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Leseprobe Schlösser 1|2016
Schlafzimmer von König Friedrich I. von Württemberg in Schloss Ludwigsburg
So präsentiert sich das Schlafzimmer des Königs erst 2019 wieder, wenn alle Möbel restauriert sein werden (Foto: SSG)

Eine Illusion aus Seide

LUDWIGSBURG. Wo gut 200 Jahre lang das ausladende Bett von König Friedrich I. von Württemberg stand, klafft derzeit eine Lücke. Der seidene Baldachin schwebt, seiner Bezüge zur Einrichtung beraubt, verloren im Alkoven, der Bettnische. Aber bis Anfang 2019 wird im Appartement des Königs im Neuen Hauptbau des Schlosses Ludwigsburg wieder alles am ursprünglichen Ort stehen. Bis dahin legen Restauratoren Hand an.

Von Barbara Erbsen-Haim

Patricia Peschel, die zuständige Konservatorin der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (SSG), hat in den vergangenen Jahren die Inventare aus der Zeit des ersten württembergischen Königs gründlich studiert. „Heute zeigen sich die Räume nicht mehr vollständig in der originalen Einrichtung bzw. Ausstattung. Denn nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Zerstörung des Neuen Schlosses in Stuttgart wurden viele Stücke ins Ludwigsburger Schloss gebracht und integriert.“ Die promovierte Kunsthistorikerin stellte daher Recherchen an, wie die Räume im frühen 19. Jahrhundert aussahen. Sie konnte anhand der genauen Beschreibungen in den überlieferten Verzeichnissen die entscheidenden Ausstattungsstücke identifizieren und freut sich, „dass sich ein Großteil erhalten hat“. Immerhin insgesamt 12.000 Objekte. - Ein Glücksfall.

Friedrich nutzte das einstige Residenzschloss der württembergischen Herzöge mit seiner Gemahlin als Sommerschloss: Den Neuen Hauptbau lässt er schon als Kurfürst, aber vor allem nach seiner Rangerhöhung zum König (1806) im klassizistischen Stil von Hofbaumeister Friedrich Nikolaus von Thouret umgestalten. Zu den besonderen Räumen zählt dabei das 75 Quadratmeter große Schlafgemach, das als Zeltzimmer konzipiert wird. Die Wanddekoration aus der Zeit Herzog Eberhard Ludwigs, des Erbauers des Schlosses, verschwindet unter Bahnen aus Seide. Zusammen mit den Stoffdraperien des Betthimmels und des Bogens der Bettnische werden 450 Quadratmeter eines schweren Seidenstoffs verarbeitet – eine Illusion aus Seide.

Das aufwendige Konservierungskonzept steht. So wird nach Aussagen von Peschel „die Draperie hinterfüttert, d. h. mit einem neuen Material unterlegt, das dann das beträchtliche Gewicht des alten Stoffes trägt.“ Damit der brüchige Vorhang aus der Königszeit keinen weiteren Schaden nimmt, wird er vor Ort restauriert. Nach derzeitigem Stand handelt sich um das einzige im Original erhaltene Zeltzimmer. Noch dazu im ganz selten überlieferten frühen Empirestil. „Dass wir es konservieren und für nachfolgende Generationen erhalten können, ist großartig“, so SSG-Geschäftsführer Michael Hörrmann. Vergleichbares gäbe es, „allerdings nur als Rekonstruktion“, in St. Petersburg. 

Zurück zur Geschichte der klassizistischen Räume: König Friedrich, der Württemberg von 1797 bis 1816 regierte, hatte von seinem Hofbaumeister Thouret zunächst die südliche Raumfolge aus Vorzimmer, Audienz- und, Konferenzzimmer, Schlafgemach, Registraturzimmer und Schreibkabinett im Zeitgeschmack umgestalten lassen. Später folgten die Bibliothek, das Toilettenzimmer, das Neue Schreibzimmer, das Vor- und Fahnenzimmer. Auffällig ist die Zahl der Arbeitsräume: der Regent konnte auch in seiner Sommerresidenz die Regierungsgeschäfte nicht ruhen lassen. Hofbeamte gehörten zu seinem Gefolge. Er traf sich beispielsweise in seinem Schreibkabinett mit Ministern und Vertrauten und erledigte dort seine Korrespondenz. Da der Raum ebenerdig liegt, konnte er sich zur Erholung zu einem Spaziergang in seinen Privatgarten zurückziehen.

Wertvolle Möbel ließ der Monarch anfertigen, vor allem von Johannes Klinkerfuß. Der Hofschreiner schuf beispielsweise die Bibliothek aus edlem Mahagoni. Die Vorlage lieferte ein Entwurf des Baumeisters Thouret. Peschel: „Es ist der einzige vollständig im klassizistischen Stil erneuerte Raum im Schloss.“ In allen Zimmern hingen im 19. Jahrhundert mehr Gemälde als heute. Im Alten Schreibkabinett gab es laut Inventar etwa 50 Porträts, Landschaftsbilder und Stillleben. Auch im Neuen Schreibzimmer hingen gut 50 Gemälde, die zum Teil aus der Sammlung Gotter stammten, von Herzog Carl Alexander bereits 1736 angekauft. Zu den Neuerwerbungen Friedrich gehörte ein Porträt des russischen Kaisers Alexander I.

Im Rahmen der laufenden Restaurierung der einst königlichen Wohnräume im Neuen Hauptbau, Friedrich und seine Gemahlin Charlotte nutzten zwei Appartements mit 35 Zimmern privat, werden 2000 Kunstobjekte – Möbel, Gemälde, Kunsthandwerk und Porzellane – konservatorisch betreut und restauriert. Zwei Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung.

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