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Digitalisierung stellt Bibliotheken vor neue Herausforderungen

01.02.2018 
Redaktion
 

Stuttgart. Die Digitalisierung stellt auch die Bibliotheken in Baden-Württemberg vor neue Herausforderungen. Sie müssen ihre Infrastruktur dem technologischen Wandel und dem veränderten Nutzerverhalten anpassen und ihren Rahmenbedingungen europarechtlichen Vorschriften und rechtlichen Nutzungsgrundlagen anpassen. Dies würde am Donnerstag in der von der CDU-Fraktion beantragten Aussprache über die „Herausforderungen für das Bibliothekswesen in Baden-Württemberg“ deutlich.

Für Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) sind die Bibliotheken „zentrale Orte unserer Informationsgesellschaft“, die mit der Zeit gehen und sich im Zuge der Digitalisierung maßgeblich verändern. Sie seien Gedächtnisinstitute für Vergangenheit und Gegenwart sowie Informationsdienstleister zugleich. Dabei eröffne die Digitalisierung viele neue Nutzungsmöglichkeiten; so könnten etwa Quellen, die aufgrund ihrer Altersspuren sonst nicht mehr nutzbar wären, der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. Gerade Universitäts-Bibliotheken müssten auch den Zugriff auf wissenschaftliche Arbeiten gewährleisten.

Die Ministerin gab zu, dass jedoch rechtliche Voraussetzung bei der Nutzung digitaler Quellen noch zu klären sind. Sie votierte für einen „fairen Ausgleich zwischen Herausgeber und Nutzer“. Um den Zugang zu erleichtern, sei die Landesregierung für ein „wissenschaftsfreundliches Urheberrecht“. Im Reformbedarf zur Langzeitarchivierung hat sich Bauers Ministerium für Bestimmungen eingesetzt, die es Gedächtnissituationen erlauben, frei zugängliche Netzdokumente im Wege des sogenannten Web-Harvestings zu sammeln.

Sabine Kurtz (CDU) hob die „vielfältige Bibliothekslandschaft“ im Südwesten hervor, die nicht nur „Lesefutter auf Papier“ biete, sondern auch digitale Angebote bereithalte. So würden Lizenzen für elektronische Zeitschriften erworben, die Gebühren würden allerdings immer teurer dafür. Aus ihrer Sicht sind die Naturwissenschaften auf die neuen Medien angewiesen, während die Geisteswissenschaften eher auf Literatur stehe. Da Papier altere, leiste die Digitalisierung einen Schutz der Originale. „Wir brauchen das alte originale Buch ebenso wie das Digitalisat“, erklärte Kurtz. Geklärt werden müssten jedoch rechtliche Belange. Für die CDU sei der Schutz des geistigen Eigentums und das Urheberrecht wichtig.

Bibliotheken seien Kultusdenkmale und zentrale Orte der Wissensgesellschaft, stellte Stefanie Seemann (Grüne) fest. Sie hätten hohe Bedeutung für die öffentliche und die Schulbildung und seien deshalb „keine reinen Büchersammlungen“, sondern Bildungseinrichtungen. Auch Seemann wies auf den rasant steigenden Anteil von digitalen Medien hin; so würden inzwischen in Baden-Württemberg 71,5 Prozent aller wissenschaftlichen Zeitungen digital angeboten. „Auch kommunale Bibliotheken bleiben wichtig“, erklärte die Grüne. Die modernen Informationszentren, in denen Wissen zugänglich gemacht wird, böten den freien Zugang zu Wissen für möglichst viele Menschen.

Rainer Balzer (AfD) sieht den Fortschritt im Bibliothekswesen „als Chance und Gefahr“. Rechtliche Grundlagen seien notwendig und das sehr alte solle aufbewahrt werden. Er sprach sich für „vernünftige Bezahlsysteme“ für Netzrecherchen aus; Balzer befürchtet, dass in Zukunft das Bibliothekswesen für den Steuerzahler teurer werde, wohingegen es für die Verlage Gewinne gebe. Ein höherer Autorenanteil am Entgelt sei für ihn gerechtfertigt.

Ramazan Selcuk (SPD) forderte die Landesregierung auf, die Kommunen bei den Neuangeboten der Bibliotheken besser zu unterstützen. Die Zusammenarbeit zwischen Land und Kommunen müsse überdacht werden. In Bibliotheken werde Lernen zum Erlebnis, sie böten generationsübergreifenden „Suchen, Lesen, Unterhaltung“.    

Für Nico Weinmann (FDP) spielen Bibliotheken mit mehr als 24 Millionen Besuchern jährlich eine zentrale Rolle als Orte der Begegnung, Wissensvermittlung und Information. Durch die zunehmend digitale Veröffentlichung von Inhalten, ein verändertes Nutzerverhalten oder geänderte rechtliche Rahmenbedingungen stelle die Digitalisierung das Bibliothekswesen vor große Herausforderungen. „Ich vermisse eine landesweite Strategie“, kritisierte der Liberale. Zwar würden Museen bei der Digitalisierung unterstützt, nicht aber die zahlreichen kommunalen Bibliotheken. Die großen Landesbibliotheken stünden vor dem „Archivierungsspagat“ zwischen der neuen Speicherung von Netzpublikationen auf der einen und dem raumgreifenden Pflichtexemplarrecht auf der anderen Seite. Es sei eine Gratwanderung zwischen der Pflicht zum Bewahren des Historischen, ohne Archiv-Romantik aufkommen zu lassen, und der Raumnot, der mit der Digitalisierung wirksam begegnet werden könne.


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