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Leseprobe Schlösser 1|2015
Philipp Theodor Popele als Lakai des Salemer Abts
Philipp Theodor Popele als Lakai des Salemer Abts (Foto: SSG, Maria Finsterlin)

Eine Salemer Karriere

SALEM. Es hat sich ein Dokument erhalten, das erstmalig einen Eindruck vom Leben eines Angestellten des Klosters Salem vermittelt. Dabei handelt es sich um einen Bilderzyklus von Philipp Theodor Popele (1756 – 1843), der wichtige Stationen seines Werdegangs in Zeichnungen festgehalten hat. Die farbigen Grafiken schildern sein Leben von der Geburt bis zur Hochzeit. Jedes der Bilder wurde vom Künstler mit einem kurzen erläuternden Text versehen.

Von Sylvia Thieme

Laut Eintrag im Taufregister erblickt Philipp Theodor Popele am 11. November 1756 in Burghof bei Wallhausen am Bodensee das Licht der Welt. Seine Kindheit verbringt er in Stephansfeld. Als er sieben Jahre alt ist, zieht die Familie auf einen Gutshof des Klosters Salem nach Schwanfeld, weil sein Vater dort eine Stelle als Verwalter antritt. Von hier aus besucht der Junge zwischen 1763 und 1765 die Volksschule in Rickenbach, danach das Gymnasium in Salem. Am 12. Mai 1765 beginnt er hier als Prinzipist (Anfänger). Noch findet der Unterricht in deutscher Sprache statt. Für die nächste Stufe, den Grammatisten, sind dagegen Lateinkenntnisse vonnöten. Sein Onkel Johann Melchior Popele vermittelt seinen Neffen an den Pfarrer Franz Jakob Gseller, der ihm privat Lateinunterricht erteilt.

Als Popeles Onkel nach Weißenau versetzt wird, folgt er ihm und beginnt seine Ausbildung als Grammatist 1769 am Gymnasium der dortigen Prämonstratenser. Hier beginnt Popele bereits damit, sich künstlerisch zu betätigen. Zwei Jahre später zieht ihn das Heimweh aber wieder zurück nach Salem, wo er seine Gymnasialstudien fortsetzt und 1774 erfolgreich beendet.

Nach seinem Abschluss tritt er als Novize in die klösterliche Gemeinschaft in Salem ein. Nach den Regeln der Zisterzienser folgt darauf die Kandidatur, die den Bewerbern einen ersten Einblick in das Leben des Klosters gibt. In dieser Phase ist man noch nicht kirchenrechtlich an den Orden gebunden und kann das Kloster jederzeit wieder verlassen. Popele legt als Frater Matthias, früher als eigentlich gestattet, die einfachen Gelübde ab. Sein Lebensinhalt umfasst nun Armut, Keuschheit, Gehorsam und Stabilitas Loci (Ortgebundenheit). Zudem nimmt er nun am klösterlichen Leben teil, indem er neben dem Chorgebet und dem Choralgesang die Ordensgeschichte studiert.

Nach Ablauf eines Jahres muss er 1775 krankheitsbedingt vom Noviziat zurücktreten und das Kloster verlassen. Aber im Jahr darauf bewirbt er sich um eine Stelle als weltlicher Angestellter des Reichsstifts. Abt Anselm II. gibt seine Zustimmung, da Popele als Absolvent der Klosterschule die nötigen Voraussetzungen mitbringt. Er beginnt seine kaufmännische Ausbildung zunächst als einfacher Schreiber. In den folgenden Jahren durchläuft er erfolgreich alle Instanzen der Klosterverwaltung bis zum Obmann des kleinen Zunftrates. Zunächst als Kanzlist und bereits 1778 als Lakai, der hinter der Kutsche des Prälaten her reitet.

Als der persönliche Schreiber des Abtes ausfällt, tritt Popele die Stelle als Sekretär an. Nach dem Tod des Kirchenmanns kann er seine Laufbahn unter dem Nachfolger weiterführen, ebenfalls als Lakai. Ein Jahr später, 1779, fängt er im Rentamt, das für die Finanzen des Klosters zuständig ist, als Bursamtsgehilfe an. Darauf folgt 1783 die Ernennung zum Bursamtsschreiber. Bis er 1785 sogar zum Obmann des kleinen Zunftrates, einer Verwaltungskommission, wird. Im Jahr darauf heiratet er am 3. Mai Agatha Kerner in Stephansfeld. Aus dieser Ehe gehen elf Kinder hervor, von denen er einige ebenfalls in seinen Zeichnungen festhält.

Nach seiner Heirat scheint es aber keine weiteren Ereignisse zu geben, die er für wichtig genug erachtet, um sie künstlerisch aufzugreifen. Als das Kloster 1802 aufgehoben wird, wird Philipp Theodor Popele in den Dienst der Markgrafen von Baden übernommen. 1830 stirbt er in Stephansfeld.

Was für uns bis heute interessant ist: Popele nahm die Umgebung von Salem als Vorlage für seine Bilder. Die in den Zeichnungen dargestellte landschaftliche Szenerie ist deshalb eine interessante Dokumentation des Linzgaus zur damaligen Zeit. Aufschlussreich ist auch die Wiedergabe des Brauchtums in Bezug auf Mode und Uniformen der vergangenen Epoche.

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