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Dahlbender gibt Amt als BUND-Vorsitzende ab: Rückblick auf Ereignisse in der Umweltpolitik

22.04.2021 
Redaktion
 
Foto: Angela Koch/ BUND BW

Foto: Angela Koch/ BUND BW

STUTTGART. Fast ein Viertel Jahrhundert hat Brigitte Dahlbender als Vorsitzende des Bunds für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Baden-Württemberg die Geschicke des Verbands und auch der Umweltpolitik im Südwesten mit beeinflusst. An diesem Wochenende  hat die 66-Jährige den Vorsitz nach 24 Jahren und acht Amtszeiten abgegeben. Ihre Nachfolgerin wurde die bisherige Geschäftsführerin des Landesverbands, Sylvia Pilarsky-Grosch. Sie wurde an diesem Sonntag gewählt.

Dahlbenders Engagement für Natur- und Umweltschutz begann 1990 und reicht damit fast so weit zurück wie die Geschichte des Umweltministeriums in Baden-Württemberg. Denn das erste eigenständige Umweltministerium im Land wurde 1987 eingerichtet. Erster Umweltminister war Erwin Vetter (CDU).

Das Ministerium wurde als Konsequenz aus der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und dem Chemieunfall im Unternehmen Sandoz bei Basel gegründet. Bei einem Brand gelangte 1986 mit Pflanzenschutzmitteln belastetes Löschwasser in den Rhein, was zu einem Fischsterben flussabwärts bis nach Mannheim führte.


Anti-Atomkraftdemo in Neckarwestheim im Jahr 2010
Foto: Miklas Hahn / BUND BW


Fukushima Gedenk-Demo 2012
Foto: Gergely Kispal / BUND BW

Auch der BUND engagierte sich in den 1990er-Jahren in der Anti-Atom-Bewegung, bis es 2011 nach dem Reaktorunglück in Fukushima zum Ausstieg aus der Atomkraft in Deutschland kam. Von den ehemals fünf Atomkraftwerken in Baden-Württemberg ist derzeit nur noch Neckarwestheim 2 am Netz. Alle anderen werden bereits zurückgebaut.

Dahlbender kam 1990 zum BUND. Sie lebte damals am Ortsrand von Ulm. „Ein Bauer spritzte Pestizide, ungeachtet der Windrichtung. Meine Kinder saßen im Sandkasten in einer Chemikalienwolke. Die einzige sachverständige Antwort auf die Frage, ob man sich dagegen wehren kann, kam vom BUND“, erinnert sich Dahlbender. Bereits ein halbes Jahr später war sie Kreisvorsitzende, 1997 wurde sie dann die dritte Landesvorsitzende.

Erstes Bodenschutzgesetz im Jahr 1991

Einige Jahre zuvor, 1991, hatte Baden-Württemberg bundesweit das erste Bodenschutzgesetz geschaffen. 1994 wurde die Klimaschutz- und Energieagentur (KEA) des Landes gegründet und 1997 die Erarbeitung eines Umweltplans beschlossen. 2001 startete das Förderprogramm Klimaschutz-Plus des Landes. Es ist bis heute ein wichtiges Förderprogramm für Klimaschutzmaßnahmen von Kommunen.

„Mit unserer Arbeit konkret vor Ort sowie in der Politikberatung auf Landesebene haben wir wesentlich zur Bewusstseins- und Ideenbildung in Sachen Nachhaltigkeit, Arten- und Klimaschutz in unserem Land beigetragen“, sagt Dahlbender. Durch den mit dem Volksbegehren Artenschutz – „Rettet die Bienen erzielten Kompromiss habe Baden-Württemberg „das nun fortschrittlichste Naturschutzgesetz in Deutschland“, nennt sie einen weiteren Meilenstein im Bereich der Umweltpolitik, der erst gegen Ende dieser Legislaturperiode erreicht wurde.

„Wir stehen vor einer Herkulesaufgabe“

Unter Dahlbender hat sich der BUND für eine Gentechnik freie Landwirtschaft eingesetzt. Dieses Ziel wurde mit Neuregelungen im Naturschutzgesetz in Baden-Württemberg auch erreicht. Auch gegen Stuttgart 21 und für eine andere Mobilitätspolitik hat der BUND gekämpft. Dahlbender selbst war zwölf Jahre lang Mitglied im Beirat für Raumordnung beim Bundesverkehrsministerium, ist Mitglied im Kuratorium „Nationale Stadtentwicklungspolitik“, ist die Stellvertreterin von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) im Nachhaltigkeitsbeirat des Landes und vertritt den BUND im Strategiedialog Automobilwirtschaft Baden-Württemberg.


Unterschriftensammlung bei der Aktion DageGEN 2018. Foto: BUND BW


Brigitte Dahlbender mit Winfried Kretschmann beim Strategiedialog der Automobilwirtschaft Baden-Württemberg. Foto: Joachim Röttgers / BUND BW

Seit den 1990er Jahren hat sich – so Dahlbender – einiges in der Gesellschaft und Politik in Sachen Umwelt- und Naturschutz getan. „Es gab einen enormen Aufschwung in Baden-Württemberg. Doch das reicht nicht. Wir stehen vor der Herkulesaufgabe, die Klima- und Biodiversitätskrise in den Griff zu bekommen. Unsere Erde kann unseren Lebensstil nicht mehr (er-)tragen. Wir produzieren und konsumieren zu viel, reisen zu viel und verbrauchen zu viele Rohstoffe und natürliche Flächen. Der BUND muss und wird sich auf allen Ebenen der Politik und Wirtschaft noch stärker für eine sozial-ökologische Transformation einsetzen.“

Ein Portrait über Sylvia Pilarsky-Grosch lesen Sie am 23. April 2021 in der Print-Ausgabe und im E-Paper des Staatsanzeigers.


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