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Leseprobe Schlösser 1|2017

Herzog Ulrich von Württemberg, Ende des 16. Jahrhunderts gemalt von einem Stuttgarter Hofmaler (Foto: Landesmuseum Württemberg, Zwietasch/Frankenstein)
Herzog Ulrich von Württemberg, Ende des 16. Jahrhunderts gemalt von einem Stuttgarter Hofmaler (Foto: Landesmuseum Württemberg, Zwietasch/Frankenstein)

Herzog Ulrich und die Reformation

STUTTGART. Als erster protestantischer Regent Württembergs war Herzog Ulrich (1487 - 1550) unbestreitbar einer der führenden Köpfe der Reformation im deutschen Südwesten. Und doch war eine widersprüchliche Persönlichkeit über den Kaiser Maximilian I. 1516 wegen gravierender Vorkommnisse die Reichsacht ausgesprochen hatte.

Von Petra Pechaček

Herzog Ulrich von Württemberg (1487 - 1550) lächelt nicht, aber er scheint aufmerksam zu beobachten, was im Herrenrefektorium des ehemaligen Zisterzienser Klosters Maulbronn vor sich geht. Im Gewölbezwickel gegenüber der Empore, von der bei den Mahlzeiten der Mönche aus der Heiligen Schrift vorgelesen wurde, ließ sich Ulrich zu Beginn des 16. Jahrhunderts in einer Rötelzeichnung abbilden. Eine klare Demonstration, wer nun im Kloster das Sagen hatte - der württembergische Herzog! Der erst 17-Jährige, vorzeitig für volljährig erklärt, hatte als Heerführer kaiserlicher Truppen 1504 im Bayerischen Erbfolgekrieg das Kloster Maulbronn von den pfälzischen Wittelsbachern erobert und die Vogteirechte und damit auch Zugang zu dem umfangreichen Klosterbesitz erhalten.

Zu der Zeit war nicht abzusehen, dass Ulrich, der seinen Thron Maximilian I. verdankte, sich in wenigen Jahren gegen seine allerkatholischste Majestät stellen würde. 1511 sollte ihn der Kaiser in eine durch heftige Auseinandersetzungen geprägte Ehe mit Sabina von Bayern drängen. Vier Jahre später erstach der Herzog auf der Jagd den Mann seiner Geliebten. Kaiser Maximilian reagierte und sprach 1516 über Ulrich die Reichsacht aus, die 1518 auf dem Reichstag zu Augsburg rechtskräftig wurde.

Ulrichs Regierungsstil, seine persönliche Lebensführung und sein Verhalten gegenüber seiner Familie gipfelten in seiner zeitweisen Vertreibung aus dem Land. Württemberg wurde für rund 15 Jahre dem Haus Habsburg unterstellt. 1534 erfolgte in der Geschichte des Herzogtums die Wende: Ulrich gelang die Rückeroberung. Im Mömpelgarder und Schweizer Exil war er mit dem neuen Glauben in Berührung gekommen. Am Hofe Landgraf Philipps von Hessen, dem politischen Führer der Reformation, erlebte er die Einführung der protestantischen Glaubenslehre. Ulrichs weitgehende Restitution als Landesherr machte nun auch in Württemberg den Weg frei für die Reformation. Der Lutheraner Erhard Schnepf aus Hessen und der an den Lehren der Schweizer Reformatoren orientierte Ambrosius Blarer (1492 - 1564), ein ehemaliger Benediktinermönch und Prior des Klosters Alpirsbach, verbreiteten den neuen Glauben. Auch wenn sie sich in ihren Lehrmeinungen in einigen Punkten entgegenstanden. Die lutherische Ausrichtung gewann die Oberhand und auch die zunächst unter dem Einfluss Blarers stehenden oberdeutschen Städte orientierten sich durch die Vermittlung Ulrichs vermehrt Richtung Wittenberg und weniger nach Zürich.

Die Einführung der Reformation hatte für die geistlichen Gemeinschaften im Land schwerwiegende Folgen. Im November 1534 befahl Ulrich die Inventierung aller Klöster, das hieß die Vermögenswerte und Einkünfte mussten offengelegt werden. Der Maulbronner Abt Johann hatte sich dem Ansinnen Ulrichs, die Hälfte des Jahreseinkommens des Klosters an den Landesherrn abzuführen, bereits im Juli durch die Flucht in die freie Reichsstadt Speyer entzogen. Im Gepäck hatte der findige Abt das Klostersiegel, Lagerbücher und Register sowie Bargeld und Kleinodien. Auch wenn das Kloster dadurch offiziell handlungsunfähig war, mussten die Maulbronner Mönchen Herzog Ulrich Treue geloben und akzeptieren, dass künftig einen landesherrlicher Klostervogt und ein Schreiber die klösterliche Verwaltung überwachten.

Evangelische Prediger (Lektoren) lehrten nun in den Klöstern den neuen Glauben. Wer Mönch bleiben wollte, musste sich der Reformation anschließen, wer katholisch bleiben wollte, musste das Kloster verlassen. Der Maulbronner Konvent beispielsweise verlegte den Sitz des Klosters nach Pairis ins Elsass und kehrte erst 1548 zurück, nachdem im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 kaiserliche Truppen unter dem Herzog von Alba Herzog Ulrich besiegt hatten. Württemberg hatte sich dem Bündnis der protestantischen Landesfürsten und Städte, dem Schmalkaldischen Bund angeschlossen und musste nun durchziehende Truppen mit Plünderungen und Verwüstungen erdulden. Der schwer gichtkranke Ulrich floh erneut aus seinem Land und musste sich letztendlich im März 1547 Kaiser Karl V. in Ulm unterwerfen.

Erneut von einem Gerichtsverfahren bedroht starb Ulrich Anfang November 1550 an den Folgen eines schweren Fiebers. Seine letzte Ruhestätte fand er an der Seite von Herzog Eberhard im Bart in der Tübinger Stiftskirche. Ulrichs Sohn Christoph (1515-1568) vollendete durch seine Große Kirchenordnung von 1559 die vom Vater begonnene Neuordnung von Staat und Landeskirche im Sinne des Protestantismus.

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