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Leseprobe Schlösser 4|2013
Porträt der badischen Großherzogin Luise
Vornehm, zurückhaltend und wohltätig: Die badische Großherzogin Luise (Foto: LMZ)

Flitterwochen auf der Mainau

KARLSRUHE. Eine preußische Prinzessin in Baden: Der Geburtstag der Großherzogin Luise jährt sich zum 175. Mal. Ihre Verbindung mit Großherzog Friedrich I. von Baden war glücklich, er galt als liberaler Fürst. Sie engagierte sich vielfältig im sozialen Bereich und wurde von der Familie im Alter als Patriarchin verehrt.

Von Sandra Eberle

Fürstliche Hochzeiten waren schon immer vom Jubel des Volkes begleitet. So auch am 27. September 1856, als Friedrich von Baden und seine kurz zuvor in Berlin angetraute Frau Luise in einer sechsspännigen Kutsche im festlich geschmückten Karlsruhe eintrafen. Kanonenschüsse ertönten, Glocken läuteten, das Paar winkte der Menge zu. Man schaute gespannt auf die „neue“ badische, knapp 18 Jahre alte Prinzessin.

Am 3. Dezember 1838 war Luise in Berlin geboren worden – als einzige Tochter des Prinzen Wilhelm, der später König von Preußen und schließlich deutscher Kaiser werden sollte. Die Familie wohnte im Kronprinzenpalais Unter den Linden, später zog man nach Koblenz um, wo Wilhelm von 1850 bis 1858 Generalgouverneur der preußischen Rheinprovinz war. 1849 hatte er dem damaligen Großherzog, Friedrichs Vater Leopold, mit seinen Truppen geholfen, die badische Revolution niederzuschlagen, ein Ereignis, das ihm den Beinamen Kartätschenprinz (nach der verwendeten Geschützmunition) einbrachte. Damals lernte er das nahe Baden-Baden lieben und seither kam die Familie über Jahrzehnte hinweg regelmäßig dorthin. 

Schon 1850 lernte Luise bei einem Besuch in Karlsruhe, den sie mit der Mutter von Baden-Baden aus machte, den zwölf Jahre älteren Friedrich kennen. Ab 1852 führte er die Regierungsgeschäfte des Großherzogtums Baden anstelle seines psychisch kranken Bruders Ludwig II. Als Friedrich 1855 anfragte, ob er Luise zur Frau nehmen dürfe, bekam er von Eltern und Tochter schnell ein „Ja“. Durch die Ehe, aus der drei Kinder hervor gingen, wurde Luise badische Großherzogin. Eine Woche lang wurde in Karlsruhe gefeiert, dann fuhr man durch den Schwarzwald in Richtung Bodensee und verlebte die Flitterwochen auf der Insel Mainau, die Friedrich privat gekauft hatte. Später sollte sich das Paar, das sich außerordentlich gut verstand, gerne mit kleinem Gefolge vom Karlsruher Hof auf das Eiland zurückziehen.

Im neu ausgestatteten Karlsruher Schloss, bewohnte der Großherzog die Westhälfte des Hauptbaus und einen Teil des angrenzenden Seitenflügels, Luise logierte direkt darüber in der Beletage. In Sachen Repräsentation übernahmen Friedrich und Luise die zeitgenössischen Konventionen, mit Festlichkeiten und Bällen für die adlige Gesellschaft hielten sie sich allerdings sehr zurück. Freie Zeit vertrieb sich Luise gerne mit Handarbeiten. Zu den „typisch weiblichen“ Tätigkeiten kam in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aber noch eine neue hinzu: die Pflege verwundeter Soldaten. Am 6. Juni 1859 gründete sie zusammen mit adligen Bürgerinnen den badischen Frauenverein, der Krankenschwestern ausbildete. Die Schwestern sollten auch in Friedenszeiten tätig sein, um notfalls schnell reagieren zu können, schließlich ging man davon aus, dass man Österreich im Krieg gegen Sardinien und Frankreich (dem zweiten italienischen Unabhängigkeitskrieg) würde unterstützen müssen.

