- Anzeige -

DIE JAHRESZEITEN AUS STEIN

BRONNBACH. In Klöstern nahmen Gärten von jeher einen großen Stellenwert ein. Hier wurde nicht nur das Wissen um Nutz- und Heilpflanzen bewahrt und vermehrt, die Gärten dienten den Mönchen auch als Orte der Muße und Erbauung. So ist es auch vom Anfang des 16. Jahrhunderts aus dem ehemaligen Zisterzienserkloster Bronnbach überliefert. Dort entstand nach dem Dreißigjährigen Krieg in mehreren Bauphasen der Abteigarten als repräsentative barocke Gartenanlage. Nach den erfolgreich abgeschlossenen jüngsten Restaurierungsmaßnahmen konnten die charakteristischen Elemente dieses Gartenkunstwerks wieder in Stand gesetzt werden.

Angelegt wurde der Garten Mitte des 17. Jahrhunderts vor dem als Abteibau dienenden Westtrakt des Klosters. Aufgrund des zur Tauber hin abfallenden Geländes, wurde das querrechteckige Gartenareal auf ganzer Länge mit einer hohen Stützmauer versehen. Noch im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts wurde die Anlage erweitert und mit Balustraden umfriedet.

Eine Neukonzeption dürfte der Abt Joseph Hartmann (reg. 1699–1724) angeregt haben. Er ließ nicht nur eine Winterung für Orangeriegewächse errichten, sondern im Garten auch einen neuen mehrschaligen Brunnen und eine große Anzahl Gartenfiguren aufstellen, die heute zu den kostbarsten Ausstattungsstücken zählen. Sie stellen die Existenz eines gartenkünstlerischen Gesamtkonzepts unter Beweis, mit dem der Auftraggeber nicht zuletzt den Rang und das Selbstverständnis der Abtei zu erkennen gab. Nach dem Geschmack der Zeit wurden allerdings nur die Jahreszeiten mit den Gottheiten Flora (Frühling), Ceres (Sommer), Bacchus (Herbst) und Hibernus (Winter) interpretiert.

Bei den Allegorien der vier Erdteile, für die man sonst weibliche Figuren verwendete, wichen die Bildhauer von den bekannten Darstellungsmodi ab. Der als gering angesehene Zivilisationsgrad der Kontinente Amerika und Afrika wurde üblicherweise durch Nacktheit versinnbildlicht. In klösterlichem Umfeld wich man hier auf männliche Allegorien aus. Neben den die kosmologische Ordnung vergegenwärtigenden Jahreszeiten- und Erdteilallegorien, existierten wohl ursprünglich insgesamt acht Tugendallegorien.

Noch im 18. Jahrhundert vorgenommene Veränderungen, etwa die feine Stufung des Geländes, die verschiedene Spazierwege und immer neue Blickachsen ermöglicht, sowie die nachträglich eingefügten Brunnen bzw. Wasserbecken, wurden bei der Restaurierung ebenso berücksichtigt, wie jüngere Zeitschichten aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Die Bepflanzung des Abteigartens auf einen datierten Zustand festzulegen, war allein aufgrund der lückenhaften Quellenlage nie Gegenstand der Planungen.

Ein Beitrag von Verena Friedrich in voller Länge in Schlösser 3|2017.

SERVICE

Kloster Bronnbach ist bis 1. November montags bis samstags von 10 bis 17.30 Uhr geöffnet. Sonn- und feiertags von 11.30 bis 17.30 Uhr.

Sonderführungen zum Abteigarten und zum Klostergarten am 11. August und am 8. September um 17 Uhr. Um das Figurenprogramm im Bronnbacher Abteigarten geht es am 24. September um 14 Uhr.

Informationen und Anmeldung
Tel. 0 93 42. 9 35 20 20 01
www.kloster-bronnbach.de

- Anzeige -

Neu: jetzt mit Prämie

Mit den Geschenkabos Schlösser und Momente können Sie jetzt nicht nur anderen eine Freude bereiten, sondern sich auch selbst beschenken!

Titelbilder von Schlösser

Weitere Aboangebote