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Barbara von Cilli (um 1390 bis 1451)
Barbara von Cilli (um 1390 bis 1451)

Die Frau an der Seite des Königs

Mehrfach ist sie in der Richental-Chronik abgebildet, gekrönten Hauptes an der Seite des Königs: Barbara von Cilli war die zweite Gemahlin Sigismunds. Der Ehe entstammte eine Tochter (Elisabeth, um 1409 – 1442), kein Sohn. Mit Sigismund starb die Dynastie der Luxemburger aus. Seine erste Gemahlin Maria, Tochter König Ludwigs I. von Ungarn und Polen, war schon 1395 verstorben. Über sie war Sigismund zur ungarischen Königskrone gekommen.

Politischer und materieller Zugewinn bildeten das Fundament der zweiten Ehe. Die Grafen von Cilli waren in der Steiermark durch Silber- und Bleibergbau zu großem Reichtum gekommen. Graf Hermann II., Barbaras Vater, trug erheblich dazu bei, dass Sigismund seine Herrschaft in Ungarn stabilisieren konnte. Der König war – wie konnte es anders sein? – bei der Grafentochter hoch verschuldet.

Bis 1414 führte Barbara während Sigismunds Abwesenheit die Regierungsgeschäfte in Ungarn. 1414 wurde sie in Aachen zur römisch-deutschen Königin gekrönt und begleitete Sigismund nach Konstanz. Von Richental wissen wir, dass die beiden zunächst das Haus zur Leiter bei St. Stephan bezogen und dann ins Kloster Petershausen wechselten.

Später logierten sie getrennt: Der König in Friburgers Hof, die Königin im Bündrichshof.

Mysteriös ist ein Ausflug der Königin, von dem der Konzilschronist berichtet: Im Juni 1415 setzte sie sich im Kreis von Konstanzer Bürgerinnen nach Überlingen ab. Noch in derselben Nacht reiste Sigismund den Frauen hinterher – über Konstanz wurde derweil eine Ausgangssperre verhängt. Wenige Tage später kehrten beide je für sich wieder zurück. Was war geschehen? Wir wissen es nicht. Ein halbes Jahr später fand sich Barbara wieder in Ungarn ein.

Fest steht: Barbara kommt in der geschichtlichen Überlieferung noch schlechter weg als ihr Gemahl. Enea Silvio Piccolomini (dessen Charakterisierung gewiss tendenziös ist, denn er war ein Parteigänger der Habsburger) bezeichnet sie als Atheistin, die Himmel und Hölle geleugnet habe. Über Nebenmänner und ihre unersättliche Lebenslust lässt sich der spätere Papst Pius II. aus. Nun, darin befand sie sich mit Sigismund auf Augenhöhe. Auch Sigismunds Biograf Eberhard von Windecke weiß nichts Positives über das prominente Paar zu berichten. Von Feindseligkeit ist bei ihm die Rede, in Armut sei sie gehalten worden, unrein gekleidet und lausig sei sie dahergekommen. Es gibt freilich auch Zeugnisse, die Barbara als selbstbewusste, pragmatische Verwalterin der ungarischen Besitztümer schildern, die stets im Sinn des Cilli-Clans dachte und handelte.

Barbara von Cilli teilt das Schicksal mit vielen Herrscherinnen der Zeit, die im Dunkel der Geschichte fast verschwunden sind. Allenfalls die Fantasie, nicht aber die Forschung hat sich für sie interessiert.

Dr. Karin Stober ist Kuratorin der Großen Landesausstellung „Weltereignis des Mittelalters. Das Konstanzer Konzil 1414 – 1418“ des Badischen Landesmuseums Karlsruhe.


Ein Beitrag von Dr. Karin Stober in Momente 01|2014.

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