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Leseprobe Schlösser 4|2017

Schloss Ludwigsburg: Im Erdgeschoss des Neuen Hauptbaus wird an den Königswohnungen gearbeitet (Foto: SSG)
Schloss Ludwigsburg: Im Erdgeschoss des Neuen Hauptbaus wird an den Königswohnungen gearbeitet (Foto: SSG)

Der Staub der Jahrhunderte

LUDWIGSBURG. Die authentische Wiedereinrichtung der beiden königlichen Appartements im Neuen Corps de Logis des Schlosses Ludwigsburg läuft bis 2019. Derzeit finden umfangreiche und aufwendige Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten statt, die für alle Projektmitarbeiter große Herausforderungen darstellen.

Von Patricia Peschel

Das ehrgeizige Vorhaben, das sich auf insgesamt 35 Räume und hunderte Kunstobjekte erstreckt, stellt ein beispielloses Projekt in der Geschichte der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg dar. Zunächst war die Einrichtung aller Räume anhand von detaillierten Inventaren bis ins letzte Detail rekonstruiert worden. Anschließend ging es darum, die betreffenden Kunst- bzw. Einrichtungsobjekte im Sammlungsbestand zu identifizieren. Im nächsten Schritt wurden digitale Grund- und Aufrisse der einzelnen Räume erstellt, worin alle Objekte bereits virtuell ihren zukünftigen Platz fanden. Das betraf sowohl Möbel, Kronleuchter und Kleinkunstobjekte als auch sämtliche Gemälde in den Wohnräumen und in der Bildergalerie. Hierbei entstand bereits eine erste Vorstellung wie dicht die königlichen Zimmer zukünftig möbliert sein werden.

Mit diesen Recherchen und Planungen ist jedoch erst eine Seite dieses Großprojekts „abgearbeitet“: der Löwenanteil der Aufgaben und der Gesamtkosten (mehr 90 Prozent) besteht in den Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten der ausgewählten Kunstobjekte. Angesichts der Fülle der betreffenden Kunstobjekte - zum Beispiel 420 Gemälde, 320 Möbel und knapp 300 Textilobjekte sowie rund fünf Dutzend Kronleuchter - bilden diese Arbeiten in der Umsetzung den personell und finanziell anspruchsvollsten Part des Projekts.

Die Konservierungen wären jedoch auch unabhängig von der Wiedereinrichtung der Königswohnungen notwendig gewesen. Die notwendigen Maßnahmen können hierbei von scheinbar „einfachen“ Reinigungen bis zu hoch komplexen Rekonstruktionen reichen. Ein prominentes Beispiel hierfür bilden die beiden Konsoltische im Audienzzimmer des Königs von Nikolaus von Thouret, 1806 entstanden. Sie werden von jeweils drei imposanten Greifen getragen, die auf einer scheinbar dunkel gefassten Platte sitzen. Bei genauerem Hinsehen zeigte sich jedoch, dass diese Platten vom Staub der Jahrhunderte (bzw. zumindest vom Staub der letzten Jahrzehnte) überzogen sind und sich unter dieser festen Schicht eine sehr aufwendige und hoch repräsentative Vergoldung der kompletten Bodenplatten verbirgt. Die feste Staubschicht muss entfernt werden, ohne die Vergoldung zu beschädigen, wozu herkömmliche Reinigungsmethoden nicht taugen. Daher wurden bereits an kleinen Flächen Probereinigungen mit Laserstrahlen in unterschiedlichen Stärken vorgenommen. Sie brachten erste vielversprechende Ergebnisse. Nach Abschluss der Arbeiten werden beide Konsoltische wieder in ihrem originalen hoch repräsentativen Erscheinungsbild – bronzierte Greifen auf vergoldeten Bodenplatten stehend – im Audienzzimmer präsentiert werden können.

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