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Die Türkenkriege des 18. Jahrhunderts

Konfrontationen zwischen Europa und den Osmanen ziehen sich durch Mittelalter und Frühe Neuzeit und sind gerade in Südosteuropa noch vielerorts im kulturellen Gedächtnis verankert. Hierzulande denkt man bei dem Stichwort „Türkenkriege“ meist an die Belagerung von Wien 1683, Prinz Eugen von Savoyen oder an den „Türkenlouis“, Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden. Eine internationale Tagung des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde Tübingen und des Landesarchivs Baden-Württemberg hat sich im Herbst 2015 der weithin vergessenen Türkenkriege des 18. Jahrhunderts angenommen. Die 18 Beiträge des Tagungsbandes nähern sich dem Thema aus erfahrungs-, wissens- und erinnerungsgeschichtlicher Perspektive an und räumen dabei mit manchen Vorurteilen auf.

So standen sich Europa und das Osmanische Reich nicht als geschlossene Blöcke gegenüber. Tatsächlich unterschieden sich die Türkenkriege des 18. Jahrhunderts kaum mehr von anderen Konflikten. Das Osmanische Reich wurde zunehmend als Teil des europäischen Staatensystems betrachtet. Symptomatisch zeigte sich dies nicht nur an der Präsenz osmanischer Großbotschaften in Wien, sondern auch an der Berichterstattung in den politisch-historischen Zeitschriften des 18. Jahrhunderts. Leben und Werk des Renegaten Ibrahim Müteferrika – Diplomat und Autor, der 1729 die erste Druckerei mit beweglichen arabischen Lettern im Osmanischen Reich einrichtete – ist ein eindrückliches Zeugnis der osmanisch- europäischen Verflechtungsgeschichte.

Der Band gliedert sich in drei Teile: Nach einer Neueinordnung der Türkenkriege in die Geschichte von Krieg und Frieden in Europa beschäftigt sich der erste Abschnitt vor allem mit der unterschiedlichen Wahrnehmung der Geschehnisse – abhängig von der Rolle und Funktion der Protagonisten im Kriegsgeschehen sowie mit der Verbreitung dieser Wahrnehmung durch Medien wie amtliche Berichte, Flugblätter, Zeitungen oder Stadtansichten, die das Wissen der Öffentlichkeit formten. Der zweite Teil widmet sich dem Krieg als Wissensproduzenten und dabei insbesondere den Fortschritten der systematischen Kartierung. Sie war nicht nur für militärische Operationen in Hinblick auf Nachschubsicherung und strategischer Planung von großer Bedeutung, sondern auch für die administrativ-politischen Bedürfnisse des späteren Staats- und Verwaltungsbetriebs. Der dritte Teil nimmt die Erinnerung an die Türkenkriege vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart in den Blick. Untersucht wurden u.a. zeitgenössische musikalische und künstlerische Inszenierungen in Wien und Russland sowie die Historienmalerei des 19. Jahrhunderts. Gleich zwei Aufsätze widmen sich der ideologischen und politischen Instrumentalisierung der „Siegerfiguren“ Prinz Eugen und Ludwig Wilhelm von Baden unter den Nationalsozialisten. Zahlreiche Abbildungen und ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis runden den lesenswerten Band ab.

Ein Beitrag von Dr. Marie-Kristin Hauke in Momente 2|2018.

Die Türkenkriege des 18. Jahrhunderts. Wahrnehmen – Wissen – Erinnern. Hg. von Wolfgang Zimmermann und Josef Wolf. Regensburg: Schnell & Steiner 2017. 456 S., 88 teils farbige Abb., ISBN 978-3-7953-3216-4, 49,95 €

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