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Bädertourismus: Hälfte der Thermen fürchtet laut Verband um Existenz

11.09.2020 
Redaktion
 
Foto: Mehlin

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STUTTGART. Die vier Staatsbäder Baden-Baden, Bad Mergentheim, Bad Wildbad und Badenweiler haben, ebenso wie Thermal- und Mineralbäder in kommunaler oder privater Trägerschaft, schwer an den Folgen der Corona-Pandemie zu tragen.

Keine Ticketeinnahmen während der mindestens dreimonatigen Schließzeit, teilweise brachen etwa, wie in Badenweiler, Anteile an der Kurtaxe weg oder ein. Dennoch musste, um die Anlagen zu erhalten, der technische Betrieb mit dem entsprechenden Personal weitergehen, so erläutert das Finanzministerium die Situation.

Auch die momentan erforderlichen Hygienemaßnahmen hätten Auswirkungen auf die Finanzen der Bäder, da mit erhöhten Ausgaben zu rechnen sei, um Hygienekonzepte umzusetzen. Ebenso müsse mehr Personal eingesetzt werden.

Gleichzeitig dürfen aber weniger Gäste in die Bäder als früher. Insgesamt könne „über die Höhe der Verluste in diesem Jahr noch keine abschließende Bewertung abgegeben werden“, so eine Sprecherin des Ministeriums.

Besucherrückgang um nahezu 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr

Auch die Heilbäder und Kurorte verzeichneten im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 52,3 Prozent bei den Ankünften und 43,6 Prozent weniger Übernachtungen, so das Statistische Landesamt – mit Folgen für die Thermen. Wie sich die Situation darstellt, ist Gegenstand einer aktuellen Landtagsanfrage der SPD zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf die kommunalen Thermal- und Mineralbäder, deren Beantwortung noch aussteht.

Laut Heilbäderverband Baden-Württemberg leiden die Thermen massiv unter finanziellen Einbußen. Vor Corona besuchten durchschnittlich etwa 180 000 Gäste pro Woche die Thermen, so der Verband. Im Monatsvergleich Juli 2019 zu Juli 2020 seien 49 Prozent weniger Besucher gekommen.

„Etwa die Hälfte der Thermen schätzt den Betrieb mittel- bis langfristig nicht als gesichert ein“, so Verbandspräsident Fritz Link. Denn aktuell müssten „die Einnahmeausfälle, die sich seit Krisenbeginn auf durchschnittlich 1,2 Millionen Euro pro Therme summieren, durch Eigenkapital der Thermen oder durch die Kommunen aufgefangen werden“. Dies führe zu „einer massiven finanziellen Überforderung der Eigenbetriebe und Kommunen“, so Link. Ausgehend von den existenzbedrohenden Umsatzverlusten der Thermen benötigten diese finanzielle Soforthilfen in Höhe von mindestens 35 Millionen Euro.

Wer in den Staatsbädern die Verluste zu tragen hat, hängt von der jeweiligen Gesellschafterstruktur ab. In Baden-Baden sind die Thermen an einen privaten Betreiber verpachtet. In Bad Wildbad ist dies das Land – wie auch in Badenweiler; denn dort war eine Neustrukturierung der Betreibergesellschaft Badenweiler Thermen und Touristik (BTT) vonnöten.

In Badenweiler wird das Land bald Alleingesellschafter der Therme

Das Land war als Minderheitsgesellschafter über die Landesbäderholding Bäder- und Kurverwaltung Baden-Württemberg (BKV) bereits mit 25,1 Prozent an der BTT beteiligt, die die landeseigene Cassiopeia-Therme, den Kurpark und das Kurhaus betreibt.

Nun übernimmt das Land über die BKV zunächst weitere 50 Prozent an der BTT, im Jahr 2021 wird es Alleingesellschafter. Im Gegenzug gehen die Bereiche Touristik und Marketing vollständig in die Zuständigkeit der Gemeinde über.

„Die Gemeinde hatte Kurtaxe und die Fremdenverkehrsabgabe an die BTT abgeführt, die Defizite aus dem laufenden Haushalt ausgeglichen“, so sagt Bürgermeister Vincenz Wissler (FDP). „Der Verlustausgleich hätte die Gemeinde aktuell überfordert.“ Deshalb sei er vorab auf das Land zugegangen. „Mit der neuen Lösung ergeben sich für die Gemeinde mehr Handlungsfreiheit und größere finanzielle Spielräume.“

Badenweiler verzeichnete seit Längerem – entgegen dem Landestrend – rückläufige Übernachtungszahlen. Die anstehende Sanierung der Cassiopeia-Therme durch das Land biete Chancen – wie die gegenwärtige Corona-Situation.

„Gerade jetzt machen die Menschen weniger Fernreisen“, sagt Wissler. „Sie kommen nach Badenweiler, wenn wir die Angebote attraktiver machen.“ Es gelte, die „Konzeptionen für Tourismus im Gesamtkontext des Gemeindeentwicklungskonzepts zu modifizieren“, so Wissler. „Beides muss ineinandergreifen, und dazu braucht es auch die Zusammenarbeit zwischen Therme und Gemeinde.“

Die Staatsbäder nehmen im Südwesten aus historischen Gründen eine Sonderstellung ein. So ist die Bäder- und Kurverwaltung Baden-Württemberg (BKV) Pächterin der landeseigenen Bäder und Kureinrichtungen in Baden-Baden. Außerdem ist die BKV Alleingesellschafterin der Staatsbadgesellschaft in Bad Wildbad. In Bad Mergentheim ist sie Minderheitsgesellschafterin. In Badenweiler wurden die Gesellschafteranteile der BKV erhöht, ab 2021 übernimmt sie die landeseigenen Einrichtungen in Badenweiler zu 100 Prozent.

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