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Leseprobe Schlösser 3|2014
Die Klosterruine Allerheiligen
Die Klosterruine Allerheiligen

Ein Ort, der verzaubert

OPPENAU. Ein idyllisches Ausflugsziel im Schwarzwald ist die auf der Gemarkung von Oppenau gelegene Klosterruine Allerheiligen. Im ruhigen Lierbachtal, einem Seitental des Renchtals, wandert der Besucher entlang wildromantischer Wasserfälle bergauf zum ehemaligen Prämonstratenser-Chorherrenstift Allerheiligen. Wenige Häuser wie der bei durstigen Wanderern beliebte Gasthof „Klosterhof Allerheiligen“ umgeben heute die malerischen Mauer- und Gewölbereste aus Schwarzwälder Buntsandstein.

Von Petra Pechacek

Obwohl ein Großteil der um 1195 gegründeten Klosteranlage nach der Säkularisation 1803 abgetragen wurde, lassen sich noch zahlreiche architektonische Höhepunkte entdecken. Im Westen erhebt sich die spätromanische Fassade der Klosterkirche. Das dreischiffige Langhaus zeigt Merkmale der Spätgotik, während sich der viereckig angelegte Chor mit seinen frühgotischen Bauformen bereits in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datieren lässt. Gewölberippen und Kapitelle weisen eine große Ähnlichkeit zu Architekturelementen der Kirchenvorhalle („Paradies“) und des südlichen Kreuzganges im UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Maulbronn auf; sie zählen zu den ältesten bekannten auf deutschem Boden. 

Der Zutritt zur Klosteranlage ist frei, über ihre Gründung durch Uta von Schauenburg, die Witwe Herzog Welf VI. von Calw, und die wechselvolle Geschichte bis zur Auflösung im 19. Jahrhundert informiert ein kleines, nahegelegenes Museum.

Seit diesem Jahr ist Allerheiligen um eine weitere Attraktion reicher. Im beschaulichen Lierbachtal ist ein neues Schullandheim und Gästehaus entstanden. Die 2002 gegründete Einrichtung EOS-Erlebnispädagogik, mit Sitz in Freiburg, hat in Allerheiligen mehrere Häuser übernommen, vollständig renoviert und liebevoll hergerichtet. Michael Birnthaler, Leiter von EOS, zeigt sich fasziniert von der besonderen Atmosphäre: „ Als wir vor einigen Jahren zum ersten Mal in Allerheiligen standen, waren wir sofort verzaubert von dem Charme der ehemaligen Klosteranlage. Sie erinnert unmittelbar an legendäre Ruinen wie in Glastonbury, wo angeblich König Artus begraben liegt. Lange hatten wir gezögert hier einzusteigen, denn wir ahnten, was für eine Herkulesaufgabe es wird, Allerheiligen weiter aufzubauen – schließlich ist unsere Organisation nur ein gemeinnütziger Verein im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit.“

Den Sprung ins kalte Wasser hat das EOS-Team bisher nicht bereut. Viele Ideen haben sie im Gepäck wie vierstündige geführte Touren für Gruppen und zahlreiche Seminare und Workshops wie Klettern, Bogenschießen, das Bewegen in und den Umgang mit der Natur, Geocaching, Lager- und Hüttenbau. Dazu werden professionelle Trainings angeboten, in denen es um die Stärkung des Teamgeistes geht.

Für die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, in deren Obhut sich die Klosterruine Allerheiligen befindet, bedeutet die Kooperation mit EOS eine interessante Chance, die Geschichte des Kulturdenkmals auf lebendige und neue Art und Weise zu vermitteln. „Zunächst werden wir für alle Besucher von Juni bis Oktober historische Führungen anbieten, die etwa eine dreiviertel Stunde dauern. Sie erzählen in spielerischer und ergreifender Weise vom Schicksal der rätselhaften Gründerin von Allerheiligen, Uta von Schauenburg. Immerhin war sie die Tante von Kaiser Friedrich II und König Heinrich dem Löwen, erklärt Michael Birnthaler. „Wer schon einmal in Allerheiligen war, wird bemerkt haben, dass dort die Zeit still zu stehen scheint. Wie kaum ein anderer Ort vermag die Klosterruine den Besuchern das Gefühl von Ruhe und Frieden zu vermitteln. Dass Jahr für Jahr weit über hunderttausend Besucher nach Allerheiligen strömen, liegt sicherlich aber auch an den Wasserfällen, die zu den schönsten naturbelassenen Wasserfällen in Deutschland zählen. Für viele ist es deshalb auch kein Wunder, dass Allerheiligen jetzt sogar ein Portal des neu gegründeten Nationalparks Schwarzwald ist.“

Neben der Pflege und dem Ausbau altbewährter Traditionen wie von Familien- oder Geburtstagsfeiern und hochwertigen Kulturveranstaltungen wird die Klosterruine bei den historischen Führungen und Touren die „Hauptrolle“ spielen. Für die nächsten Jahre hat das engagierte Team von EOS eine mitreißende Vision entwickelt: „Wir träumen davon, Allerheiligen einerseits zu einem Seminar- und Tagungszentrum auszubauen. Aufgrund unserer hohen Investitionen stehen der Öffentlichkeit nun etwa 130 Betten zur Verfügung, mit himmlischer Ruhe und zu klösterlichen Preisen“ Falls sich weitere Förderer und Sponsoren fänden, könnte mittelfristig vielleicht ein kleiner alternativer Freizeit- oder Familienpark eingerichtet werden.

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