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Jenny Heymann (1890 bis 1996)

18.02.2011 
Von: Mascha Riepl-Schmidt
 
Beitrag aus Momente
 
Momente 1|2011
Eine mutige und warmherzige Lehrerin trotz Verfolgung und Widerstand

Sie ist eine Ikone für Menschlichkeit und Versöhnung im Stuttgarter Osten: Aus ihrer bitteren Erfahrung und nicht zuletzt aus ihrer Würde, Wärme und Güte schöpft die geistig Hellwache und Begeisterungsfähige ihren ungebrochenen ethischen  Anspruch.

Auf ihren Spazierwegen, die sie von ihrem Domizil in der Ameisenbergstraße 39 auch zur Aussichtsstrecke der Stuttgarter Haußmannstraße führen, ist die zierliche, weißhaarige, schwarz gekleidete hochbetagte Dame mit den lebendigen Augen zu treffen.

Ihre in Fürth 1887 verehelichten Eltern – Helene geb. Brüll (1866 -1941) und der „Banquier“ Heinrich Heymann (1849-1924), der als Kaufmann seit 1896 das Bankgeschäft Heymann und Cie in der Königstraße 49 leitet – sind wie später die Tochter Anhänger einer liberalen jüdischen Assimilation. Die am 28.10.1890 geborene Jenny – ein gutes Jahr nach ihrem später als Pflegling in der Heil-und Pflegeanstalt Stetten (Remstal) gestorbenen Bruder Otto (1889-1928) – wächst in der Residenzhauptstadt Stuttgart in der Uhlandstr. 23 auf. Geboren ist sie in der heute nicht mehr existierenden Kreuserstr. 8, im jetzigen Bereich des Katharinenhospitals. Ihr Schulweg zum Königlichen Katharinenstift, wo sie gegen den Einspruch ihres Vaters nach dem Abschluss des „Höheren Töchterinstituts“ mit Erfolg das Lehrerinnenseminar besucht, führt sie am Wilhelmspalais vorbei und durch die königlichen Schlossanlagen und vermittelt ihr eine noch unangetastete gesellschaftliche Zugehörigkeit. 

Nach ihrer  Dienstprüfung ist sie ab 1910 Unterstufenlehrerin. Unbefriedigt über die damit verknüpften beruflichen Chancen legt sie das Latinum ab, kann von 1919-22 ein weiterführendes Studium der Neueren Philologie in Tübingen und Hamburg anschließen und die Dienstprüfungen ablegen. Damit tritt sie die gehobene Beamtenlaufbahn des „realistischen“ Lehramts an.1929 wird sie Studienrätin an der Mädchenrealschule (dem heutigen Goethegymnasium) in Ludwigsburg. Hier ist seit 1928 Dr. Elisabet Kranz  (1887-1972) die erste Schulleiterin Württembergs. 1933 kann sie nach der „Entfernung“ aus dem Amt durch die  Nazidiktatur als Lehrerin im jüdischen Landschulheim Herrlingen bei Ulm vorerst in einer pädagogisch offenen Schule tätig sein und 1939 entkommen. Ihre Personalakte wird 1945 vernichtet.

Nach der Emigration kehrt sie 1947 von London, wo sie sich als Hausgefhilfin und Lehrerin über Wasser hält, nach Stuttgart zurück. Sie zieht zu ihrer 1937 denunzierten und zwangspensionierten Kollegin und Freundin Dr. Elisabet Kranz, die 1950 wieder Schulleiterin ihrer gemeinsamen früheren Schule wird. Dort arbeitet dann auch die rehabilitierte Studienrätin Jenny Heymann, die ab 1953 als Oberstudienrätin am Hölderlingymnasium in Stuttgart unterrichtet und nach ihrer Pensionierung1956 Geschäftsführerin der neu gegründeten Stuttgarter Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit wird.

Jenny Heymann, die von ihren Schülerinnen liebevoll genannte „heyfrau“, war in ihrer Lebensplanung von Anfang an emanzipiert und couragiert. Dass sie nach Stuttgart zurückkehrt, ist ein Zeichen ihrer Größe, aber auch ihrer Verbundenheit. Als Englischlehrerin ist sie mit ihrem „muttersprachlichen“ Akzent, ihrer pädagogischen Wärme, ihrem begeisternden Idealismus für ihre Schülerinnen auch heute noch ein großes Vorbild. Im Goethe-Gymnasium begründet sie schon 1949 die heute noch existierende Schulpartnerschaft mit der North London Collegiate School. 

Für ihre Lebensleitung und ihren Willen zur Toleranz erhält sie hundertjährig die Stuttgarter Otto-Hirsch-Medaille. Am 13.6.1996 hundertfünfjährig gestorben, findet sie auf dem jüdischen Teil des Stuttgarter Pragfriedhofs ihre letzte Ruhe.

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