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Die Eppinger Linien

EPPINGEN. Ein stilisierter Turm kennzeichnet den Wanderweg „Eppinger Linien“. Dargestellt ist eine Chartaque, ein turmartiges Blockhaus aus Holz, in der Realität zwölf Meter hoch mit einer Grundfläche von sechs auf sechs Metern. Die hölzernen Wachtürme waren Teil eines Verteidigungssystems. Rekonstruktionen solcher Chartaquen stehen beispielsweise auf dem Ottilienberg in Eppingen oder auf dem Sauberg bei Mühlacker und südlich von Niefern-Öschelbronn.

Auf einer Länge von rund 40 Kilometern können Wanderer den Spuren der Geschichte im Bereich des Naturparks Stromberg-Heuchelberg zwischen Eppingen und Mühlacker folgen. Seit mehr als drei Jahrzehnten gibt es den Eppinger-Linien-Weg. Er ist mit 18 Informationstafeln zur Geschichte ausgestattet und bietet neben viel Natur auch Kunstgenuss. Großplastiken des Gemminger Künstlers Hinrich Zürn säumen die Strecke.

Das kulturelle Highlight der Strecke ist das UNESCO-Welterbe Kloster Maulbronn, die älteste erhaltene Klosteranlage aus dem Mittelalter nördlich der Alpen. In Sternenfels, dort wo sich einst die Burg der Herren von Sternenfels erhob, steht heute ein Aussichtsturm, der einen weiten Blick über die malerische Landschaft zulässt.

Wo Erholungssuchende heute auf sicheren Pfaden die Gegend erkunden, ging es im 17. Jahrhundert weniger gemütlich zu. Im deutschen Südwesten tobten kriegerische Auseinandersetzungen. Der Pfälzische Erbfolgekrieg, auch Orléan‘scher Krieg genannt, hinterließ von 1688 bis 1697 in der Kurpfalz und großen Teilen Südwestdeutschlands verbrannte Erde. Der Hintergrund: Es ging um das vermeintliche Erbe der Liselotte von der Pfalz, die mit Philippe d’ Orléans, dem Bruder des Sonnenkönigs, verheiratet war. Der französische König Ludwig XIV. erhob Anspruch auf pfälzisches Territorium, nachdem Kurfürst Karl II. gestorben war, ohne einen männlichen Erben zu hinterlassen. Liselotte, die Schwester des Kurfürsten, zeigte sich verzweifelt, gab es doch einen Ehevertrag, der solche Ansprüche ausschloss. Eine Allianz zwischen dem Kaiser und den meisten Reichsfürsten, den Niederlanden, Spanien und England formierte sich, um dem Sonnenkönig entgegenzutreten. Aber es gab keine einheitliche militärische Führung.

Die Städte Mannheim, Heidelberg, Speyer, Worms, Bretten oder Bruchsal und viele Dörfer wurden von französischen Truppen zerstört und niedergebrannt. Auch ins Nagoldtal drangen die Feinde vor und legten u. a. das Kloster Hirsau in Schutt und Asche. Die Bevölkerung litt Hunger, Seuchen verbreiteten sich, ganze Landstriche bluteten aus. 1693 übertrug Kaiser Leopold schließlich das Oberkommando an Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, aufgrund seiner Erfolge in den Türkenkriegen „Türkenlouis“ genannt. Er hatte die Idee, eine Verteidigungslinie zu errichten, die möglichst leicht und mit wenigen Soldaten auch gegen einen überlegenen Feind zu verteidigen war. Die Eppinger Linien entstanden insgesamt auf einer Länge von 86 Kilometern. Von Neckargemünd über Eppingen, Sternenfels nach Maulbronn und von hier aus weiter über Mühlacker bis Weissenstein bei Pforzheim.

Zur Verteidigungslinie gehörten ein etwa 40 Meter breiter Verhack aus übereinander geschichteten Ästen und Baumstämmen. Dahinter folgte ein zweieinhalb Meter tiefer Graben. Aus dem ausgehobenen Erdreich formte man einen Erdwall mit Palisaden aus Holz. Wachtürme, sogenannte Chartaquen, ermöglichten eine Überwachung des Terrains. Schutzlos waren aber diejenigen, die die Eppinger Linien bauten. In Fronarbeit entstand das Bollwerk durch Menschen, die vor der Verteidigungsanlage lebten. Die so genannten Schanzer waren den herannahenden französischen Soldaten ausgeliefert. Auch in ihrer Heimat war das Leben der Schanzer bedroht, sollten sie versuchen, sich den Frondiensten zu entziehen.

Ein Beitrag von Barbara Erbsen-Haim  in voller Länge in Schlösser 1|2019.

SERVICE

Teilstrecken des 40 Kilometer langen Wanderweges:
Eppingen – Ottilienberg: 6 Kilometer,
Ottilienberg – Sternenfels: 16 Kilometer
Sternenfels – Maulbronn: 10 Kilometer
Maulbronn – Mühlacker: 8 Kilometer

Informationen:
www.naturpark-stromberg-heuchelberg.de
Tel. 07046-88 48 15

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