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Extra Momente 1|2013
Literatur und Quellen zu Arbeiterbildungsvereinen

Die Geschichte der Arbeiterbildungsvereine in Württemberg zu schreiben ist mühsam. Die Quellen sind auf verschiedene Archive zerstreut und häufig nur bruchstückhaft erhalten. Trotzdem spiegeln sie, wie flächendeckend und beeindruckend das Engagement der Arbeiter für ihre eigene (Weiter)Bildung war. Ausführliche Informationen zu dem vorhandenen Quellenmaterial finden Sie hier als pdf:


Foto: Staatsarchiv Ludwigsburg F 215 Bü. 311
Foto: Staatsarchiv Ludwigsburg F 215 Bü. 311

Mehr über Sofie Döhring!

Unser Autor Peter Rütters hat sich vor einigen Jahren schon einmal mit Sofie Döhring beschäftigt. Lesen Sie hier als Pdf die Langversion seines Beitrages „Aufstiegschancen einer Textilarbeiterin in Württemberg. In: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung 3/2002, S. 320 – 338.“


Foto: Albert-Bauer-Archiv im Stadtarchiv Schramberg
Foto: Albert-Bauer-Archiv im Stadtarchiv Schramberg

Postkarten der Arbeiterbewegung: Schreiben statt twittern

Zum Albert-Bauer-Archiv der Arbeiterbewegung im Stadtarchiv Schramberg gehören auch zahlreiche Postkarten. Sie zeigen das Selbstbewusstsein der Arbeiter und ihrer eigenen Kultur „von der Wiege bis zur Bahre“. Ihre Botschaften würden heute vermutlich über Twitter oder Facebook ausgetauscht.


Flugblatt „An das Deutsche Volk“ (Staatsarchiv Freiburg A 25/1 Nr. 54)
Flugblatt „An das Deutsche Volk“ (Staatsarchiv Freiburg A 25/1 Nr. 54)

Schriftenschmuggel am Oberrhein: Der Fall Adolf Arnold

Der Geselle Adolf Hermann Arnold geriet wegen eines Verstoßes gegen das Sozialistengesetz ins Visier der Polizei. Hier zeigen die wenigen erhaltenen Ermittlungsverfahren den Ausschnitt aus einem Lebenslauf, wie er gemeinhin in der Überlieferung der Archive nicht oder kaum fassbar wird. Der Seilergeselle Adolf Hermann Arnold aus Schiltach war 1881 25 Jahre alt. Er hatte am 20. März 1881 in Basel die sozialdemokratischen Feierlichkeiten zum Jahrestag der Pariser Commune und der Märzereignisse 1848 in Deutschland besucht. Von dort brachte er Exemplare eines Aufrufs „An das deutsche Volk“ mit, die er an seinem Arbeitsort Lörrach in Hausgängen auslegte. Nach seiner Festnahme bekannte sich Arnold ohne Umschweife zur sozialdemokratischen Bewegung und gab bereitwillig Auskunft aus seinem Leben.

Bis ins Alter von 16 Jahre hatte er den Beruf des Seilers im elterlichen Betrieb erlernt und war danach auf die obligatorische „Walz“, die Gesellenwanderung, gegangen, die ihn quer durch Europa geführt hatte. Stationen in Südfrankreich, Italien, der Schweiz und in Deutschland, darunter 1877 bei Hofseiler Schönherr in Karlsruhe, ein Jahr später München, schmückten sein Wanderbuch. Schon in jungen Jahren Anhänger der Sozialdemokratie, hatte er an seinen Stationen immer Anschluss an bestehende Arbeitervereine 

gesucht. Von 1873 bis 1875 gehörte er der „Gemischten Gewerkschaft St. Gallen“ an, war später Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei in Karlsruhe, dem Club „socialiste révolutionnaire“, der Internationalen Arbeiterassoziation in Bern, dem deutschen Arbeiterverein in Winterthur und dem sozialdemokratischen Klub in München, in dessen Vorstand er auch gewählt wurde. Arnold, der als ein „spezieller, polizeilicher Überwachung bedürftiger sozialistischer Revolutionär“ galt, war im Januar 1878 Mitbegründer und Vorstand des sozialpolitischen Vereins „Gleichheit“ in München gewesen, dem Sammelbecken „der anarchistischen und revolutionären Fraktion“ der dortigen Sozialdemokratie.

Besonders erwähnenswert hielt der vernehmende Polizeibeamte auch eine Begebenheit aus Schiltach im Jahre 1877. Dort hatte Arnold einen Sabotageversuch bei der vaterländischen Sedansfeier (2. September) unternommen, als er die auf dem Schlossberg vorbereiteten Böller unschädlich machte und damit den lautstarken Höhepunkt der Veranstaltung verhinderte. Selbstbewusst und ohne Reue, in der sicheren Überzeugung, für die unveräußerlichen Werte der Versammlungs-, Presse- und Meinungsfreiheit einzutreten, nahm Arnold die dreimonatige Gefängnisstrafe des Landgerichts Freiburg entgegen. (Staatsarchiv Freiburg A 25/1 Nr. 54-55) 


Bericht über den „Stand der Sozialdemokratie in Baden“ 1878

Am 6. September 1878 erstattete das badische Innenministerium dem Staatsministerium einen ausführlichen Bericht „über den Stand der Sozialdemokratie in Baden“. Er gibt einen lebendigen Eindruck von der Angst der Behörden – und zeigt bei genauer Lektüre, dass das Großherzogtum 1878 beileibe keine Sozialistenhochburg war. Neben dem unabhängigen sozialistischen „Pfälzisch-Badischen Pressverein“ in Mannheim gab es lediglich zehn „Lokalvertretungen“ der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAD) im gesamten Großherzogtum. Deren Mitgliederzahlen waren nicht wirklich imposant. Wie um kritischen Nachfragen nach der tatsächlichen „Gefährlichkeit“ dieser Grüppchen aus dem Weg zu gehen, unterschied die Bestandsaufnahme vom September 1878 zwischen den faktischen Mitgliedern und der, allerdings nicht überprüfbaren, „tatsächlichen Anhängerschaft“, die immer als „bedeutend höher“ behauptet wurde. So zählten alle Vereine zusammen nur 513 Mitglieder, die sich wie folgt verteilten: Mannheim 60, Heidelberg 15, Wiesloch 12, Bruchsal 40, Karlsruhe 20, Pforzheim 150, Baden-Baden 70, Freiburg 22, Lörrach 24 und Konstanz 30 Mitglieder. Besonders die „obere Landesgegend“ erwies sich in den Augen der Polizei als „feste Burg“ gegen politische Verführungen aller Art. 


Direkt zum Findbuch des Staatsarchivs Freiburg

Die Umsetzung des Gesetzes gegen die „gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ ist dokumentiert in der Überlieferung des Landeskommissärs Konstanz (A 96/2 Nr. 43-49 -> Normalia – Polizei). Den Bestand finden Sie hier

Außerdem sind in der Überlieferung der Landgerichte (A 25 – A 28) einzelne Fälle von Strafverfahren wegen Verbreitung sozialdemokratischer Druckschriften erhalten. Hier kommen Sie zu den Beständen. Die Akten zum Fall „Adolf Arnold“ in A 25/1 Nr. 54-55 und der Fall „Pauline Mohr” in A 26/2 Nr. 1.) 

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