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Leseprobe Schlösser 1|2018
Vermutlich nie benutzt: transportable Teemaschine aus dem 18. Jahrhundert Foto: SSG)
Vermutlich nie benutzt: transportable Teemaschine aus dem 18. Jahrhundert Foto: SSG)

Eine barocke Teemaschine

RASTATT-FÖRCH. Im Schloss Favorite wird in den Schauräumen der Porzellansammlung eine Teemaschine präsentiert. Ein außerordentliches Zeugnis der europäischen China-Mode und des aufkommenden Teekonsums im frühen 18. Jahrhundert.

Von Christian Katschmanowski

Die Maschine besteht im Kern aus einem grün lackierten Blechkasten auf vier Beinen mit einem seitlichen Ausgussrohr und eckigem Tragehenkel. Der Kasten ist 33,5 Zentimeter hoch, 28,5 Zentimeter breit und 13 Zentimeter tief. Auf der Oberseite befinden sich leicht erhöht abgesetzt zwei Rundöffnungen, die von zweifach gestuften hochgewölbten Deckeln mit gedrechseltem Spitzknauf bedeckt werden. An den beiden Längsseiten weist der Kasten zwei von Rankenwerk durchbrochene Gitteröffnungen auf, von denen eine aufgemacht werden kann.

Während die Beine, der Ausguss und teilweise die Kanten vergoldet sind, sind die Deckel, der Henkel und der Kasten mit grüner Lackfarbe bemalt. Alle vier Seiten des Kastens sind zudem durch einen umlaufenden schwarzen Felsboden zu einem gemeinsamen Bildraum verbunden. Auf der Vorderseite beleben zwei Personen die Bildfläche, eine von ihnen hält eine ausgerollte Schriftrolle, die andere eine Standarte. Die Schmalseite hingegen zeigt eine sitzende Person an einem niedrigen Tisch vor einem schwarzen Paravent. Diese scheint eine Teeschale in der Hand zu halten, was auf den Gebrauchszweck des Objekts hinweist.

Der Gebrauch der Teemaschine war simpel. Die obere Öffnung auf der Seite des Ausgusshahns führt zu einem zylinderförmigen Raum mit einem unten abschließenden Metallgitternetz. In diesen wurde die glühende Kohle geschüttet. Die Asche fiel anschließend durch das Gitter und konnte durch das Öffnen der seitlichen Klappe entnommen werden. In die zweite obere Öffnung wurde das Wasser gefüllt, das durch die Hitze erwärmt wurde und durch ein Rohr unterhalb des Ascheauffangbehälters zum Ausgusshahn lief. Die Teemaschine war somit im Grunde ein transportabler Wasserkocher.

Tatsächlich genutzt wurde die Maschine aber wohl nicht. Vielmehr galt sie auch im 18. Jahrhundert bereits als kurioses Sammlungsobjekt. Laut dem Inventar von 1762 stand sie in einem Schaukasten im Glaskabinett zusammen mit weiteren kostbaren Flaschen, Gläsern und Figuren. Die Teemaschine reiht sich damit in die große Sammlung von asiatischen Porzellangefäßen und Figuren ein, welche die Bauherrin des Schlosses, Markgräfin Sybilla Augusta von Baden-Baden (1675–1733), im Laufe ihres Lebens erworben hatte.

Ursprünglich gehen Teemaschinen auf Vorbilder aus Japan zurück, wo sie zu Picknicksets der gehobenen Gesellschaft gehörten, die im Freien aufwendige Teezeremonien zelebrierte. Das Exponat aus dem Schloss Favorite wurde aber nicht in Japan, sondern in Europa, vermutlich in Süddeutschland, hergestellt. Deutlich wird dies vor allem mit Blick auf die pseudo-asiatischen Schriftzeichen an der Schmalseite.

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