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Ruth Steiner (1879 bis 1955)
Ruth Steiner (1879 bis 1955)

Engagiert für die Landfrau

Ruth Steiner gehört zu den Pionierinnen der Landfrauenbewegung in Württemberg. Mit der Gründung von zahlreichen landwirtschaftlichen Hausfrauenvereinen, der Leitung des agilen Bezirksverbandes Laupheim und des Landes-verbandes Württemberg baut sie ab 1916 eine bis dahin in Württemberg nicht vorhandene Interessen-vertretung der Frauen auf dem Land auf und sorgt dafür, dass sich die Lebensverhältnisse von Frauen verbessern und sich deren Handlungsspielräume erweitern.

Als Ruth von Kalckreuth wird sie am 22. September 1879 im schlesischen Neisse in eine märkische Adelsfamilie geboren. In Oels, wo ihr Vater Regimentskommandeur ist, wächst sie auf. Die weltgewandte Geselligkeit in ihrem Elternhaus sozialisiert die junge Ruth als „Offiziersdame“. Als ihr Vater mit 49 Jahren stirbt, ist sie 22 Jahre alt und die älteste von sieben Geschwistern. Sie trifft die für ihre Kreise ungewöhnliche Entscheidung für eine Ausbildung, die ihr eine unabhängige Existenz gewähren kann, und besucht die Wirtschaftliche Frauenschule Obernkirchen des Reifensteiner Verbandes.

Kurz bevor sie eine Stelle als Molkereilehrerin antritt, lernt Ruth von Kalckreuth den Besitzer des Schlossgutes Großlaupheim, Adolf Wohlgemuth Steiner (1876 – 1957), kennen, den sie 1904 heiratet. Dessen Vater, Kilian von Steiner (1833 –1903), hatte das Schlossgut als landwirtschaftlichen Musterbetrieb aufgebaut. Dank seiner Erfolge als Bankier gehört die Familie, die der jüdischen Gemeinde Laupheims entstammt, zum wohlhabenden württembergischen Wirtschaftsbürgertum. Zwei Kinder werden dem Ehepaar geboren: Marie-Luise (1905) und Ulrich (1908).

Ruth Steiner übernimmt von Anfang an die Leitung der Schlossgutmolkerei und baut den Geflügelhof zu einer Mustergeflügelzucht aus. Es heißt, die gnädige Frau habe „nicht gescheut, sich schmutzig zu machen“. Ihre ehrenamtliche Arbeit für die Landfrauen zielt auf deren bisher vernachlässigte Aus- und Weiterbildung im Bereich der Haus- und Landwirtschaft: Indem sie qualitativ hochwertige Produkte herstellen und vermarkten, stärken sie ihre wirtschaftliche Selbstständigkeit. Durch Ruth Steiners Engagement werden „Verkaufsstellen“ eingerichtet und eine Vielzahl genossenschaftlicher Einrichtungen wie Dörrküchen, Waschküchen und Handwebereien gegründet.

Als stellvertretende Vorsitzende des „Landesverbandes Landwirtschaftlicher Hausfrauenvereine“ organisiert sie Landfrauentage, vertritt die Württemberger Landfrauen im Reichsverband und setzt sich nach 1918 für ihre Aufnahme in die Landwirtschaftskammer ein. Unter ihrem Vorsitz ab 1928 entwickelt sich der württembergische zum größten Verband innerhalb des Reichsverbandes und zu einem Modernisierer, der den Landfrauen Technik und Wissenschaft nahe bringt. Diese Entwicklung bricht 1933 ab. Bereits vor der Eingliederung in den Reichsnährstand im Dezember 1933 gibt Ruth Steiner das Amt der Landesvorsitzenden auf, da ihre Familie vom Antisemitismus der Nationalsozialisten direkt betroffen ist. Am 22. Juli 1944 wird sie wegen „Zersetzung des deutschen Wehrwillens“ inhaftiert. Ihr Leidensweg endet erst mit der Befreiung durch die Alliierten am 3. April 1945.

Nach dem Krieg setzt ihre Tochter Marie-Luise Gräfin Leutrum die Arbeit der Mutter als Landesvorsitzende, dann als erste Präsidentin des Deutschen Landfrauenbundes fort. Am 7. September 1955 stirbt Ruth Steiner.

Service: Museum zur Geschichte von Christen und Juden
Schloss Großlaupheim
[1961 von Familie Steiner an die Stadt verkauft]
Claus-Graf-Stauffenberg-Straße 15
88471 LaupheimTelefon 0 73 92/9 68 00-0
museum(at)laupheim.de
www.museum-laupheim.de/museum.php


Ein Beitrag von Ortrud Wörner-Heil in Momente 04|2011.

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