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Leseprobe Schlösser 4|2015
Kabinettschränkchen mit Lackdekoren aus Schloss Favorite
Kabinettschränkchen mit Lackdekoren aus Schloss Favorite (Foto: SSG, Martine Beck Coppola)

Die China-Mode im Barock

BADEN-WÜRTTEMBERG. In barocken Schlössern hielt im 17. und 18. Jahrhundert die sogenannte China-Mode Einzug. Original chinesische Stücke vermischten sich mit europäischen Nachahmungen im chinesischen Stil. Im Themenjahr Barock der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg ist die exotische Sammellust der einstigen Fürsten und Fürstinnen aus Baden, Württemberg und der Kurpfalz eine genauere Betrachtung wert.

Von Catharina Raible

Import oder Imitation: Wer an den europäischen Fürstenhöfen etwas auf sich hielt, sammelte im 17. und 18. Jahrhundert Porzellan, Seide, Papiertapeten und Lackwaren. Und bezog diese exklusiven Güter entweder direkt aus China oder als so genannte „Chinoiserien“, also Nachahmungen, aus europäischer Produktion. Umfangreiche ostasiatische Sammlungen bezeugen bis heute die China-Mode, die sich in ganz unterschiedlichen Ausprägungen manifestierte. Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden, Herzog Carl Eugen von Württemberg oder Gräfin Elisabeth Friederike Sophie von Hohenlohe-Weikersheim beispielsweise statteten ihre Schlösser nach dem aktuellen Zeitgeschmack aus. Sie befanden sich in guter Gesellschaft. 

In Baden ist es vor allem der Vorliebe der Markgräfin Sibylla Augusta für asiatische Luxusgüter zu verdanken, dass umfangreiche Bestände zusammengetragen und fantasievolle Räumlichkeiten geschaffen wurden. Sie hinterließ mit dem Porzellanschloss Favorite in Rastatt-Förch ein Kleinod herausragender Art. Es gibt dort nicht nur Wände und Decken, die in chinesischer Manier mit blauweißen Fliesen gestaltet sind, sondern auch „etliche Zimmer mit Chinesischer Arbeit von Seide und Papier ausgezieret...“, wie der Reisende Johann Georg Keyßler im Jahr 1729 über Schloss Favorite schrieb. Auch die mobilen Einrichtungsgegenstände in den Appartements, der Prunkküche und den Sammlungen zeugen von der Leidenschaft der Hausherrin für Erlesenes. Hier finden sich Lackmöbel, Holzschnitte, Alabastervasen mit chinesischen Motiven, Porzellangefäße aus China, Japan und Europa, asiatische Figuren, aber vor allem ein ansehnlicher Sammlungsbestand an „Schwartz Porcelain“. Diese speziellen Steinzeuggefäße muten durch die schwarze Glasur wie Lackwaren an. 

In Württemberg schätzte Herzog Carl Eugen die feinen Porzellane, Lackwaren und Seidenstoffe. Er erwarb nicht nur eine stattliche Anzahl chinesischer Originale und ließ sein Gesellschaftsappartement in Schloss Ludwigsburg mit Seidenstoffen und Stuckverzierungen im chinesischen Stil versehen, sondern eröffnete im Jahr 1758 auch die Ludwigsburger Porzellanmanufaktur, um fortan eigene Tafelservice und Vasen herstellen zu lassen. Zum Repertoire der Manufaktur gehörten unter anderem Figuren, wie zum Beispiel die Chinesenfürsten, die der Modelleur Joseph Weinmüller um 1767 schuf, und die Papageien und Kakadus, die Jean Jacques Louis für die Ausstattung des Chinahauses in den Gartenanlagen von Schloss Solitude modellierte. Carl Eugen hatte 1763 mit dem Bau dieses Lustschlosses beginnen lassen, in dem ein rotlackiertes Kabinett, chinesische Porzellanvasen, eine Bettrückwand aus bestickter Seide mit chinesisch anmutenden Figuren sowie Räume mit „weiß geblumtem peking“, also einer Wandbespannung, die Chinabegeisterung des Herzogs wiederspiegeln. 

In den dazugehörigen Gartenanlagen entstand ab 1767 das „Chinesische Haus“, das mit Baldachin, Glöckchen und chinesischen Figuren gestaltet gewesen sein soll. Der Pavillon ist zwar nicht mehr erhalten, doch die Ludwigsburger Bauakten belegen, dass um 1800 „teilweise die Gläser aus Solitude aus dem chinesischen Haus“ in Schloss Ludwigsburg wiederverwendet wurden. Dort sind des Weiteren ein Lackkabinett von Carl Eugens Vorgänger, Herzog Eberhard Ludwig, und ein „chinesischer Schirm“ im Privatgarten seines Nachfolgers Herzog Friedrich II. erhalten geblieben. 

Kabinette und Gartenbauwerke dieser Art finden sich auch an anderen Orten in Baden-Württemberg. So ließ beispielsweise in Hohenlohe Gräfin Elisabeth Friederike Sophie um 1715 in ihrem Appartement in Schloss Weikersheim ein Porzellan- und Spiegelkabinett einrichten und schwarzlackierte Kabinettschränke mit ostasiatischen Ornamenten aufstellen. 

Auch in der Kurpfalz sind Exponate im chinesischen Stil erhalten geblieben, wie das kleine pagodenartige „Chinesische Teehaus“ mit Drachen und Schirmchen aus Frankenthaler Porzellan verdeutlicht, das in Schloss Mannheim aufbewahrt wird. Im Schlosspark von Schwetzingen können außerdem eine Vogeltapete im Badhaus und die Chinesische Brücke am Übergang vom barocken Park zum englischen Landschaftsgarten bewundert werden. 

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