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Leseprobe Schlösser 3|2016
Die auch als Magdalenenklause bezeichnete Eremitage im Favoriter Schlosspark (Foto: SSG/LMZ, A. Rachele)
Die auch als Magdalenenklause bezeichnete Eremitage im Favoriter Schlosspark (Foto: SSG/LMZ, A. Rachele)

Fürstlicher Rückzugsort

RASTATT-FÖRCH. Unweit des Rastatter Residenzschlosses liegt das um 1710 erbaute Jagd- und Sommerschloss „Favorite“. Im zugehörigen Park, etwas abseits der großen Sichtachsen, versteckt sich eine kleine Eremitage: die Magdalenenklause. Die regierende Markgräfin von Baden, Sibylla Augusta, ließ diese um 1718 errichten.

Von Julia Rößler

Noch heute präsentiert sich die Rastatter Eremitage als kleiner schmuckloser achteckiger Zentralbau. Johann Heinrich Keyßler schreibt in seinem Reisebericht über die „Neuesten Reise durch Deutschland“ von 1725, dass die Eremitage außen komplett mit Rinde verkleidet war, damals ein typisches Schmuckelement bei solchen Bauten. Heute wirkt das Gebäude auf den ersten Blick eher wie ein Gartenpavillon und erst die Wetterfahne, in Form einer Strahlenkranz-Madonna, weist auf die Kapelle hin.

Das Innere der Eremitage teilt sich in mehrere kleine Zimmer, die sich um die achteckige Kapelle gruppieren. Die Einrichtung der Wohnräume ist sehr einfach und hat nichts vom pompösen Glanz des benachbarten Sommerschlosses. Die Wände und Decken sind mit Holz und Rinde bedeckt oder mit Holzmaserung bemalt. In dem sogenannten Speisezimmer sitzt die heilige Familie, fast lebensgroße Wachsfiguren, an einem einfachen Tisch. Daneben steht ein weiterer unbesetzter Stuhl. Sibylla Augusta soll zuweilen mit an diesem Tisch gesessen haben. Schlafzimmer müssen sich ebenfalls im Gebäude befunden haben, die heute nicht mehr erhalten sind. Keyßler berichtet über ein „schlechtes Bett ohne Vorhänge“ in der Eremitage. Eine Küche wurde ebenfalls eingerichtet. Sie soll nicht nur für die Verköstigung der Markgräfin, sondern auch für Armenspeisungen gedient haben.

Die geweihte Kapelle in der Mitte des Gebäudes lässt sich von außen durch die bekrönende Kuppel mit Laterne ausmachen. Die gelblichen Fenster der Kuppel sind die einzige Lichtquelle für die achteckige Kapelle. In die Wände der Kapelle sind in etwa zwei Metern Höhe vier Nischen mit fast lebensgroßen Wachsfiguren eingelassen. Sie zeigen drei der wichtigsten Szenen aus dem Leben der Maria Magdalena: Magdalena unter dem Kreuz Christi, die Begegnung mit Jesus als Gärtner und Jesu Salbung durch die Sünderin. In der vierten Nische über dem Altar sitzt die trauernde Muttergottes unter einem leeren Kreuz. An den Wänden zwischen den Figurengruppen sind die „Arma Christi“ - die Leidenswerkzeuge Christi - angebracht.

Die Innenausstattung verrät, dass die Eremitage in Rastatt-Förch in erster Linie ein sakrales Bauwerk war. Das Gebäude hatte somit mehrere Funktionen: Sie diente als Kapelle, als spiritueller Rückzugsort und dem Park als Pavillon.

Die Eremitage lag scheinbar einsam, war aber dennoch vom Schloss aus schnell erreichbar. Dies erwies sich nicht nur für die täglichen Andachtsübungen der Markgräfin während des Aufenthaltes in der Favorite als wichtig, sondern auch für die hier gehaltenen Gottesdienste.

Die ersten höfischen Eremitagen entstanden meistens noch aus dem Wunsch heraus, eine einfache und etwas abseits des Schlosses gelegene Andachtsstätte zu besitzen. Der Besuch einer Eremitage konnte durchaus Bestandteil des Hofzeremoniells sein, in dem die Frömmigkeit und die private Andacht eine große Rolle spielten.

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