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Leseprobe Schlösser 1|2019
Patricia Peschel zeigt ein Nähtischchen aus dem Besitz von Königin Charlotte Mathilde (Foto: STAZ, Barbara Erbsen-Haim)
Patricia Peschel zeigt ein Nähtischchen aus dem Besitz von Königin Charlotte Mathilde (Foto: STAZ, Barbara Erbsen-Haim)

Kaiserliches für die Königin

LUDWIGSBURG. Die Königswohnungen im Neuen Hauptbau des Residenzschlosses Ludwigsburg werden derzeit saniert und erforscht. Dabei kommt in Vergessenheit geratenes Wissen ans Licht: Zur derzeitigen Ausstattung gehören Spitzenstücke europaweit renommierter Kunsthandwerker. Ihren Platz hatten sie ursprünglich im Neuen Schloss in Stuttgart.

Von Barbara Erbsen-Haim

„Ein Puzzleteil fügt sich ins andere“, freut sich Patricia Peschel. Die promovierte Kunsthistorikerin und Konservatorin beschäftigt sich seit 2012 mit den Wohnungen des Königs und der Königin im Residenzschloss Ludwigsburg. Bis zum März 2020 werden sich die beiden Appartements wieder so präsentieren wie sie zu Zeiten von Friedrich I. von Württemberg (1754 – 1816) und seiner Gemahlin Charlotte Mathilde (1766 – 1828) ausgesehen haben. Überlieferte Inventare machen es möglich.

Über einzelne Ausstattungsstücke, die ursprünglich im Stuttgarter Neuen Schloss standen, gibt es aufsehenerregende Erkenntnisse. Im Besitz der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg befinden sich Möbel, Gemälde und andere Einrichtungsgegenstände, die aus führenden Werkstätten europäischer Kunsthandwerker stammen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelangten die Stücke nach Ludwigsburg, um die Räume des Schlosses zu möblieren. Schön, aber nicht authentisch. Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg zählen 1.904 Objekte, die einst in die Königsresidenz gehörten. Nach der Neupräsentation der Appartements in Ludwigsburg wandern die Kostbarkeiten ins Depot, den Blicken der Besucherinnen und Besucher sowie der Fachwelt entzogen. Peschel: „Die komplette Einrichtung im Assembléezimmer der Königin stammt aus dem Neuen Schloss. Bis auf Leuchter und Gemälde schaffen wir alles ins Magazin“.

Eigentlich sollten die Königswohnungen in Ludwigsburg bereits bis 2016, dem 200. Todesjahr des Regenten, neu präsentiert werden. Eingerichtet nach den Vorlieben des Regentenpaars, das hier seine Sommerresidenz genommen hatte. Aber die Recherchen und Aufgaben für Restauratoren gestalteten sich aufwendiger als gedacht. „Bisher wurden die Ausstattungen des Neuen Schlosses und von Schloss Ludwigsburg nur bruchstückhaft untersucht und bewertet. Jetzt gibt es erstmals grundlegende Forschungen“, so Patricia Peschel. Vernetzungen mit international tätigen Kollegen der Royal Collection in London, den Sammlungen in Pawlowsk (St. Petersburg), dem Louvre in Paris und dem Metropolitan Museum of Art New York brachten neue Einsichten. In den russischen Zarenschlössern, den Palästen aus der Zeit des französischen Kaisers Napoleon oder des britischen Königshauses gibt es Vergleichsstücke zu den derzeitigen Exponaten in Ludwigsburg.

Ein Name taucht immer wieder auf: Königin Katharina von Württemberg. „Die Zarentochter ließ eine Vielzahl von Objekten aus dem russischen Zarenpalast nach Stuttgart transportieren. Diese finden sich fein säuberlich in überlieferten Transportlisten notiert. Beispielsweise repräsentative Uhren aus dem Empfangssaal. Wir wissen, an welcher Stelle sie in St. Petersburg standen und wo sie im Neuen Schloss in Stuttgart Platz fanden“, betont Patricia Peschel. Ein Tafelaufsatz aus vergoldeter Bronze, um 1810 hergestellt von Pierre-Philippe Thomire, der für den europäischen Hochadel arbeitete, gelangte ebenfalls über Katharina nach Stuttgart. So wie diverse Leuchter, die die Zarentochter einst in ihrem Schlafzimmer im Neuen Schloss hatte aufstellen lassen.

Künftig im Sommerarbeitszimmer der Königin zu sehen sein wird ein Nähtischchen von 1780, das auch als Schreibtisch zu benutzen ist. Es ist aus Thuja-Holz, grünes Saffianleder dient als Schreibunterlage, die Beine des filigranen Möbels sind aus vergoldeter Bronze. Das extrem aufwendig gearbeitete Stück galt bislang als Arbeit eines unbekannten Ebenisten. Jetzt ist klar, dass es von Adam Weisweiler (1746 – 1820) stammt, einem der bedeutendsten Kunsttischler des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Das Nähtischchen wurde im Privatinventar von Charlotte Mathilde geführt. Es stammte entweder aus ihrem Jungmädchenzimmer in Windsor Castle oder gelangte als Geschenk ihrer Familie nach Württemberg.

Von den rund 2000 Objekten, die für die Neupräsentation der Königswohnungen bewegt und bewertet werden, bleiben nur etwa 1000 Exponate in den Königlichen Appartements in Schloss Ludwigsburg. Bis 2020 wird die einstige Residenz eine der wenigen unzerstörten Schlossanlagen in Europa mit einer authentischen Ausstattung sein. Bis dahin sind Investitionen in Höhe von rund 5,5 Millionen Euro notwendig.

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