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Leseprobe Schlösser 2|2017

Blumenstickereien von Charlotte Mathilde auf den Bezügen von Thouret-Möbeln (Foto: SSG, LMZ, Arnim Weischer)
Blumenstickereien von Charlotte Mathilde auf den Bezügen von Thouret-Möbeln (Foto: SSG, LMZ, Arnim Weischer)

Königliche Sticheleien

LUDWIGSBURG. Charlotte Mathilde von Württemberg hatte ein Faible für dekorative Handarbeiten. Aufwendige Stickereien, die die Bezüge vornehmer Sitzmöbel im klassizistischen Stil zieren, stammen aus ihrer Hand.

Von Inga Quandel

Herzog Friedrich II., später der erste König Württembergs, ließ ab 1798 das Neue Corps de Logis in der Ludwigsburger Residenz durch seinen Hofbaumeister Nikolaus Friedrich von Thouret im neuen Stil umgestalten. Die klassizistischen Formen, die von Napoleons Kaiserhof ausgingen, gaben den politischen Machtansprüchen Friedrichs II. einen architektonischen Rahmen. Sowohl Thouret selbst, als auch Johannes Klinckerfuß, der 1795 als Kabinett-Ebenist an den württembergischen Hof gerufen wurde, schufen wertvolle Möbel für die neu gestalteten Räume. In der Ludwigsburger Residenz sind zahlreiche Möbel erhalten, deren Fertigung einem der beiden Künstler zugeschrieben wird. Auch die bestickten Bezüge sind teils im Original, teils in Überarbeitung erhalten.

Während einige Textilien wie die Petit-Point-Bezüge im Schlafzimmer des Königs wohl von professionellen Gruppen oder Werkstätten gefertigt wurden, sind etliche Stickereien dem Œuvre von Friedrichs Gemahlin Charlotte Auguste Mathilde zugeschrieben worden. Hierzu zählen vor allem die farbenfreudigen, naturalistischen Blumenstickereien, die den streng klassizistischen Möbeln einen freundlichen Charakter verleihen.

Grund zu der Annahme, dass es sich um eigenhändige Werke der Königin handelt, liefern zahlreiche Radierungen, Zeichnungen und Aquarelle die in der Royal Collection aufbewahrt werden. Die Königin hatte in London am Hof ihres Vaters eine sorgfältige Erziehung genossen und Malunterricht erhalten. Die häufig signierten und datierten Blätter mit zahlreichen Pflanzenstudien belegen ihr reges Interesse an diesem Sujet.

Eine wenig überarbeitete Serie von Sitzmöbeln wird zukünftig im neuen Schreibzimmer des Königs zu sehen sein. Im Inventar von 1822 ist einer der Sessel beschrieben als „ein Schreibfauteuil von braunem Maserholz mit vergoldeter Bronze garniert, der Sitz mit schwarzem Samt beschlagen, darauf ein Korb mit bunten Blumen gefüllt in Seide gestickt.“ Bevor die Stücke jedoch an ihren ursprünglichen Nutzungsort gebracht werden, müssen sie zunächst restauriert werden.

Ein Höhepunkt im Œuvre der Königin stellt eine Gruppe von Sitzmöbeln dar, die der Ausstattung des alten Schreibzimmers diente und zu Beginn des 19. Jahrhunderts geschaffen wurde. In einem Inventarband von 1957 wird der Entwurf der Serie Nikolaus Friedrich von Thouret zugeschrieben. Die hochwertigen Mahagoni-Furniermöbel sind mit aufwendigen feuervergoldeten Bronzeappliken verziert. Auf den Sitz- und Rückenpolstern sind große Blumenarrangements von der Hand Charlotte Mathildes angebracht. In der Mitte der Sitzfläche ist eine flache, breite Schale gestickt, aus der bunte Blumen und grüne Blätter hinaus ranken. Auch die Rückenlehne wird von einem ausladenden Blumenarrangement geziert.

Die Möbel wurden in den 1980er-Jahren restauriert und überarbeitet: der blaue Satin ausgetauscht und die bunten Seidenstickereien neu appliziert.

Diese und zahlreiche weitere Beispiele verdeutlichen, wie es in enger Zusammenarbeit von Königin und Ebenist gelang, den Glanz und den Reichtum anderer europäischer Fürstenhöfe auch in die württembergischen Residenzen zu bringen.

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