Dazu kam es zwar nicht, doch Luise traf den Nerv der Zeit: Zweieinhalb Wochen nach der Gründung des Frauenvereins sah der Schweizer Henry Dunant in genau diesem Krieg den erschütternden Zustand der verwundeten Soldaten bei der Schlacht im norditalienischen Solferino, der ihn nicht nur zu spontaner Hilfe, sondern letztlich zur Gründung des Roten Kreuzes veranlasste. Großherzog Friedrich I. war einer der ersten Fürsten, dem er 1863 seine fertige Denkschrift zusandte, und als er für die kommende Genfer Konferenz warb, stellte Dunant fest: „Das wohlwollendste Entgegenkommen hinsichtlich der Konferenz zeigten Darmstadt, Stuttgart und Karlsruhe …“ So gehörte Baden zu den Gründungsstaaten des Internationalen Roten Kreuzes, das im Oktober dieses Jahres seinen 150. Geburtstag feiern kann. 1864 unterzeichnete man neben Preußen, Hessen, Württemberg und weiteren acht nicht-deutschen Staaten die erste Genfer Konvention zur Versorgung verwundeter Soldaten unter politischer Neutralität.

Schnell bildeten sich nationale Untervereine des Roten Kreuzes. Luises Badischer Frauenverein, 1866 vom Roten Kreuz anerkannt, gilt als erster weiblicher DRK-Zusammenschluss. Im Krieg zwischen Preußen und Österreich – in dem sich Baden schweren Herzens mit Österreich verbünden und damit gegen Luises Vater stellen musste – kamen die Schwestern des Frauenvereins im selben Jahr erstmals in badischen Lazaretten zum Einsatz. Auch Luise selbst trug bei entsprechenden Anlässen die schwarze Rotkreuz-Schwesterntracht mit Armbinde. Ab 1871 förderte der Frauenverein auch die Bildung und Berufsausbildung von jungen Mädchen in anderen Bereichen, übernahm die Pflege von bedürftigen Kindern und weitere wohltätige Zwecke und stellte damit auch eine neue Erwerbsmöglichkeit für Frauen dar. 

Der deutsch-französische Krieg 1870/71 brachte die Gründung des deutschen Kaiserreiches und die Ausrufung von Luises Vater Wilhelm zum ersten deutschen Kaiser. Auf Anton von Werners berühmtem Gemälde der Kaiserproklamation in Versailles ist neben ihm sein braun-bärtiger Schwiegersohn Friedrich von Baden zu sehen – kein Zufall: Friedrich rief das Hoch auf „seine kaiserliche und königliche Majestät, Kaiser Wilhelm“ aus – und umging geschickt die problematische Frage, ob man ihn „deutscher Kaiser“ oder sogar „Kaiser von Deutschland“ nennen sollte. 

1888 erlebte Luise ein besonders schweres Jahr: Es starben ihr Sohn Ludwig Wilhelm, Kaiser Wilhelm I. und sein Nachfolger Friedrich III., Luises Bruder. Um ungestört um den verstorbenen Sohn trauern zu können, baute das Großherzogspaar ab 1889 im Karlsruher Hardtwald die großherzogliche Grabkapelle. 1907 sollte Luise dann auch ihren Mann verlieren. Ihr ältester Sohn wurde als Großherzog Friedrich II. sein Nachfolger. Luise starb 1923, fünf Jahre nach dem Ende der Monarchie, in Baden-Baden. Ihre Großnichte Viktoria Luise, Tochter von Kaiser Wilhelm II., schrieb später, man habe man Luise als Patriarchin der Familie verehrt, und so sei mit ihr die letzte wirkliche Repräsentantin des Kaiserreiches gestorben. Luise wurde in der Gruft der Karlsruher Grabkapelle bestattet.

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