− Anzeige −
− Anzeige −
Leseprobe Schlösser 3|2015
Christian Thran, Gemälde aus der Werkstatt von Johann Ludwig Kisling, 1769
Christian Thran, Gemälde aus der Werkstatt von Johann Ludwig Kisling, 1769 (Foto: Privatbesitz)

Hofgärtner auf Afrika-Reise

KARLSRUHE. Reisen sind heute etwas Alltägliches. Im 18. Jahrhundert war das anders. So schickte der badische Markgraf Karl Wilhelm, der Gründer Karlsruhes, seinen „Hof- und Lustgärtner“ Christian Thran auf eine Expedition nach Afrika. Der führte Tagebuch. Die aktuelle Ausgabe des Magazins Schlösser erinnert daran.

Von Helene Seifert

Die Initiative zu dieser Entdeckungsreise war von Friedrich August I., Kurfürst von Sachsen und König von Polen, ausgegangen und finanziert worden. Sie stand unter der Leitung des Leipziger Gelehrten Johann Ernst Hebenstreit, und hatte den Zweck, neue exotische Pflanzen und Tiere in die Heimat mitzubringen. Daher gehörten Wissenschaftler, Zeichner, Botaniker und Gärtner zum Tross. So auch Christian Thran, den sein Dienstherr mit auf die Erkundungsfahrt entsandte. Thran stammte ursprünglich aus Norddeutschland. Zunächst arbeitete er im badischen Durlach und nach der Gründung Karlsruhes 1715 im Schlossgarten der neuen Residenz für den badischen Markgrafen.

Am 14. November 1731 brach Karl Wilhelms Hofgärtner am Morgen auf, um die Reise nach Afrika anzutreten. Sie führte über Basel, Lausanne, Genf, Lyon, Orange, Avignon und Marseille. Das Jahr 1732 begann mit den Stationen Toulon, Algier, Blida, Médéa, Annaba, Constantine, Tabarka, Tunis, Lampedusa, Tripolis und Leptis Magna. Es ging weiter nach Malta, nochmals nach Tunis, El Djem und Bizerte. 1733 war die Expeditionsgruppe wieder in Frankreich. Von dort ging es zurück nach Karlsruhe.

Die Reiseroute ist bekannt, weil Christian Thran die Eindrücke der fast zwei Jahre dauernden Expedition in einem Tagebuch festhielt. („Mein Reißebeschreibung, Christian Thran, dermahlen Hochfürstlicher Baden Durlachischer Kunst- und Lustgärtner in Carlsruh, 1733.“) Es gibt davon allerdings nur eine zeitgenössische Abschrift. Sie befindet sich heute im Generallandesarchiv in Karlsruhe.

Bei der Nennung der Pflanzen verwendete der Karlsruher Hofgärtner noch nicht die lateinischen Namen des Linnéschen Systems, und so gestaltet sich manchmal deren Identifizierung schwierig. Thran vermerkte beispielsweise in seinem Afrika-Tagebuch im heutigen Médéa: „Der Weg war mehrentheilß in einem Thal..., welches mit Cistis, Rosmar[ino], Juniperi fol., Lentisco und Therebintho angefüllet“  und meint damit wohl Zistrosen, Rosmarin, den Mastixbaum und den Terpentinstrauch.

Doch nicht nur an der Flora war Thran interessiert. Auch archäologische Stätten, Sehenswürdigkeiten und die Lebenskultur der Menschen beschäftigten ihn. Ein Beispiel für die Beschreibung eines römisches Bauwerks sei hier das immense, ehemals etwa 40.000 Besucher fassende Amphitheater in El Djem: „13. Februar [1733]… reisten wir gegen Gem… In Gem besahen wir das berühmte Amphitheatrum, ... ein prächtiges Gebäude der alten Römer… es besteht aus 64 Bögen… Obwohl dieses Gebäude schon ziemlich ruiniert ist, sieht man doch noch 4 starke Etagen übereinander… Die hin und wieder auf dem Felde liegende Colomnen und Statuen sind Zeugen, daß dies ein prächtiger Ort muß gewesen sein.“

Auf der Reise lauterten viele Gefahren: Manchmal herrschten katastrophale Straßenverhältnisse, es bestanden Unruhen und Pestgefahr in Marseille. Bei den Schiffsüberfahrten führten lange Flauten, zu tagelangen Irrfahrten, sodass Trinkwasser und Proviant fast ausgingen. Oder aufkommende Stürme trieben das Schiff vom Kurs ab. Christian Thran überstand die fast zwei Jahre dauernde Expedition nach Afrika unbeschadet und konnte am 26. September 1733 wieder Karlsruher Boden betreten.

Sein im selben Jahr herausgegebenes Pflanzenverzeichnis des Karlsruher Schlossgartens listet 523 exotische Pflanzen auf. Darunter Aloe, Ananas, Guajave, Kaffee, Banane, Lorbeer, Ölbaum und Granatapfel.

− Anzeige −

Schlösser-Newsletter

Informieren Sie sich auch zwischen den Ausgaben über Interessantes aus der Schlösser-Welt des Landes. Mit dem Schlösser-Newsletter.

Gleich anmelden

Soziale Medien

Hashtag AgenturBW

Folgen Sie uns unter dem Hashtag #SchlösserBW bei Facebook und Twitter.

Titelbilder von Schlösser

Weitere Aboangebote

− Anzeige −