− Anzeige −
− Anzeige −

Bei Ersatzmaterial Kork gibt es wenig Erfahrungswerte

08.10.2019 
Redaktion
 
Die Europäische Chemikalienagentur plant ein Verbot von Kunstgranulat. Das könnte für viele Sportvereine und Kommunen Konsequenzen haben. Foto: dpa/Zentralbild

Foto: dpa/Zentralbild

STUTTGART/BÜHL/JESTETTEN. Der Trend geht seit einigen Jahren zum Kunstrasenplatz. Er ist einfacher zu pflegen und das gesamte Jahr über bespielbar. Schwierigkeiten macht das Kunstgranulat. Es soll nicht mehr verwendet werden. Kommunen, die einen Kunstrasenplatz bauen oder fertigstellen, reagieren unterschiedlich auf die neue Situation.

Kunstrasenplätze könnten ab dem Jahr 2022 zu einem großen Problem für Kommunen und Vereine werden. Genauer gesagt wird das, was sich an Verfüllung im Platz befindet, zum Problem. Es geht um das Kunstgranulat, das die Bespielbarkeit des Platzes sichert, aber in großen Mengen von den Nutzern ausgetragen wird.

Das Granulat gelangt kurzfristig in die Umwelt, mittelfristig in Gewässer und schließlich in die Nahrungskette. Das Land hat die Förderung von geplanten Plätzen, die mit Kunstgranulat verfüllt werden sollen, bereits seit Juni eingestellt.

Arbeitsgruppe soll zukunftsfähige Kunstrasenplatzsysteme ausmachen

Hintergrund ist, dass die Europäische Chemikalienagentur ein Verbot von Kunststoffen dieser Art plant. Ob es tatsächlich umgesetzt wird, ist noch unklar. Im kommenden Frühjahr soll eine nun abgeschlossene Expertenanhörung ausgewertet sein. Dann muss die Kommission der Europäischen Union darüber entscheiden.

Kultusministerium und Sportverbände in Baden-Württemberg haben laut der Antwort des Kultusministeriums auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion inzwischen eine Arbeitsgruppe gegründet. Sie soll Pilotprojekte anstoßen, mit denen ermittelt werden kann, wie zukunftsfähige Kunstrasenplatzsysteme aussehen könnten. Rund 800 bis 1000 Kunstrasenplätze betreiben allein die Sportvereine im Land, bundesweit sollen es rund 6000 sein. In den meisten Fällen finanzieren die Kommunen die Plätze mit, ebenso die Sportverbände und das Land.

Hinzu kommt eine nicht näher bezifferte Zahl von kommunalen Plätzen mit Kunstrasen. In den vergangenen Jahren gibt es einen Trend in den Kommunen, Kleinsportfelder nicht mehr als Rasenplatz, sondern mit Kunstrasen anzulegen. Sie sind weniger pflegeintensiv und kostengünstiger zu betreiben. Die Landesregierung hat die Förderung des Baus von Kunstrasenplätzen nicht gänzlich eingestellt. Wer sich für Alternativen bei der Verfüllung entscheidet, erhält die Landesmittel wie bisher auch. Eine Herausforderung könnte aber der Austausch des Kunstgranulats im Falle des Verbots werden. Er zählt zwar zur Förderkulisse des Solidarpakts Sport III zur Sanierung und zum Neubau von Sportstätten. Der Pakt läuft aber 2021 aus.

Sportvereine sind verunsichert wegen der Entwicklungen

Der Solidarpakt für die Jahre von 2022 bis 2026 soll laut Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) ein Sonderprogramm in Höhe von vier Millionen Euro für den Austausch des Granulats enthalten. Je nach Füllmenge kostet dieser Austausch zwischen 30 000 und 60 000 Euro pro Platz.

Bei den Sportvereinen gebe es eine große Verunsicherung wegen der Entwicklungen, teilt Ulrike Hofmann vom Landessportverband mit. Wichtig sei, dass die Vereine auch in Zukunft gerade im Jugendbereich ihrer gesellschaftlichen Rolle nachkommen könnten.

