Der Vorteil an reinen Audioformaten ist, dass man nicht hinschauen muss, sondern parallel etwas anderes tun kann: Auto fahren, Wohnung putzen, Laufen gehen. Das ist einer der Gründe, warum auch Formate wie Hörbücher und Podcasts in den letzten Jahren wieder deutlich stärker zunehmen und der Anteil an Sprachnachrichten bei Messengerdiensten stetig steigt.

Insofern sind die „Dop-in Audio-Chats“ in Form eines Social Networks ein durchaus logischer Schritt. Auch andere Netzwerke – unter anderem Twitter – experimentieren derzeit mit dem Angebot von reinen Audio-Formaten. Ob die junge App es langfristig schafft, sich zu etablieren oder letztendlich aufgekauft oder von den großen Netzwerken mit deren eigenen Formaten überholt wird, bleibt abzuwarten.

Generell können Sie für Audio-Formate auch bereits vorhandenes Material von aufgezeichneten Interviews oder Videos verwenden. Mit einer zusätzlichen „Erzählstimme“, die wichtige visuelle Informationen sprachlich wiedergibt, lassen sich auch solche Inhalte als reine Audio-Inhalte zum Beispiel auf Ihrer Website zur Verfügung stellen.


Die Sehnsucht nach persönlichen Gesprächen

Unter Pandemie- und Lockdown-Bedingungen erfüllt die App ein Bedürfnis, das ohne Corona vielleicht nicht stark wäre: Die Sehnsucht nach Austausch im persönlichen Gespräch. An vielen Tage im Homeoffice jagt zwar eine Online-Besprechung die nächste – aber zwanglose Gespräche mit Freunden, Bekannten und Kollegen kommen oft zu kurz. Es fehlt der gemütliche Kaffee oder ein lustiger Drink am Abend. Die soziale Verbindung zu anderen. Insofern füllt die App eine aktuelle Lücke. Ob sich die Faszination auch im Sommer noch halten kann, wird man sehen.

Überlegen Sie – und zwar unabhängig von Clubhouse oder anderen Medien - wo Sie trotzdem die Möglichkeiten haben, Gesprächsräume anzubieten. Für Mitarbeiter genauso wie für Bürger. (Virtuelle) Orte, an denen Menschen zusammenkommen, Geschichten erzählen, Sorgen loswerden und sich gegenseitig inspirieren und Mut zusprechen können.

2021 wird sich noch stärker als bisher das Thema der Konversation wiederfinden und durch alle Medien durchziehen.

Kritische Punkte

Datenschutz

Ein großes Thema bei Clubhouse ist der Datenschutz. Die App kommt – wie viele andere Social Networks – aus den USA und wird bislang auch ausschließlich auf dortigen Servern betrieben. Bei der Anmeldung fragt sie nach dem Zugriff auf das im Smartphone hinterlegte Adressbuch. Theoretisch müsste man vorher also alle seine Kontakte um ein Einverständnis bitten, diese Daten an Clubhouse weiterzugeben.

Umgang mit Hate Speech

In den USA ist die App schon deutlich länger verfügbar und es häuft sich Kritik, was den Umgang mit Hate Speech und Rassismus betrifft. Um hier nachvollziehbare Entscheidungen treffen zu können, zeichnet die App zunächst die Gespräche auf. Wenn keine Meldung erfolgt, werden die Aufzeichnungen mit dem Beenden des Raumes wieder gelöscht. Nach Angaben von einigen Nutzern aus den USA funktioniert das Melden von Gesprächen und Nutzern bisher aber nicht ausreichend gut. Bleibt abzuwarten, ob die noch junge App hier bald besser agiert.

Ausschließlich private Nutzung erlaubt

Zum aktuellen Zeitpunkt ist die geschäftliche Nutzung von Clubhouse gemäß der Nutzungsrichtlinien untersagt.  Laut Rechtsanwalt Thomas Schwenke müssen Privatpersonen bei der Nutzung von Apps die DSGVO und andere Vorschriften grundsätzlich nicht beachten.
Zitat: Laut Artikel 2Abs. 2 lit. c. ist die DSGVO auf die „Verarbeitung personenbezogener Daten durch natürliche Personen zur Ausübung ausschließlich persönlicher oder familiärer Tätigkeiten,“ nicht anwendbar. (Quelle: https://rechtsbelehrung.com/dsgvo-privatpersonen-rechtsbelehrung-82/)

Über die Autorin

Daniela Vey ist Social-Media-Beraterin. Die Themen Web, Corporate Identity und soziale Medien sind ihr Steckenpferd. Zudem gibt sie Social-Media-Kurse und moderiert die Allfacebook Conference.

In der Kolumne "Social Media in Kommunen" des Staatsanzeigers gibt sie Akteuren der öffentlichen Verwaltung Tipps und Tricks im richtigen Umgang mit den sozialen Netzwerken Facebook, Twitter, Instagram und Co.


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