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Streit um Stellenwert der Informatik in Bildungsplan und Schule

18.06.2015 
Redaktion
 

Stuttgart. In der aktuellen Debatte am Donnerstag warf die Opposition der Regierung vor, den Informatikunterricht an den Schulen abzuschaffen. Kultusminister Andreas Stoch (SPD) konterte, was es noch nicht gebe, könne man nicht abschaffen. Informatik werde im neuen Bildungsplan gestärkt.

„Bildungspolitik ohne Plan – die Abschaffung des Informatikunterrichtes“, so lautete der Titel der Debatte – und der Vorwurf, den CDU-Fraktionschef und Spitzenkandidat Guido Wolf (CDU) erhob. Dass Informatik wichtig sei, hätten SPD- und Grünen Politiker anderswo in Deutschland erkannt – nicht aber Grün-Rot in Baden-Württemberg. Denn während Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) im Mai im Silicon Valley weilte und sich dort über die Chancen der Digitalisierung auslasse, so Wolf, „nutzt der Kultusminister die Gunst der Stunde und streicht den Informatikunterricht aus dem Bildungsplan“. Wenn das die grün-rote Digitalisierungsstrategie sei, so Wolf weiter, „müssen wir das Schlimmste befürchten“. Dabei gelte doch, „Wer Wirtschaft 4.0 will, der muss auch Bildung 4.0 wollen“. Davon aber sei Grün-Rot „meilenweit entfernt“.

Kultusminister sieht Informatik durch Grün-Rot sogar gestärkt

Kultusminister Andreas Stoch (SPD) zufolge war jedoch schon der Titel der Debatte falsch: „Man kann nämlich nicht etwas abschaffen, was es nicht gibt.“ Für den derzeit noch gültigen Bildungsplan aus dem Jahr 2004 seien CDU und FDP verantwortlich, die damals eine Koalitionsregierung stellten. In diesem Plan sei die Informatik als eigenständiges verbindliches Fach gar nicht vorgesehen. Derzeit gebe es zwar 360 AGs, die Informatikunterricht an den Oberstufen der Gymnasien anböten – aber dies allein auf die verdienstvolle Initiative von Lehrern hin. „Dafür haben sie überhaupt keinen Beitrag geleistet“, so Stochs Vorwurf an die heutigen Oppositionfraktionen.

Grün-Rot sorge dafür, dass künftig noch mehr für das Informatik-Wissen der Schüler getan werde – und das an allen Schularten. Zudem gebe es künftig „Medienbildung als Leitperspektive über alle Schulfächer und Jahrgangsstufen hinweg“.

Auch Sandra Boser (Grüne) betonte, dass Informatik künftig fest im Bildungsplan verankert werde. „Dazu gehört für uns beides: Informatik und Medienbildung“. Vierstündige Informatik-Kurse würden künftig in der Oberstufe angeboten, 2017 könne man erstmals das Abitur auch in Informatik ablegen. Und erstmals werde künftig schon in den Grundschulen begonnen, die Medien- und Anwendungskompetenz zu fördern, so dass schon Kinder lernen, „ihren Medienkonsum zu reflektieren“. Da diese Regierung die Chancen der Digitalisierung für Baden-Württemberg erkannt habe, setze sie nun „verbindliche Standards“, so Boser.

Stefan Fulst-Blei (SPD) zufolge ist es falsch, den Stellenwert der Informatik daran festzumachen, ob sie als eigenes Fach unterrichtet wird. Eine Umfrage in Bundesländer, in denen das so sei, habe 2011 ergeben, dass ein „integrativer Ansatz“ besser wäre. Eine starke Gewichtung von Informatik-Inhalten in vielen Fächern sei daher der richtige Weg, den Grün-Rot nun einschlagen wolle.

Rülke: Grün-Rot hat Problem mit Technik und modernen Medien

Hans-Ulrich Rülke (FDP) nutzte die Debatte für einen Generalangriff auf die grün-rote Bildungspolitik. „Fakt ist: Sie wollen ein eigenständiges Fach Informatik nicht“. Das reihe sich eine Kette anderer Maßnahmen ein. So dürften Schüler grafikfähige Taschenrechner nicht mehr nutze und es gebe ein dienstliches Facebook-Verbot für Lehrer . „Diese Landesregierung hat Probleme mit der Technik und modernen Medien“, konstatierte Rülke. Das sei Teil eines Plans: „Die Schwächung des Gymnasiums zur flächendeckenden Durchsetzung der Gemeinschaftsschule“.


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