− Anzeige −
− Anzeige −
Leseprobe Schlösser 2|2014
Prachtstück im Goldenen Saal des Schlosses Urach: Das Prunkbett aus der Renaissancezeit
Prachtstück im Goldenen Saal des Schlosses Urach: Das Prunkbett aus der Renaissancezeit

Herzog Ludwigs Prunkbett

URACH. Im Goldenen Saal des Uracher Schlosses steht eines der letzten Zeugnisse der Zeit Herzog Ludwigs, der zwischen 1568 bis 1593 von Stuttgart aus über Württemberg regiert hatte. Es handelt sich dabei um ein Bett mit hölzernem Himmel, einer hohen Rückwand sowie seitlich ausladenden Flügelbrettern. Über ein Wappen im Zentrum der Rückwand lässt sich das Möbel zweifelsfrei mit dem Herzog in Verbindung bringen.

Von Alma-Mara Brandenburg

Muss man heute diese Einlegearbeit genau betrachten, um die heraldischen Symbole zu erkennen, war dieser Bereich ursprünglich mit reichen Farben gestaltet und so vermutlich leichter entschlüsselbar gewesen. Der Kunstschreiner hatte dafür die Technik der Intarsie gewählt: Ein Verfahren, bei dem kleinste Holzteile zugeschnitten, mit Naturfarben gefärbt und neu zusammengesetzt wurden. Die Farben sind - wie bei vielen Möbeln dieser Zeit - verblasst. Einzig die grüne Färbung der Blätter und des Rollwerks, die die Wappen umgeben, hat sich erhalten, da sie durch eine Behandlung des Holzes mit dem lichtbeständigen Chlorociboria-Pilz erzeugt wurde. Der uns heute leider nicht mehr namentlich bekannte Schreiner hatte so das Wappen Herzog Ludwigs mit den Hirschstangen, dem gerauteten Wappen der Herzöge von Teck, der Reichssturmfahne und den Barben geformt und ihm als Herzschild das Wappen Ursula von Pfalz-Veldenz-Lützelsteins – Ludwigs zweiter Frau – aufgelegt. Auch wenn keine schriftlichen Nachweise mehr existieren, kann bei dieser heraldischen Zusammenführung davon ausgegangen werden, dass das Bett zur herrschaftlichen Hochzeit am 10. Mai 1585 angefertigt wurde.

Die insgesamt sehr prunkvolle Ausarbeitung des Möbels, bei der unter anderem elf verschiedene Hölzer mit mannigfaltiger Färbung und Maserung in Ein-und Auflegearbeiten Verwendung fanden, lässt vermuten, dass das Himmelbett als Rahmen für das Beilager gedient hatte. Durch diese symbolische Teilzeremonie der Eheschließung, bei der sich Braut und Bräutigam vor Zeugen nebeneinander auf ein gemeinsames Bett legten, wurde die Ehe auch im zivilrechtlichen Sinne besiegelt.

Neben der historischen Komponente fasziniert das Möbel aber auch durch seine innovative Motivwahl. Als das Uracher Bett gebaut wurde, waren architektonische Elemente seit etwa 40 Jahren an Möbelfronten – besonders an Truhen und Schränken – vertreten. So zeigt auch das Uracher Stück die Nachahmung einer Gebäudefassade an Kopf und Fußwand: Pilaster gliedern die Wände, Rustikabögen umschließen an der Kopfwand das Wappen, an der Fußwand ein Blumenmotiv und ein Triglyphenfries schließt die Kopfwand nach oben ab. Auf ihm wurde zudem ein Segenswunsch angebracht: „Omnia Dat Dominus Non Habet Ergo Minus“ („Alles hat der Herr und hat deshalb nicht weniger“). 

Besonders nachdrücklich wird der Eindruck einer Fassade durch die Nachahmung von Mauersteinen. Sie umgeben jeweils die Rustikabögen und wurden durch die Technik der Brandschattierung erzeugt: Dafür tauchte der Schreiner kleine Holzpartikel in heißen Sand, um durch das Ansengen der Ränder den Eindruck von Mauerfugen zu erzeugen.

Neu war jedoch zu dieser Zeit die Verwendung von Hermenpilastern und Henkelkonsolen. Diese aus dem plastischen Bauschmuck der Großarchitektur entnommenen Elemente können erst fünfzehn Jahre später, ab der Wende zum 17. Jahrhundert zum gängigen Formenrepertoire der Schreiner gezählt werden. Dann nämlich lassen sich die sich nach unten verjüngenden Pilaster sowie die bänderartigen Konsolen des Uracher Bettes in graphischen Vorlagen – den sogenannten Schreinerbüchern - wiederfinden, die ab etwa 1600 von Schreinermeistern zusammengestellt und in Köln gedruckt wurden. 

− Anzeige −

Schlösser-Newsletter

Informieren Sie sich auch zwischen den Ausgaben über Interessantes aus der Schlösser-Welt des Landes. Mit dem Schlösser-Newsletter.

Gleich anmelden

Soziale Medien

Hashtag AgenturBW

Folgen Sie uns unter dem Hashtag #SchlösserBW bei Facebook und Twitter.

Titelbilder von Schlösser

Weitere Aboangebote

− Anzeige −