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Gesundheitsminister Lucha: Lage im Land ist „überaus fragil“

24.08.2020 
Redaktion
 
Heilbronn hat die Corona-Vorwarnstufe erreicht. Foto: dpa/Christoph Schmidt

HEILBRONN. Angesichts der weiter steigenden Infektionszahlen wächst in Baden-Württemberg der Druck auf die Politik, strenger gegen Reiserückkehrer vorzugehen und Lockerungen zurückzunehmen. Gemeinsam mit den Ressortkollegen von Bund und Ländern berät Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) an diesem Montag in einer Telefonkonferenz über mögliche Reaktionen auf die Zunahme registrierter Corona-Fälle. Die Lage im Land sei „überaus fragil“, sagte er.

Die Minister wollen dabei über verschiedene Maßnahmen sprechen, wie die Deutsche Presse-Agentur am Morgen aus Kreisen der Gesundheitsminister erfuhr. Dazu zählen auch eine mögliche erweiterte Pflicht zum Tragen von Mund-Nasen-Masken in Deutschland und eine Anpassung der Strategie für Corona-Tests. Auch eine mögliche Begrenzung der Größe von Veranstaltungen soll auf die Tagesordnung kommen. In der Frage, ob es neue Obergrenzen für private Feste geben sollte, gibt es bisher keine klare Linie. Eine Vereinheitlichung von Bußgeldern bei Verstößen gegen die Infektionsschutzregeln dürfte ebenfalls zur Sprache kommen, wie es weiter hieß.

Heilbronn erreicht kritische Marke

Mit Entscheidungen wird zwar nicht gerechnet. Es gilt aber als möglich, dass die Gesundheitsminister Empfehlungen aussprechen für eine Runde der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Donnerstag. Eine mögliche Neujustierung der Infektionsschutzregeln soll erst in diesem Kreis vorgenommen werden.

In Heilbronn werden nach dem Erreichen einer kritischen Marke bei den Corona-Neuinfektionen erste Konsequenzen beraten. Unter anderem sollen Reiserückkehrer als Risikogruppe stärker in den Blick genommen werden. Die Stadt hatte als erste baden-württembergische Kommune seit Monaten die Vorwarnstufe erreicht. Die sogenannte 7-Tage-Inzidenz lag zuletzt laut Landesgesundheitsministerium bei knapp 39 Fällen auf 100 000 Einwohner. Drastischere Schritte, die bis hin zur weiten Einschränkung des öffentlichen Lebens reichen können, werden aber erst ab einer 7-Tage-Inzidenz von 50 ergriffen.

Oberbürgermeister Heilbronns will sich auf Reiserückkehrer konzentrieren

„Diese Entwicklung ist kein Grund zur Panik, aber zur Sorge und erfordert von uns allen besondere Vorsicht“, sagte Harry Mergel (SPD), Oberbürgermeister von Heilbronn. Rund 80 Prozent der Infizierten seien Reiserückkehrer. „Wir werden uns deshalb auch ganz besonders auf diese Gruppe konzentrieren“, sagte Mergel.

Nach Angaben der Stadt leben in Heilbronn sehr viele Menschen mit Wurzeln im Kosovo und auch in Kroatien. „Dort ist die Zahl der Corona-Fälle überdurchschnittlich hoch“, sagte eine Sprecherin. Um die Infektionsketten besser nachvollziehen zu können, helfe das Land dem Gesundheitsamt mit zusätzlichem Personal aus.

Auch andere Städte und Landkreise nähren sich der kritischen Marke

Die Inzidenz zeigt die Zahl der Neuinfektionen innerhalb der vergangenen sieben Tage an und wird pro 100000 Einwohner angegeben. Sie wurde von Bund und Ländern mit Blick auf Kreise und kreisfreie Städte als maßgeblich für neue Einschränkungen in der Corona-Pandemie festgelegt. Bei 50 Fällen in sieben Tagen pro 100 000 Einwohner sollen sofort wieder Beschränkungskonzepte umgesetzt werden.

Indem die Neuinfektionen einer Woche zusammengezählt werden, werden die Schwankungen der täglichen Neuinfektionszahlen weitgehend ausgeglichen. Das Robert Koch-Institut (RKI) gibt diese auf die vergangenen 7 Tage summierten Fallzahlen in seinem Lagebericht an. Auf diese Weise lassen sich Trends besser erkennen. Neben Heilbronn nähern sich auch andere Städte und Landkreise im Südwesten der kritischen Marke von 35 Infektionen auf 100 000 Einwohner, ab der eine Vorwarnstufe gilt. In Ulm liegt die 7-Tage-Inzidenz laut Landesgesundheitsamt bei knapp 29, im Kreis Biberach bei gut 20 Infektionen auf 100000 Einwohner und in Stuttgart bei 20.


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