Zu den alternativen Verfüllungen mit Kork und Sand gebe es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse. Deshalb könne man bislang keine belastbaren Empfehlungen aussprechen. „Wir hoffen, dass die Hersteller für die Zukunft nach Alternativen suchen“, so Hofmann.

In Ausschreibung spielte Frage des Füllmaterials keine Rolle

Während in Uhingen (Kreis Göppingen) der neue Kunstrasenplatz noch mit Kunstgranulat realisiert wird (siehe Infokasten unten), hat man sich in Bühl (Kreis Rastatt) für die Verfüllung mit Kork entschieden. Der Platz wird in der kommenden Woche eingeweiht. „Das war schnell der allgemeine Tenor im Gemeinderat“, berichtet der Sprecher der Stadt, Matthias Buschert, über die Entscheidung Ende Juni. Angesichts des möglichen Verbots könne die Lösung nur eine alternative Verfüllung sein. Welche Art der Verfüllung gewählt wird, habe in der Ausschreibung keine finanziellen Auswirkungen gehabt.

Auch bei einem neuen Platz für den Sportverein in Jestetten (Kreis Waldshut) hat sich die Gemeinde für Kork als Füllmaterial entschieden. „Ursprünglich wollten wir etwas anderes nehmen, aber das machte dann keinen Sinn mehr“, sagt Oliver Roller vom Bauamt der Gemeinde. Während der Umbauphase habe man sozusagen noch umschwenken können.

Die Mittel des Landes wären in jedem Fall sichergestellt gewesen, da der Antrag schon vor dem Ende der Förderung bewilligt worden sei. Schon abzusehen sei aber, dass das Füllmaterial Kork öfter ausgetauscht werden müsse als das Kunstgranulat, sagt Roller.

In Uhingen wird neuer Platz im Falle eines Verbots umgerüstet
Im kommenden Monat wird in Uhingen (Kreis Göppingen) ein Kunstrasenplatz eingeweiht. Dort hat man sich für die Nutzung von herkömmlichem Granulat entschieden. „Wir befinden uns da in einer Zwischensituation“, beschreibt Sprecherin Nicole Schmid die schwierige Lage für die Kommunen, in denen der Bau eines Platzes in die Übergangsphase fällt. Für eine Mehrheit des Gemeinderats gab es zur Alternative Kork noch zu wenig Erfahrungswerte.
„Da müssen wir einfach noch abwarten“, sagt Schmid. Um das Austragen des Kunstgranulats zu minimieren, seien entsprechende Vorkehrungen getroffen worden. Komme es zu einem Verbot, werde man den Platz umrüsten.


− Anzeige −

Kontakt

Ihre Ansprechpartnerin in der Redaktion

Redaktionsassistentin Staatsanzeiger
Doris Kugel
Telefon: 07 11.6 66 01-290
E-Mail senden

Unser Team

Ihr Kontakt zu unseren Redakteurinnen und Redakteuren

Zum Team

Umfrage

Soll das Land den Meisterabschluss mit einer Prämie belohnen?

Umfrage ist nicht repräsentativ.

Praktikums-Tagebuch

Studierende der Hochschulen für öffentliche Verwaltung Kehl und Ludwigsburg berichten über ihr Praktikum im Rahmen des Praxisjahrs im Vertiefungsschwerpunkt Kommunalpolitik/ Führung im öffentlichen Sektor beim Staatsanzeiger. 

Zum aktuellen Tagebuch

Der Kommunal-Newsletter

Wissenswertes zu kommunalpolitischen Themen für Sie als Gemeinderat/Gemeinderätin mit einem wöchentlichen Newsletter direkt in Ihr E-Mail-Postfach. Abonnieren Sie jetzt den neuen 
Kommunal-Newsletter.

Newsletter abonnieren

Titelbild Staatsanzeiger

− Anzeige −