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Leseprobe Schlösser 3|2013
Der siebenjährige Wolfgang Amadeus Mozart im Festgewand. Das Gemälde von Pietro Antonio Lorenzoni entstand 1763
Der siebenjährige Wolfgang Amadeus Mozart im Festgewand. Das Gemälde von Pietro Antonio Lorenzoni entstand 1763 (Foto: Internationale Stiftung Mozarteum, Salzburg)

Mozarts Wunderkindreise

SCHWETZINGEN. „Schnurgerad nach Schwetzingen“: Dies vermerkte Leopold Mozart bei seiner Ankunft in der Kurpfalz auf der großen Wunderkindreise. Sie begann für die gesamte Familie am 9. Juni 1763 in Salzburg und führte sie drei Jahre lang zu den damaligen Metropolen und Adelshöfen Europas. Am 18. Juli 1763 spielten Wolfgang Amadeus und seine Schwester vor dem kurpfälzischen Hof in Schloss Schwetzingen.

Von Ralf Richard Wagner

Die Reisebeschreibungen, die Leopold Mozart vor 250 Jahren in Briefen an seinen Freund Lorenz Hagenauer in Salzburg weitergab, sind auch heute noch lesenswert. Der katholische Familienvater schrieb witzige Bonmonts über „Entzweining, einem ganz lutherischen miserablen ort“, gemeint war Vaihingen/Enz, oder über die kurpfälzische Sommerresidenz „Schwetzingen ist ausser der Menge der Hofleute meist Calvinisch. Es ist nur ein Dorf, hat drei Kirchen, eine catholische, lutherische und calvinische: und so ist es durch die ganze Pfalz“.

Während der Fahrt vermerkte er aber auch lohnende Denkmale: „Die Residenz in Bruchsal ist sehenswürdig. Die Zimmer sind vom allerbestem Geschmack; nicht viele Zimmer, aber so edel, unbeschreiblich reizend und kostbar, dass man nichts Angenehmeres sehen kann“. 

Dass schon vier Tage nach ihrer Ankunft am 18. Juli 1763 der siebenjährige Wolferl und seine Schwester Nannerl vor dem kurfürstlichen Hof in einer „Accademie“ auftreten durften, hing vermutlich mit den wichtigen Empfehlungsschreiben an den kurpfälzischen Hof zusammen. Darunter ein eigenhändiges Schreiben des Herzogs Clemens Franz von Bayern an seine Schwägerin Kurfürstin Elisabeth Auguste.

Stolz über den erfolgreichen Auftritt berichtet Leopold: „Gestern ward eigens Accademie wegen uns anbefohlen. Dies ist erst die zweite Accademie die seit dem Mai hier ist gehalten worden. Sie dauerte von 5 Uhr abends bis nachts 9 Uhr. (…) Meine Kinder haben ganz Schwetzingen in Bewegung gesetzet: und die Churf. Herrschaften hatten ein unbeschreiblich Vergnügen, und alles geriet in Verwunderung“.

Die Kinder traten dabei im sogenannten „salle de jeu“, dem Spielsaal auf, der anlässlich des 250. Geburtstages von Wolfgang Amadeus Mozart 2006 in Mozartsaal umbenannt wurde. Eine „Accademie“ war eigentlich ein Spieleabend für die elitäre Hofgesellschaft zu dem die Mozartkinder „background-music“ spielten. Dies aber so virtuos, dass der musikverwöhnte kurpfälzische Hof in Verwunderung geriet – was schon etwas heißen wollte.

Die Kinder traten in wertvollen Kleidern auf, die ihnen Kaiserin Maria Theresia kurz zuvor geschenkt hatte und die noch heute auf den berühmten Kinderportraits von Pietro Antonio zu sehen sind. Bei anderen Gelegenheiten hatte Leopold Mozart durch Lokalzeitungen die Fähigkeiten seines Wunderkindes Wolfgang ankündigen lassen. „Der Knabe wird (…) die Tastatur mit einem Tuch verdecken und auf dem Tuch so gut spielen, als ob er die Klaviatur vor Augen hätte. Er wird ferner in der Entfernung alle Töne, die man einzeln oder in Akkorden auf dem Klavier oder auf allen nur erdenklichen Instrumenten, Glocken, Gläsern usw. anzugeben im Stande ist, genauestens benennen“. Diese Kunststücke ließen besonders den musikbegeisterten Kurfürsten Carl Theodor aufhorchen, der selber ein hochkarätiges, 60-köpfiges Musikensemble unterhielt. Dieses wurde nicht nur von Leopold Mozart als „das beste Orchester in Teutschland“ gerühmt, sondern auch vom englischen Musikkritiker Burney als „mit Recht durch ganz Europa so berühmt“ geadelt. 

Nannerl, die eigentlich Maria Anna hieß und am 30. Juli 1763 in Schwetzingen ihren 12. Geburtstag feierte, verfasste noch Reisenotizen in eigentümlicher Orthographie. Die Mozarts nahmen die kurpfälzischen Städte Mannheim und Heidelberg in Augenschein, worüber Leopold Folgendes schrieb: „Die Stadt Mannheim ist wegen ihrer Regularität ungemein schön; aber, da alle Häuser nur ein Stock hoch sind; so scheinte es eine Stadt en Miniatur zu seyn.“ Heidelberg bescheinigte er hingegen eine große Ähnlichkeit mit Salzburg. Nannerl fügte an Sehenswertem noch an: „Heidelberg das schloß, die tapetenfabrick und seidenfabrick, das grosse fass, und der brunn, wo die herrschaft das wasser holen last“. Die Reisenotizen und die Briefe der Familie Mozart ergänzen sich zu einem kulturhistorisch einmaligen Blick auf die Kunstdenkmäler und Musikszene der Kurpfalz  vor 250 Jahren.

An die damalige Ankunft der Familie Mozart in Schwetzingen im Rahmen der historischen Wunderkindreise wird vor Ort mit einem bunten Festprogramm erinnert. So wird am 18. Juli die kurfürstliche Akademie im Mozartsaal des Schlosses nachgestellt. Diese und viele andere Veranstaltungen sind Teil des umfangreichen Programms der Deutschen Mozartgesellschaft zum Jubiläum der großen Westeuropatournee der Familie Mozart.

www.mozartgesellschaft.de

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