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Anna Brommer (1900 bis 1993)
Anna Brommer (1900 bis 1993)

Erste Vermessungsingenieurin Deutschlands

„Wohl zu beachten ist …, dass weibliche Personen den Unbilden der Witterung, denen die Geometer bei ihren Feldarbeiten häufig ausgesetzt sind, und den sonstigen mit diesem Beruf verbundenen körperlichen Anstrengungen nicht gewachsen sind.“

So äußert sich 1927 Oberregierungsrat Hermann Haller, der einflussreiche Leiter des württem-bergischen Katasterbüros, als er – zusammen mit den anderen Mitgliedern der Feldmesserprüfungs-kommission – über die Zulassung von Anna Brommer zur Staatsprüfung zu befinden hat. Der überwiegende Teil der Kommission möchte ihre Prüfungsteilnahme verhindern. Allerdings garantiert die Weimarer Verfassung Frauen grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten wie Männern, gestattet jedoch Ausnahmen. Die neu verabschiedete, aber erst ab 1929 geltende Prüfungsordnung hat eine solche Ausnahme festgeschrieben und lässt nur Männer zur Prüfung zu. 1927 gilt jedoch noch die Prüfungsordnung von 1898, die keinen derartigen Passus enthält.

Deswegen kann die Prüfung von Anna Brommer nicht verhindert werden. Sie wird zugelassen, fällt durch, tritt im Folgejahr noch einmal an und besteht. Sie wird damit die erste staatlich geprüfte Vermessungsingenieurin Württembergs (und wohl auch des Deutschen Reiches).

1900 in Geislingen/Steige als älteste Tochter des Katastergeometers Eugen Brommer und seiner Frau Kreszenz geboren, macht Anna Brommer 1919 ihr Abitur. Statt Hauswirtschaft zu lernen wie ihre jüngere Schwester, absolviert Anna Brommer eine praktische Ausbildung bei ihrem Vater. Nach drei Jahren Praxis beginnt sie ein Studium der Geodäsie an der Technischen Hochschule Stuttgart, das sie 1925 mit dem Diplom abschließt. Unmittelbar im Anschluss bekommt die 25-jährige Diplom-Ingenieurin eine Anstellung bei der Oberamtsgeometerstelle in Reutlingen.

Nach dem oben geschilderten hindernisreichen Bestehen der Staatsprüfung 1928 beginnt Anna Brommer eine Tätigkeit beim Prüfungsamt für Feldbereinigung der Zentralstelle für die Landwirtschaft, die 1933 in das Technische Landesamt in Ludwigsburg überführt wird. 1937 kündigt sie, da sie den sechs Jahre jüngeren Regierungsbaumeister Manfred Haage heiratet. Das Paar zieht nach Berlin.

Ab April 1943 wird Anna Haage zum Dienst bei der Trigonometrischen Abteilung des Reichsamts für Landesaufnahme in Berlin verpflichtet und arbeitet dort halbtags als Leiterin einer Rechengruppe. Im Mai 1945 wird das Reichsamt weitgehend zerstört und aufgelöst. Zwei Monate zuvor hat Anna Haage ihren Mann verloren, der gegen Ende des Kriegs zum Volkssturm eingezogen worden war. Die Ehe war kinderlos geblieben. Anna Haage zieht nach Württemberg zurück und wird 1948 als Assessorin des Vermessungsdienstes beim Landesamt für Umlegung und Siedlung in Ludwigsburg Ludwigsburg eingestellt, das 1954 in Landesamt für Flurbereinigung und Siedlung umbenannt wird. Dort arbeitet sie bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1965. Aus ihrer Personalakte geht nicht hervor, ob sie je im Außendienst hat tätig sein können. Anna Haage stirbt 1993.

Erst 1971 beginnt die nächste Frau an der Technischen Hochschule Stuttgart ein Studium der Geodäsie.


Ein Beitrag von Petra Mayerhofer in Momente 02|2015.

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