Leseprobe Schlösser 2|2018
Im Brunnenhaus konnten sich die Maulbronner Mönche vor jeder Mahlzeit die Hände waschen (Foto: SSG, Dirk Altenkirch)

Im Kloster aufgetischt

MAULBRONN. „Von Tisch und Tafel“, so lautet das Themenjahr der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Ein Aspekt ist die klösterliche Kost im Mittelalter. Was kam bei den Mönchen auf den Tisch? „Das Kloster soll, wenn möglich, so angelegt werden, dass sich alles Notwendige, nämlich Wasser, Mühle und Garten, innerhalb des Klosters befindet...." Diese Regel des heiligen Benedikt war im UNESCO-Welterbe Maulbronn erfüllt.

Von Elena Hahn

Alles, was zum Leben nötig war, musste soweit wie möglich vom Kloster selbst hergestellt werden: neben Kleidung und Gebrauchsgegenständen auch alle Nahrungsmittel. Deswegen betrieben die Klöster im Mittelalter eine vielfältige Landwirtschaft und prägten damit auch die Landschaft nachhaltig. Außerhalb der Klöster errichteten die Mönche zusätzliche Landwirtschaftsbetriebe. Dort arbeiteten die Laienbrüder, beispielsweise im Getreideanbau oder züchteten verschiedene Nutztiere. Die Zisterzienser bauten Gehöfte zu richtiggehenden Großbetrieben, den sogenannten Grangien, aus. Rund um das Kloster Maulbronn ist diese Kulturlandschaft mit der ehemaligen Grangie Elfinger Hof, den Weinbergen und Fischteichen noch besonders gut erhalten. Auch die Klosteranlage von Maulbronn zeigt, dass eine Vielzahl an Einrichtungen nötig war, um ein ganzes Kloster mit Essen zu versorgen: hier gab es eine Mühle und Bäckerei und im imposanten Fruchtkasten waren einst unter anderem eine Kelter und der Weinkeller sowie Getreidespeicher untergebracht.

Doch ganz abgesehen von solchen praktischen Erfordernissen schrieben die Klöster dem Essen eine hohe spirituelle Bedeutung zu. Dies ist an der Gestaltung der Speisesäle (Refektorien) sehr gut ablesbar. Prominentes Beispiel dafür ist das Herrenrefektorium in Maulbronn, das mit seiner Größe und aufwendigen Architektur an den Festsaal eines Adelspalastes erinnert. Hier speisten die Mönche zusammen wie die Jünger beim Letzten Abendmahl. Vor jeder Mahlzeit war eine rituelle Reinigung der Hände notwendig. Daher war auch meist das Brunnenhaus, wo es fließendes Wasser gab, gegenüber dem Refektorium angeordnet. Von dort aus zogen die Mönche in den Speisesaal ein und begannen nach einem gemeinsamen Gebet ihre Mahlzeit.

Das Essen sollte wie alle Tätigkeiten der Mönche in Konzentration auf Gott stattfinden. Gegessen wurde nur, um seinen Hunger zu stillen. Zudem empfahl der hl. Augustinus: „… denn nicht bloß mit dem Munde sollt ihr Nahrung zu euch nehmen, sondern auch eure Ohren sollen hungrig sein nach dem Worte Gottes.“ Daher trug ein Vorleser während der Mahlzeiten religiöse Texte vor; die übrigen Mönche durften dabei nicht sprechen. Um sich trotzdem verständigen zu können, entwickelten die Mönche eine Zeichensprache.

Doch was wurde in den Refektorien kredenzt? Das wichtigste Grundnahrungsmittel war das Brot, außerdem verzehrte man hauptsächlich Fisch, Hülsenfrüchte und Kohl. Die Auswahl an anderen Gemüsesorten war generell von der Jahreszeit abhängig, doch man nutzte bereits verschiedene Techniken zur Haltbarmachung wie Dörren, Einsalzen oder Einlegen. Die großen Lagerkeller (Cellarien) in Maulbronn und Alpirsbach geben durch ihre Dimensionen noch einen Eindruck von den Mengen an Vorräten, die hier einst gelagert wurden.

Getrunken wurde meist Wein – nach der Benediktsregel stand jedem Mönch täglich ein Viertelliter zu. Durch den Alkoholgehalt machte er Keime im Wasser unschädlich, mit dem man ihn verdünnte. In Maulbronn hatte man die Reben vor der Haustür. In Klöstern, die keine eigenen Weinberge besaßen, braute man Bier und kaufte den benötigten Wein von außerhalb zu.

Da jeder Bestandteil des Lebens im Kloster eine spirituelle Bedeutung hatte, waren auch die Uhrzeiten für das Essen in den liturgischen Tagesablauf eingegliedert. Gegessen wurde mittags und abends, ein Frühstück gab es nicht.

Bei den Zisterziensermönchen wie etwa in Maulbronn gab es im Winter nur eine Mahlzeit am Tag, die mittags stattfand bzw. an Fasttagen abends. Gefastet wurde aber nicht nur in den 40 Tagen vor Ostern, sondern auch im September, in der Adventszeit und vor bestimmten Feiertagen. Für die Zisterzienser, die die Regel des hl. Benedikt besonders streng auslegten, betraf das etwa ein Drittel des Jahres. In dieser Zeit durften sie auch keine Milch, Eier oder Käse zu sich nehmen.

Im strengen Regelverständnis der Zisterzienser war den Mönchen das Fleisch von vierfüßigen Tieren verboten, nur Kranke und die körperlich arbeitenden Laienbrüder durften es zur Kräftigung bekommen. Solche Verbote bilden natürlich nur das angestrebte Ideal ab. Man kann davon ausgehen, dass sie in der Realität nicht immer befolgt wurden. Vielleicht findet gerade deswegen die Legende solchen Anklang, dass in Maulbronn findige Mönche dieses asketischen Ordens die Maultasche erdachten, um in der Fastenzeit ein gutes Stück Fleisch vor dem lieben Gott in einem Teigmantel zu verstecken. Die Geburtsstunde des „Herrgottsb'scheißerle“? Was wir sicher wissen, ist jedenfalls, dass 1439 in Maulbronn unter den Mönchen ein Streit um den Fleischverzehr ausbrach. Er endete damit, dass der Abt im Sinne von Frieden und Gesundheit der Mönche entscheiden sollte, ob sie künftig Fleisch essen durften oder nicht.

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