Reihe "Das Exponat"

Victoria FM 38: Deutsches Zweirad- und NSU-Museum dokumentiert Rekorde

Mit einer speziell getunten Zweitaktmaschine in Liegendhaltung auf Weltrekordfahrt: Hinter dem Rennrad Viktoria FM 38 verbirgt sich eine aufregende Geschichte.

Mit der Victoria FM 38 erzielte der Motorrad-Rennfahrer Georg Dotterweich im Jahr 1951 einen neuen Geschwindigkeitsweltrekord. Ralf Schick)

NECKARSULM. Es waren die Jahrzehnte der Begeisterung für Geschwindigkeit, Erfindergeist und sportliche Höchstleistungen. Von 1930 bis 1960 lockten außergewöhnliche Rennmaschinen Hunderttausende begeisterte Zuschauer an die Rennstrecken. „Es war aber auch die Zeit von genialen Ingenieuren, die technisch einmalige Innovationen schufen“, sagt Museumschefin Natalie Scheerle-Walz zur aktuellen Sonderausstellung „Rennmythen 1930 – 1960“.

Spezielle Technik führt zur Rekordfahrt auf der Autobahn

Ein besonders schnelles Fahrzeug aus dieser Zeit wird auch in der Dauerausstellung des Museums gezeigt, die exklusive Weltrekordmaschine aus dem Jahr 1951, eine Victoria FM 38. Mit dieser knapp 22 Kilogramm schweren Rennmaschine erzielte der Fahrer Georg Dotterweich mit einem einzylindrigen 38,5-Kubikzentimeter-Motor eine neue Bestmarke auf der Autobahn München – Ingolstadt.

Die Weltrekordfahrt erforderte viel Vorbereitung und technisches Know-how, genutzt wurden etwa die besten Kurbelwellen oder Kolben. Dotterweich hatte gleich zwei Rekordfahrzeuge vorbereitet, wobei nur bei einem Motor 2,5 PS bei 12 000 Umdrehungen in der Minute gemessen wurden. Mit dieser speziell getunten Maschine erreichte er bei Probefahrten über 90 Kilometer pro Stunde Geschwindigkeit.

1951 startete Dotterweich seine Rekordfahrt und wurde zunächst von einer Windböe erfasst und stürzte. Die Kurbelwelle wurde dabei verbogen und konnte nicht mehr benutzt werden. Also musste er ein zweites Mal starten – mit einer wesentlich schwächeren Ersatzmaschine. Mit ihr erzielte er den 50-Kubikzentimeter-Weltrekord mit einer Spitzengeschwindigkeit von 79 Stundenkilometern im Durchschnitt, auf der Rückfahrt waren es sogar 84 Kilometer pro Stunde.

Schon im Vorfeld hatte sich herausgestellt, dass die Fahrweise – nämlich auf dem Bauch liegend – noch mehr Geschwindigkeit ermöglichte.

„Die 1950er-Jahre waren auch für die Stadt Neckarsulm in sportlicher Sicht einmalig, denn damals fieberten unzählige Menschen mit den Rennfahrern Werner Haas, Rupert Hollaus und H.P. Müller auf Rennmax, Rennfox und Sportmax um die Weltmeisterschaft“, sagt Museumsmitarbeiter Sven Heimberger.

Das älteste Motorradmuseum in Deutschland

Das Zweirad- und NSU-Museum ist mit etwa 400 Ausstellungsstücken eine der größten historischen Zweiradsammlungen dieser Art in Deutschland. Das 1956 eröffnete Museum ist das älteste Motorradmuseum Deutschlands. Anhand einer Sammlung von 140 Motorradmarken und 127 Fahrradherstellern zeigt es die Entwicklung des Zweirades von den Anfängen des Fahrrades bis zu modernen Rennmaschinen. NSU war ein Fahrrad-, Motorrad- und Automobil-Hersteller, der 1873 in Riedlingen gegründet und 1880 nach Neckarsulm verlegt wurde. Das Unternehmen produzierte erst Strickmaschinen und war in den 1950er-Jahren Weltmarktführer im Motorradbau.

Ralf Schick

Redakteur Landeskundliche Momente und Beruf und Karriere

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