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Motorsäge „Contra“ machte Firma Stihl 1971 zum Weltmarktführer

Die "Contra" war die erste getriebelose Ein-Mann-Benzinmotorsäge aus dem Hause Stihl – und der Meilenstein, der das württembergische Unternehmen 1971 zum Weltmarktführer in Sachen Motorsägen und Kettensägen aufsteigen ließ.

Die Benzinmotorsäge "Contra" aus dem Jahr 1959 wog nur zwei Kilogramm und machte die Arbeit somit effizienter und leichter. Haus der Geschichte Baden-Württemberg)

WAIBLINGEN. „Sie ist die Großmutter aller modernen Motorsägen.“ Immo Wagner-Douglas, Kurator im Haus der Geschichte Baden-Württemberg, beschreibt ein technisches Exponat des Museums, das in Rot, Weiß und Stahlfarben daherkommt: Die „Contra“ weist einige Spuren der Benutzung auf, aber beeindruckt keinen Deut weniger.

War sie doch die erste getriebelose Ein-Mann-Benzinmotorsäge aus dem Hause Stihl – und der Meilenstein, der das württembergische Unternehmen 1971 zum Weltmarktführer in Sachen Motorsägen und Kettensägen aufsteigen ließ. Als „echtes Kind der Wirtschaftswunderjahre“ steht sie für die Entwicklungen dieser Ära.

Mit ihren zwölf Kilo leichter und effizienter als ihre Vorgänger

Im Jahr 1959 gelang Andreas Stihl mit der Contra ein technologisches Meisterstück. Mit Hobelzahnkette und lageunabhängigen Membranvergaser ausgestattet, kompakt und schlank gebaut, brachte sie lediglich zwölf Kilogramm auf die Waage. Man konnte mit ihr nicht nur allein motorisiert sägen, sondern auch in jede Position beliebig schwenken, ohne vorab etwas manuell einstellen zu müssen.

Dabei war die Contra – mit der Stihl auf die Motorsäge „Rex“ der Sindelfinger Firma Solo reagierte – leichter und effizienter als ihre Vorgänger und alle anderen Produkte auf dem Markt. Die Motorleistung, so ist im Stihl-Archiv zu erfahren, betrug sechs PS, also 4,4 Kilowatt, die Drehzahl bei maximaler Leistung lag bei 7000 Umdrehungen pro Minute. Damit revolutionierte die Motorsäge die Waldarbeit. „Forstbetriebe konnten mit ihr die Produktivität um 200 Prozent steigern“, heißt es bei Stihl. In den USA wurde sie daher unter dem Namen „Lightning“, also Blitz, verkauft.

„Es war eine neue Denkweise, das Motorwerkzeug zum Baum zu bringen statt umgekehrt“, sagt der Historiker Immo Wagner-Douglas. Und er schaut noch etwas weiter in die Vergangenheit: Das Transportflugzeug Junkers „Ju“ 52 habe gemäß Vorschriften der Luftwaffe stets eine transportable Motorsäge in der Bordausrüstung gehabt, „falls die Maschine im Waldgebiet abstürzen sollte oder irgendwo landen müsste, wo Bäume im Weg standen, könnte man diese aus dem Weg sägen.“

Aus dem Erfolg in Deutschland wurde rasant ein weltweiter

Contra sollte Ende der 1950er-Jahre die Motorsäge werden, mit der Stihl zweistellige Umsatzsteigerungen einfuhr. Und aus dem Erfolg in Deutschland wurde rasant ein weltweiter. Wie in der Wirtschaft der noch jungen Bundesrepublik stand daher auch bei Stihl Aufbruch und Expansion auf dem Programm.

Es wurden neue Fertigungshallen errichtet – und ein zusätzliches Werk in Waiblingen. In zehn Jahren wuchs die Belegschaft von rund 640 im Jahr 1959 auf über  1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Jahr 1969. Auch die Fertigungsmengen legten beeindruckend zu. Bis heute ist Stihl die meistverkaufte Motorsägenmarke der Welt – „Made in Baden-Württemberg“.

Quelle/Autor: Petra Mostbacher-Dix

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