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Was Arbeitgeber gegen Blaumachen tun können

19.02.2019 
Von: Daniela Haußmann
 
Redaktion
 

Foto: Dpa/ Ulrich Baumgarten

STUTTGART. Laut Gesetz dürfen Arbeitnehmer drei Tage daheim bleiben, ohne dem Chef einen Krankenschein vorlegen zu müssen. Manche nutzen das aus, etwa um das Wochenende oder den Urlaub zu verlängern. Meist zum Ärger der Kollegen. Arnd Diringer, Leiter der Forschungsstelle für Arbeitsrecht an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg weiß, welche Möglichkeiten Arbeitgebern im Kampf gegen Missbrauch offenstehen.

Herr Diringer, was können Chefs gegen Beschäftigte tun, die dank der Drei-Tage-Regelung ständig blau machen?

Arnd Diringer: Prinzipiell kann der Arbeitgeber ohne Begründung ab dem ersten Tag der Krankheit eine Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit verlangen. Allerdings darf er das nicht systematisch tun. Wer eine solche Regel dauerhaft einführen oder Kriterien festlegen will, mit denen bestimmt wird, in welchen Fällen Beschäftigte vor Ablauf der Drei-Tage-Frist ein Attest vorlegen müssen, muss den Personalrat beteiligen.

Aber auch solche kurzen Ausfälle können den Betriebsablauf stören, weil Arbeit liegen bleibt oder Kollegen einspringen müssen. Besteht die Chance, einem Mitarbeiter krankheitsbedingt zu kündigen, wenn er öfter mal bis zu drei Tage krank ist?

Das ist schwierig, aber nicht unmöglich. Bei häufigen Kurzzeiterkrankungen darf dem Beschäftigten allerdings nicht wegen seiner gesundheitlichen Probleme in der Vergangenheit gekündigt werden, sondern nur, wenn sich daraus die Besorgnis weiterer häufiger Kurzzeiterkrankungen in der Zukunft ergibt, die die betrieblichen Interessen erheblich stören. Klagt der Arbeitnehmer gegen die Kündigung, kann er die Ärzte, die ihn behandelt haben, von ihrer Schweigepflicht entbinden. Diese müssen dann die Prognose, die durch den Blick in die Vergangenheit aufgestellt worden ist, widerlegen.

Solche Verfahren sind aufwendig, kostenintensiv und letztlich kann es durchaus am Arbeitsplatz oder dem Vorgesetzten liegen, dass jemand oft fehlt. Darf der Dienstherr also mit dem Beschäftigten ein Gespräch führen, um Verbesserungen herbeizuführen?

Es gibt die Möglichkeit sogenannte Krankenrückkehrgespräche zu führen. Das heißt mit Mitarbeitern, die krank waren, wird ein Gespräch geführt, in dem sie gefragt werden, ob ihnen der Arbeitgeber hinsichtlich ihrer Beschwerden irgendwie helfen kann. Allerdings darf nicht nach der konkreten Erkrankung gefragt werden. Solche Gespräche können hilfreich sein. Es gibt Fälle, in denen Beschäftigte beispielsweise im Sommer häufig krank waren, weil sie in unmittelbarer Nähe der Klimaanlage arbeiten mussten. Bei einigen Beschäftigten, die häufig am PC arbeiten, kann es bei Nutzung handelsüblicher Tastaturen zu Sehnenscheidenentzündungen kommen. In solchen Fällen lässt sich schnell Abhilfe schaffen und damit die Fehlzeit verringern.

Auch bei denen, die unter Umständen Missbrauch betreiben?

Krankenrückkehrgespräche tragen sicherlich auch dazu bei den Missbrauch der Drei-Tage-Regelung zu verringern. Wenn jemandem Hilfe angeboten wird und derjenige gar nicht krank war, ist ein solches Gespräch unangenehm. Und es kann, gerade weil sich der Arbeitgeber bemüht alle denkbaren Unterstützungsmöglichkeiten und Verbesserungspotenziale zu finden, lange dauern – manchmal eine Stunde und mehr. 

Muss bei diesen Gesprächen die Personalvertretung ebenfalls mit im Boot sein? 

Das muss sie. Aber solche Gespräche sind auch in ihrem Interesse, schließlich geht es darum etwas für den Schutz der Arbeitnehmergesundheit zu tun. Dass dabei unter Umständen Personen herausstechen, die Missbrauch betreiben, ist nur ein Nebeneffekt und nicht das Ziel dieses Instruments. Außerdem kann der Chef – ohne den Personalrat zu beteiligen – ja auch mal stichprobenhaft Beschäftigte, die sich krankmelden, auffordern bereits für den ersten Tag ein Attest vorzulegen.

Selbst wenn der Arbeitnehmer so krank ist, dass er es nicht einmal in die Praxis schafft?

Dann stellt sich zunächst die Frage, weshalb er nicht in stationärer Behandlung ist. Dass ein Arzt rückwirkend einen Patienten krankschreibt ist nicht ausgeschlossen, aber zumeist unwahrscheinlich. Der Betroffene muss ja dem Arzt darlegen, warum er in den Tagen davor nicht zu ihm kommen konnte. Kann ein Arbeitnehmer keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen vorlegen, kann das arbeitsrechtliche Folgen bis hin zur Kündigung haben.


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