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Leseprobe Schlösser 1|2014
Die prunkvolle Boulle-Uhr steht in Schloss Mannheim
Die prunkvolle Boulle-Uhr steht in Schloss Mannheim (Foto: LMZ)

Eine Tischuhr aus Paris

MANNHEIM. Eines der kostbarsten Ausstattungsstücke des Mannheimer Barockschlosses ist auch im Rahmen der aktuellen Wittelsbacher-Ausstellung bis zum 2. März 2014 zu sehen: Die prunkvolle Boulle-Uhr, die bereits Teil der ersten Schlossausstattung war. In Auftrag gegeben wurde sie von Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz (1658-1716) für die Repräsentation an seinem Düsseldorfer Hof. Mit seinem Nachfolger und Bruder Carl Philipp, der seine Residenz nach Mannheimer verlegte, gelangte die Uhr 1731 in die Beletage des dort neu erbauten Schlosses.

Von Gabriele Kleiber

Die in Paris gefertigte Tischuhr hat mit einer Höhe von 140,5 Zentimetern, einer Breite von 61 und einer Tiefe von 32 Zentimetern beachtliche Ausmaße. Das mit Schildpatt- und Messingeinlagen reich geschmückte Gehäuse wurde vom Namensgeber dieser aufwändigen Technik, André Charles Boulle (1642-1732) hergestellt. Uhrwerk und Barometer des Stückes hat Jacques Thuret, (1669 – 1739) gefertigt, der aus einer Pariser Uhrmacherfamilie stammt. Selbstbewusst ziert seine Signatur auf einem blauen Emailschild „THURET A PARIS“ unterhalb der Uhr das Gehäuse.

Zwei seitlich lagernde vollplastische Bronzesphingen schmücken den Sockelbereich des Gehäuses in dem die halbkreisförmige Skala des Barometers sitzt. Darüber und vor dem Uhrkastenfuß ruht ein plastischer, geflügelter Chronos, die Versinnbildlichung des Ablaufs der Zeit. Er entstand nach der Figur des Ruhenden Chronos von François Girardon (1628-1715) und wurde vom Boulle, wie weitere Zierelemente auch, mehrfach verwendet. Auf dem obeliskenartigen Abschluss des Gehäuses, dessen Seitenfelder mit Kriegstrophäen und Medaillons geschmückt sind, thront ein gekrönter Doppeladler als Hinweis darauf, dass Johann Wilhelm beim Tode Kaiser Josephs I. 1711 Reichsvikar geworden war.

Bei den Medaillen handelt es sich nach Angaben von Matthias Ohm, Kurator des Münzkabinetts am Landesmuseum Württemberg, um eine Prägung des pfälzischen Kurfürsten. Die Umschrift nennt seinen Wahlspruch „Dominus virtutum nobiscum“ [Der Herr der Heerscharen ist mit uns], Psalm 46,8. Johann Wilhelm hat eine ganze Reihe von Medaillen mit dieser Inschrift und der Darstellung eines Schiffes auf See in Auftrag gegeben. Eine hundertprozentige Entsprechung zu diesem Stück gibt es nicht: Es finden sich stets kleinere Abweichungen bei der Gestaltung des Hecks und der Wellen. Die Vorderseite dieser Medaillen zeigen Johann Wilhelm im Brustbild; die Umschrift nennt seine Titel.

Der mit dem Kurhut geschmückte Wappenschild am Fuß des Aufsatzsockels, über dem das Goldene Vlies hängt, zeigt in seiner Mitte den Reichsapfel als Zeichen der alten Kurwürde. Erst 1708 hatte er diese, von Friedrich V. nach der Schlacht am Weißen Berg bei Prag 1621 an die bayerischen Verwandten verlorene Kurwürde, von Kaiser Joseph I. zurückerhalten. Die Uhr entstand in der Zeit von 1712 bis 1715. Im Jahr 1716 wurde die Form des kurfürstlichen Wappens verändert.

Dass die Boulle-Uhr an verschiedenen Standorten in den sogenannten Kaiserzimmern im Mannheimer Schloss präsentiert wurde, ist durch die erhaltenen Schlossinventare aus der Zeit von 1746 bis 1758 bekannt. Die Beschreibung lautet: „Eine Französische Tischuhr mit einem weiß emallyrten Ziefer-Blatt, auf welchem die Stunden Blau marquiret - und mit Verguldeten zwischen Strichen gezieret ist; die Einfaßung aber mit Schildkrott ausgelegt, und mit Metall verguldten Figuren und Rahmen geziert und eingefaßt.“

1803 gelangte mit dem Schloss die Uhr in den Besitz der späteren Großherzöge von Baden. Sie befand sich bis 1995 im Neuen Schloss Baden-Baden. Ende des 20. Jahrhunderts konnte sie, als der Markgraf Teile seines Kunstbesitzes zur Versteigerung brachte, vom Land Baden-Württemberg erworben werden und ist heute im Mannheimer Schlossmuseum Teil der Ausstattung des Großen Kabinetts.

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