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Coronavirus: Unis und Hochschulen setzen auf Online-Vorlesungen

20.03.2020 
Redaktion
 
Foto: dpa/dieKLEINERT.de

Mechatronik-Professor Rainer Drath (links oben) hält an der Hochschule Pforzheim eine Online-Vorlesung. Foto: Hochschule Pforzheim

PFORZHEIM/MANNHEIM. Stell dir vor, das Semester läuft und keiner kommt in die Hochschule. Dieses Szenario ist aufgrund der Corona-Pandemie und ihren Folgen binnen Tagen Wirklichkeit geworden.

So etwa an der Hochschule Pforzheim. Dort war am Montag vor einer Woche offizieller Start des Sommersemesters. Zu diesem Termin musste der gesamte Lehrbetrieb umgestellt werden, damit trotz Schließung der Gebäude Professoren unterrichten und Studierende lernen können. Das geschah übers Wochenende. Die Vorlesungen finden nun in virtuellen Hörsälen statt. In Pforzheim sind 200 davon eingerichtet worden, in denen bis zu 450 Studierende gleichzeitig dem Vortragenden folgen können.

Vorlesungen und Seminare finden im virtuellen Hörsaal statt

„Ich finde es super, dass in der Kürze der Zeit die Möglichkeit geschaffen wurde, online Vorlesungen zu hören“, sagt Katharina Winkler. Sie studiert im vierten Semester Ressourceneffizienzmanagement. „Ich war überrascht, wie gut das alles funktioniert.“

Aber kann denn 1:1 auf digital umgestellt werden? Ist das beispielsweise auch für Seminare praktikabel, kleine Kurse also, in denen viel mehr Interaktion stattfindet und es auf den schnellen und direkten Austausch der Teilnehmer ankommt?

Laut Axel Grehl, dem Pressesprecher der Hochschule Pforzheim, funktioniert das ausgesprochen gut. Die Studierenden seien sehr diszipliniert, Wortmeldungen etwa könnten im virtuellen Seminarraum durch An- und Abschalten von Mikrofon-Symbolen auf dem Bildschirm signalisiert werden.
Allein einige praktische Übungen müssten entfallen, wie etwa das Bedienen von Maschinen oder das Untersuchen von Werkstoffen.

Wenn die Schließung der Hochschule länger andauert, werden dann auch Prüfungen in virtuellen Räumen durchgeführt? Dazu könne er noch nichts Abschließendes sagen, sagt Grehl. Das sei auch eine rechtliche Frage.

„Erste Maßnahme ist die Umstellung der Prüfungsform“, sagt Hanno Weber, Prorektor für Studium und Lehre. „Anstatt einer Klausur kann auch mal eine Hausarbeit geschrieben oder ein Online-Referat gehalten werden.“

Noch mehr positive Beispiele in Zeiten von Corona finden Sie in unserer neuen Rubrik "Gut gemacht: Coronavirus".

Vorbilder hat die Hochschule Pforzheim für das Umstellen auf digitale Lehre laut Grehl keine gehabt. Seit Jahren schon sei das E-Learning im Zuge der internen Digitalisierung vorangetrieben worden. Umgekehrt habe man bereits viele Anfragen anderer Hochschulen und Einrichtungen nicht nur aus  dem Südwesten erhalten, wie das in Pforzheim gelungen sei. Die bisherigen Erfahrungen mit der digitalen Lehre seien so gut, dass zu überlegen sei, ob nicht nach Ende der Corona-Krise einige Elemente davon in die klassische Präsenzlehre übernommen werden.

Mannheim musste mitten im Semester den Lehrbetrieb umstellen

Während die meisten Universitäten noch Semesterferien haben und den Beginn des Sommersemesters einfach etwas weiter nach hinten verlegt haben, traf die Corona-Krise die Universität Mannheim mitten im Vollbetrieb: Denn dort startet das Sommersemester, wie international üblich, bereits im Februar. Die Reaktion auf den Beschluss der erfolgte auch dort prompt.

Nach Meinung einer Studentin, die gerade im vierten Jura-Semester ist, ist das auch gelungen. „Die Universität hat sich gut darauf vorbereitet“. Ganze Vorlesungen seien von einem Tag auf den anderen online zur Verfügung gestellt worden, auch Seminare und Fragestunden würden online durchgeführt.

Christian Mann hat in Mannheim einen Lehrstuhl für Alte Geschichte inne. Er erstellt seine Vorlesungen zunächst als Audio-Dateien und stellt diese samt ergänzenden Folien mit Bildern und Grafiken sowie PDF-Dateien mit Quellentexten ins Netz, worüber er dann seine Studenten per Rundmail informiert.

Über ein E-Learning-Portal der Universität sei ein Forum für Fragen eingerichtet worden. Mit dessen Hilfe könnten auch Seminare durchgeführt werden. Ein Aufgabentool ermögliche seinen Studenten zudem, die notwendigen Leistungsnachweise zu erbringen. Vorgabe der Fakultät war, sagt Mann: Universitäre Lehre ist so vielfältig, dass individuelle Lösungen dafür gefragt sind.

An den Hochschulen Baden-Württembergs ist der Studienbetrieb unterbrochen oder ausgesetzt. Das hat das Wissenschaftsministerium vor zwei Wochen verfügt. Alle Präsenzveranstaltungen – Vorlesungen, Seminare, Exkursionen etcetera – können bis zum 20. April nicht stattfinden; so der derzeitige Stand. Gegen Online-Vorlesungen spreche aber nichts: „Im Gegenteil: Diese sind möglich. Viele Hochschulen wollen solche Angebote machen“, heißt es auf der Internetseite des Ministeriums. An den meisten Universitäten hätte der Studienbetrieb ohnehin erst nach Ostern begonnen. An anderen Hochschulen, etwa denen für angewandte Wissenschaften, beginnt er in der Regel aber Mitte März.


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