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Nur die Braut kann man am Bodensee nicht online buchen

Staatsanzeiger: Ausgabe 1/2019
Von: Cuko, Katy 

Friedrichshafen

2013 war die Stadt Friedrichshafen die erste in Baden-Württemberg, die Heiratswilligen einen Online-Traukalender anbot. Das Beispiel machte Schule. Auch für das Standesamt ist die Terminbörse im Internet eine segensreiche Einrichtung. Friedrichshafen. In der Zeppelinstadt funktioniert die Hochzeitsplanung wie bei einer Online-Bestellung, „nur die Braut kann man nicht buchen“, scherzt Judith Wolf, Leiterin des Standesamts in Friedrichshafen. Nach dem Heiratsantrag kann sich das Pärchen gemütlich aufs Sofa setzen und online seinen Wunschtermin für die Trauung reservieren – bis zu einem Jahr im Voraus.
Ein halbes Jahr vor dem Trautermin kann das Aufgebot bestellt werden
Und nicht nur das: Mit der Terminabfrage wird auch der Wunschort für die Hochzeit gecheckt. Denn in Friedrichshafen haben Paare acht verschiedene Trauorte zur Wahl – zu Wasser, zu Land und in der Luft. Neben den vier Rathäusern in der Stadt und in den Ortsteilen kann samstags im größten Veranstaltungshaus der Stadt und in einem Hotel direkt am Seeufer geheiratet, aber auch im Luftschiff Zeppelin NT oder auf einem Ausflugsschiff auf dem Bodensee in den Hafen der Ehe eingelaufen werden. Danach kommt der weniger romantische Teil. Nach der Bestätigungs-Mail durch das Standesamt hat das Pärchen zwei Wochen Zeit, seine Reservierung zu bestätigen. Frühestens ein halbes Jahr vor dem Trautermin kann das Aufgebot bestellt werden, wenn alle Unterlagen da sind, erklärt Wolf. Dann ändert sich der Status der Reservierung in eine Buchung. „Aber auch die kann noch verschoben werden“, erklärt die Standesamtsleiterin. Seit der Traukalender beim Standesamt in Friedrichshafen online geführt wird, stieg nicht nur die Zahl der Hochzeiten, sondern auch der Anteil der Paare, die den Termin digital planen. Nutzten im Startjahr 2013 rund 40 Prozent oder 112 von 281 Traupaaren den Online-Kalender, so waren es 2016 schon 90 Prozent oder 319 von 354 Heiratswilligen. Auf diese Größenordnung haben sich die Zahlen eingependelt. Mit dem Angebot stieg allerdings auch die Zahl der Traupaare, die nicht in Friedrichshafen gemeldet sind, um das Dreifache.
Stadtverwaltung entwickelte das Anforderungsprofil selbst
Die Idee für den Online-Traukalender habe der Amtsleiter vor einiger Zeit aus Filderstadt mitgebracht, wo Brautpaare im Internet beim Standesamt nachschauen konnten, ob ein Termin schon belegt ist, erzählt Wolf. Der dortige Online-Traukalender ermöglichte jedoch keine digitale Reservierung. „Wir wollten mehr Service bieten“, sagt die Leiterin des Standesamts in Friedrichshafen. Und auch das Modell vom Rechenzentrum war zu unflexibel. So entwickelte eine Projektgruppe der Stadtverwaltung das Anforderungsprofil selbst und ließ die Lösung von der FN Dienste GmbH, einem Tochterunternehmen der Stadt, umsetzen. So wurde der digitale Traukalender zum wesentlichen Bestandteil der Digitalisierungsstrategie im Standesamt. Denn die Plattform sollte auch für die Verwaltungsmitarbeiter die Arbeit erleichtern. Fürs Standesamt hat sich seither einiges verbessert. Deutlich weniger Anfragen müssen telefonisch geklärt werden. Mit dem Online-Traukalender ist die Terminplanung für alle Mitarbeiter transparent, was die Bearbeitung der Fälle vereinfacht.
Auch Darmstadt, Essen, Wiesbaden, Offenburg und Kassel sind dabei
Dazu kommen Tools, die das System neu bietet, so automatisch generierte Mails, die das Standesamt an Brautpaare erinnert, die noch keine Rückmeldung gegeben haben, oder die Terminzuweisung per Outlook. Auch statistische Abfragen gehen schneller. Das Beispiel hat Schule gemacht. Seit Start des digitalen Traukalenders im Frühjahr 2013 sind mehrere Standesämter diesem Modell gefolgt, beispielsweise in Darmstadt, Essen, Wiesbaden, Offenburg und Kassel.

     


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