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„Möglichst viele Optionen offen halten“

04.10.2010 
Redaktion
 
Interview
Roland Burger, Foto: Privat

Buchen. Die 18350-Einwohner-Stadt Buchen im Odenwald besitzt 3300 Hektar Wald. Der baden-württembergische Forstkammerpräsident und Buchens Bürgermeister in Personalunion Roland Burger sprach mit Daniela Reichart über künftige Holz-Absatzmöglichkeiten seiner Gemeinde.

staatsanzeiger.de: Herr Burger, wie wichtig ist in Ihrer Stadt die Waldwirtschaft?

Roland Burger: In Buchen haben wir überdurchschnittlich viel Waldfläche und allein zehn Schreiner sowie einen Holzverarbeiter. Dass uns die Holz-Preise und Trends der Waldwirtschaft sehr interessieren, ist selbstverständlich. Allerdings beheimatet unsere Stadt nicht nur das Holzhandwerk, sondern auch eine ganze Reihe international bekannter Unternehmen. Die Palette reicht von Autozubehörteilen, Tondachziegeln und Sondermaschinen bis hin zu Fototechnik und Müsliriegeln.

Wie sieht Buchens Waldstruktur aus und wie ertragreich ist sie?

Unser Forst besteht zu 56 Prozent aus Laubholz und zu 44 Prozent aus Nadelholz. Dieser Anteil von Fichte, Kiefer und Douglasie darf nicht weiter absinken, denn ansonsten gibt der Wald keinen Ertrag mehr. Beispiel: In einem normal-wirtschaftlichen Jahr wirft die Waldwirtschaft bei einer Rendite von einem Prozent 330.000 Euro ab, die allerdings noch verzinst werden müssen. Vom Vermögensmanagement müssen wir also sehr aufpassen, wenn die Preise besonders für die Buche fallen, die ein Drittel unserer Bäume ausmacht. Ein Kubik Buche kostet derzeit im Schnitt 30 Euro, das ist gerade so kostendeckend für die Waldbesitzer. Fichte kostet dagegen pro Kubikmeter rund 90 Euro.

In welchem Absatzmarkt sehen Sie die Zukunft der Waldwirtschaft?

Wie die Experten bin auch ich der Meinung, dass auch künftig der Bausektor für das Nadelholz unser Hauptabnehmer sein wird. Und nur die chemische Aufschlüsselung des Zellstoffs wird eine echte Lösung für den engen Laubholzmarkt bringen. Wenn sich dann das Holz verflüssigen und pressen lässt, haben wir auch eine echte Alternative zu den fossilen Brennstoffen. Doch bis dahin ist es ein langer Weg und wir können nur hoffen, dass es noch öfter Jahre wie das vergangene gibt. Denn 2009 sind die Laubholzpreise durch die große chinesische Nachfrage, größere Schneidekapazitäten und die Binnennachfrage nach Holz als Brennstoff leicht gestiegen. Das Holz kommt per Zug nach Asien und trotz der Transportkosten ist dieser Export lukrativer, als die Weiterverarbeitung in der Heimat.

Was muss passieren, damit die Brücke in die Zukunft geschlagen werden kann?

Von der finanziellen Seite aus: Die Wertschöpfung der Produkte muss möglichst lange vor Ort bleiben. Umwelttechnisch müssen wir uns mit dem Klimawandel befassen und wichtige Entscheidungen über den schwierigen Umbau der Wälder fällen. Es gibt viele Prognosen und eine sagt aus, dass wir in Deutschland im Jahr 2100 einen Wald wie um Madrid herum haben werden. – Fast gar keinen. Die Anforderungen wachsen jedenfalls mit Sicherheit schneller als der Wald selbst. Neue Baumarten wie die Douglasie müssen deswegen letztlich dazukommen. Gleichzeitig können wir nicht gegen die Natur wirtschaften. Die Kriterien des naturnahen Waldes sind auch in Buchen nicht mehr wegzudenken.

Wo sehen Sie Waldwirtschaft in 20 Jahren?

Es stehen auch in dieser relativ kurzen Zeitspanne sicherlich große Veränderungen an. Es gibt einige politische Überlegungen. Beispielsweise, deutschlandweit 15 Prozent des Waldes stillzulegen. Wenn diese einschneidende Entscheidung getroffen wird, was ich nicht hoffe, werden viele Sägewerke bankrottgehen. Und das, obwohl die Sägewerkindustrie bereits auf wenige Werke konzentriert ist. Strategisch müssen wir also überlegen, ob wir in 20 Jahren überhaupt noch ernten können, was wir heute sähen. Laubbäume wachsen langsam, Nadelbäume dagegen schnell. Ich denke die Lösung liegt in der Vielfalt der Baumsorten, nur so können wir flexibel reagieren. Wir müssen uns möglichst viele Optionen offen halten.


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